17.07.2011

2 Welten, eine Leidenschaft

Zwei Welten, eine Leidenschaft

Rödental - Zugegeben: Die Verbindung zwischen Topf und Deckel, zwischen bayerischer Blaskapelle und chinesischem Dirigenten, erscheint auf den ersten Blick ziemlich exotisch. Immerhin hatte der Mann, den Vorsitzender Christian Jäger für sich und seine Bläserkollegen suchte und glücklich fand, in seiner Kindheit ganz andere Töne im Ohr als Blasmusik: "Meine Mutter ist Geigerin an der Oper in Shanghai, mein Onkel ist Sänger. Es wurde bei uns nie etwas anderes gehört oder gespielt als klassische Musik. Auch keine traditionell chinesische Musik", sagt Daxi Pan. Und erst recht keine deutschen Märsche, böhmischen Polkas oder Wiener Walzer.

Aber das, so will man meinen, verwundert auch nicht bei einem waschechten Chinesen, der bereits im Alter von sechs Jahren Klavier spielte und mit 22 Jahren seine Heimat verließ, um an der Musikhochschule in Berlin das Dirigieren zu studieren. Daxi Pan grinst. Er sei ja inzwischen mit einer Oberbayerin verheiratet. Und in Oberbayern, da führe überhaupt kein Fest an Blasmusik vorbei. Aber dass der 43-Jährige heute nicht nur gute Blasmusik von aufgeblasenem Alpen-Pop unterscheiden kann, sondern auch selbst eine Blaskapelle dirigiert, dafür ist weder seine Frau noch sein jetziger Wohnort Coburg verantwortlich. Dass er nun jeden Mittwochabend 30 Bläser im Takt und manchmal wohl auch im Zaum hält, lag zunächst an einem kleinen Zettel. Der hing Anfang dieses Jahres nämlich am schwarzen Brett des Landestheaters Coburg, wo Daxi Pan seit zwölf Jahren als Kapellmeister und Solorepetitor ein- und ausgeht.

Faszinierender Klang

"Rödentaler Blaskapelle sucht Dirigent für konzertante Blasmusik", stand auf diesem Zettel. Daxi Pan fragt einen Musiker, ob er denn diese Rödentaler kenne. "Nö, aber ich habe gehört, dass sie gut sein sollen", bekommt er als Antwort. Gut. Aber wie gut? Der Vater von zwei kleinen Söhnen geht nach Hause. Er habe schon lange vorgehabt, mal wieder etwas für sich zu machen, begründet er sein Interesse. Und warum ausgerechnet wieder Musik? Warum nicht mal Angeln, Schafkopfspielen oder Gedichte schreiben? "Es sollte doch auch etwas sein, was mir Spaß macht", antwortet der 43-Jährige fast entschuldigend und fügt hinzu, dass es ihn einfach gereizt habe, einmal nur mit Bläsern zu arbeiten. "Mich fasziniert eben auch dieser Klang", sagt Daxi Pan.

Christian Jäger, Vorsitzender des Musikvereins, erinnert sich noch gut an das erste Telefonat: "Drei Wochen nach dem Aushang rief er mich an und fragte, ob die Stelle noch frei wäre." Und er erklärt weiter: "Es ist nicht unbedingt schwierig, einen Dirigenten zu finden. Den Richtigen zu finden, das ist die Kunst." Schließlich müssten Dirigent und Kapelle zueinander passen, dasselbe Ziel verfolgen. Qualitativ hochwertige Musik zu machen, sei das Ziel der Rödentaler Blaskapelle, die in der Oberstufe spielt. "Ich will etwas mit meinen Musikern erreichen. Auch wenn nicht immer alles gleich hundertprozentig klappt", lautet das von Daxi Pan. Die Männer werden sich schnell einig. Im März findet die erste Probe statt - auf Probe. "Ich habe den Leuten gesagt, dass ich ihnen nicht sagen kann, wie sie greifen müssen, sondern wie es klingen soll", erinnert sich Daxi Pan an seine "Premiere". Und siehe da: Der Deckel passt auf den Topf. Die Chemie stimmt.

Inzwischen kennen sich Bläser und Dirigent ziemlich gut. Auch wenn es für "den Daxi", wie ihn die Musikanten nennen, nicht immer einfach ist, Beruf und Blaskapelle unter einen Hut zu bringen, in den wenigen Wochen der Zusammenarbeit hat der 43-Jährige die Kapelle bereits geprägt. Das erreiche Pan zum einen durch die Stückauswahl, so Jäger. Hätte man unter dem früheren Dirigenten noch viele Polkas und Märsche im Repertoire gehabt, so spiele man nun wieder mehr Lehár, Strauß oder Medleys aus diversen Musicals. "Die Noten schlummerten ja alle bei uns im Schrank", betont der Vorsitzende.

Geschichte dahinter

Das Programm wirkt verjüngt. Das steht der Rödentaler Blaskapelle gut zu Gesicht. Denn die gehört mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren auch nicht gerade zum alten Eisen. Zum anderen ist da aber noch etwas, das die Rödentaler an Daxi Pan schätzen. "Er erzählt uns zu jedem neuen Stück die Geschichte dahinter. Man kann sich so besser in die Musik einfühlen", sagt einer aus der jungen Garde. "Eigentlich bin ich ja kein großer Geschichtenerzähler", wiegelt Daxi Pan ab und gibt zu, sich zu Hause gern davor zu drücken, für seine Kinder Geschichten zu erfinden. "Darin ist meine Frau besser", sagt er. Jäger lacht. Er und seine Kollegen kennen Daxi Pan nun gut genug, um zu wissen, dass dem Chinesen Arroganz so fremd ist wie dem Franken das P in Pan. Aber Hauptsache ist ja sowieso, beide treffen den richtigen Ton.

Neue Presse Logo Brigitte Löffler

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