13.12.2010
Wieder vereint
Rödental - Eigentlich ist das Durchschneiden des Bandes ein Privileg der Prominenz. Doch die räumte am Freitagnachmittag in Person von Landrat Michael Busch und Bürgermeister Gerhard Preß bei der Freigabe der neuen Itzbrücke in Unterwohlsbach gerne anderen den Vorrang ein. "Das mit dem Band sollen die Ortsbewohner selbst machen. Sie waren es, die am meisten unter den Bauarbeiten zu leiden hatten", begründete der Landrat seinen Verzicht.
Nachwuchs an der Schere
Wer anstelle der "Großkopferten" (O-Ton Busch) zur Tat schreiten sollte, darüber waren sich die Unterwohlsbacher ruckzuck einig. Zur Schere griffen die dreijährige Mia-Sophie Gräsner und der acht Jahre alte Paul Lindner. Schief gehen konnte nichts, denn als erfahrene Assistenten fungierten Landrat und Bürgermeister, die das Band kindgerecht auf "Schneidehöhe" hielten. Schnipp, schnapp - und die "Brücken-Fete" mit Glühwein, Lebkuchen und Bratwurst konnte steigen.
"Es ist endlich geschafft", freute sich Busch mit den Unterwohlsbachern über die noch vor dem Winter erfolgte Fertigstellung des Bauwerks. Mit dem Lückenschluss sei der gern genutzte "Schleichweg", der den Rödentaler Durchgangsverkehr spürbar entlaste, jetzt wieder befahrbar.
Preß: Wie Mödlareuth
Seit einer Woche rollt der Verkehr wieder durch den kleinen Ort. Seither hat sich auch das Zusammenleben wieder normalisiert. Denn die Baustelle, so Bürgermeister Gerhard Preß, habe Unterwohlsbach fast sieben Monate in Ost und West geteilt. "Die sind sich schon wie die Mödlareuther vorkommen, aber mit der Wiedervereinigung ist die Welt jetzt wieder in Ordnung", spielte das Rödentaler Stadtoberhaupt auf das Schicksal des oberfränkischen Grenzdörfchens an, das alle Welt als "Klein Berlin" kennt.
Als weiteren Aspekt hob Preß wie der Landrat die deutliche Entlastung der vom Durchgangsverkehr arg geplagten Rödentaler hervor. Der "Schleichweg" sei ein wichtiger Baustein für eine "Grüne Welle" auf der Staatsstraße, sagte der Bürgermeister.
Das neue Bauwerk ersetzt die 1950 errichtete Itzbrücke, die der heutigen Verkehrsbelastung der Kreisstraße von Rödental nach Dörfles-Esbach/Lautertal nicht mehr gewachsen war. Wurden 1973 auf dem "Schleichweg" 1717 Fahrzeuge pro Tag gezählt, stieg die Zahl im Jahr 2005 auf fast 6200 an. Gehwege waren auf der Brücke nicht vorhanden, für Fußgänger gab es nur einen 50 Zentimeter schmalen Streifen neben der Fahrbahn. Die wiederum war nur 5,35 Meter breit, so dass der Lkw-Begegnungsverkehr nur eingeschränkt möglich war. Zudem musste die Tragfähigkeit wegen baulicher Mängel von 24 auf 16 Tonnen reduziert werden, was die Einführung des Einbahnverkehrs zur folge hatte. Kurzum: Wäre keine neue Brücke gebaut worden, hätte der Verkehr noch mehr eingeschränkt werden müssen.
Vor diesem Hintergrund entstand in 6,5-monatiger Bauzeit ein ebenso leistungsstarker wie auf künftige Belastungen ausgelegter Itz-Übergang mit einer sieben Meter breiten Fahrbahn und 60 Tonnen Traglast. An den Kosten von 800 000 Euro beteiligt sich die Regierung von Oberfranken mit 535 000 Euro. "Die Brücke passt sich gut in das Ortsbild ein, gliedert Verkehrsströme und trägt somit wesentlich zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und der Verkehrssicherheit bei", sagte Busch.