03.08.2011
Wer friert, bleibt daheim
Coburg - Der Kunstgenuss beim "Tambacher Sommer" ist verwässert gewesen. Die kühlen Temperaturen im Juli, gepaart mit unbeständigem Wetter und Regenschauern, haben die Besucherzahlen bei dieser Konzertstaffel im Rahmen des HUK-Coburg Open-Air-Sommers kräftig nach unten gedrückt. "1000 bis 2000 Besucher weniger waren es in diesem Jahr", muss Konzertveranstalter Wolfgang Friedrich einräumen. Knapp 10 000 zahlende Gäste waren im vergangenen Jahr zu den Konzerten in den Hof des Tambacher Schlosses gekommen, im letzten Monat waren es grob etwas mehr als 8000 gewesen.
In diesem Jahr wurden mit den acht Konzerten keine schwarzen Zahlen erwirtschaftet, sagt Wolfgang Friedrich. Geplant waren neun Konzerte, aber der Auftritt von "Matuschke" am 22. Juli fiel dem kühlen Wetter ganz zum Opfer. "Die Witterung war aber hier nur ein Teil, der zur Absage führte", so Konzertveranstalter Friedrich. Einerseits sei diese Veranstaltung sehr schwach im Vorverkauf gewesen, und dann führten die schlechten Prognosen der Meteorologen dazu, diesen Auftritt sein zu lassen. Auch die "Kubanische Nacht" und "Jamaram" waren gemessen an der Zahl der Besucher schlechte Veranstaltungen.
"Silly" räumt ab
Hingegen hatte "Silly" am 17. Juli die meisten Besucher, weiß Wolfgang Friedrich. "Trotz des Regens hatte die 1978 in Ost-Berlin gegründete Rock-Band, mit der Sängerin Tamara Danz populär wurde, die größte Zahl an Besuchern angezogen. Viele Fans, die der Nässe trotzten, kamen aus Thüringen und Sachsen."
Aber während der drei Wochen des "Tambacher Sommers" hatte es mindestens zehn Grad Celsius zu wenig. Dass die Temperaturen seit Juni zumindest gefühlt zu niedrig waren, merken alle Organisatoren von Open-Air-Veranstaltungen", sagt Friedrich. Natürlich sei eine weitere Ursache die anvisierte Altersgruppe. "Bei einem eher jüngeren Publikum spielt das Wetter nicht so die große Rolle. Die ziehen 'nen Anorak drüber, und kommen auch." Dagegen ist die Frage, ob es warm, kalt oder gar nass ist, für das Publikum etwa zwischen 30 und 60 Jahren schon entscheidend. Weiter spielt nach den Erfahrungen des Rödentaler Konzertveranstalters auch die Entfernung zum Veranstaltungsort eine Rolle. "Die Besucher aus dem Umkreis von rund 50 Kilometer nutzen die Abendkasse und verzichten auf den Preisvorteil des Vorverkaufs."
Wurden in den vergangenen Jahren 20 bis 30 Karten je Konzert an der Abendkasse verkauft, waren es in dieser Saison 300 bis 400 Stück, die noch direkt vor dem Auftritt der Künstler an den Mann oder die Frau gebracht werden konnten. "Es ist bei solchen Wettervorhersagen ganz und gar nachvollziehbar, dass die Leute sich kurzfristig entschließen."
Der Reiz von Open-Air-Veranstaltungen ist, nach den Worten von Wolfgang Friedrich, "auch am späteren Abend in T-Shirt, kurzer Hose und Sommerkleid das Ambiente des Veranstaltungsortes zu erleben und genießen".
Der verregnete Juli 2011 lässt Friedrich die HUK als Sponsor außerordentlich loben. "Ohne eine solche Unterstützung geht kaum noch eine solche Veranstaltung. Das wäre aus kaufmännischer Sicht nicht zu machen."
Nachgedacht wurde schon darüber, den "Tambacher Sommer" des Jahres 2012 vielleicht etwas früher im Jahr über die Bühne im Schlosshof gehen zu lassen. Aber dann gibt es Überschneidungen mit der Fußball-Europameisterschaft, die vom 8. Juni bis 1. Juli 2012 in Polen und der Ukraine stattfindet. Angesichts der immer häufiger stattfindenden Public Viewings würden dann viele Besucher fehlen.
"Im Moment trösten sich die Beteiligten am 'Tambacher Sommer' gegenseitig und haben schon das nächste Jahr im Blick", sagt Wolfgang Friedrich. Und er fügt schelmisch hinzu: "Nächstes Jahr kann das Wetter ja nur besser werden."