09.03.2011

25.000 Menschen geholfen

Wasser für 25000 Menschen

Coburg - Im Norden Kenias, nahe dem Äquator, herrscht ein harter Kampf ums Überleben. Eine Ursache hierfür: der akute Wassermangel. Die dort lebenden Nomaden sind auf ständiger Suche nach Weideland und Wasser, da die geringen Niederschläge keine fortdauernde Landwirtschaft erlauben. In den Schulen ist die Situation besonders tragisch. Der Unterricht muss häufig aufgrund der Wassersuche entfallen.

2006 erreichte ein Hilferuf die fränkischen Rotarier. Der in der katholischen Missionsstation der Oase North Horr im Norden Kenias tätige deutsche Pfarrer Anton Mahl bat um Hilfe bei der Versorgung mit Trinkwasser. Auch wenn Wasser vorhanden ist, ist es häufig stark verschmutzt und unterstützt so die Infektionsgefahr. North Horr liegt zirka 700 Kilometer nördlich von Kenias Hauptstadt Nairobi. Im Einzuggebiet der Mission mitsamt ihren beiden Außenstellen El-Hadi und Balesa leben derzeit 25 000 Kenianer auf einer Fläche von 20 000 Quadratkilometern, dies entspricht in etwa der Größe Frankens. In der zentralen Siedlung von North Horr sind etwa 6000 Kenianer, darunter zirka 3000 Kinder beheimatet.

Die vier fränkische Rotary Clubs Alzenau, Bad Kissingen, Coburg und Haßfurt riefen daraufhin in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg sowie der Missionsstation das Wasserhilfsprojekt "Nachhaltige Wasserversorgung in Nordkenia - Trinkwasser für North Horr" ins Leben. Im September 2007 begann das Projekt. Rotarier aus Coburg und Haßfurt machten sich vor Ort ein Bild von der prekären Lebenssituation: Trinkwasseranlagen waren zumeist unfertig oder nicht ausreichend geschützt. Oft wurden sie gleichzeitig als Viehtränke, Badestelle und als Trinkwasserschöpfstelle genutzt. Technische Geräte wie Pumpen waren defekt oder es fehlten Ersatzteile. Auch waren die vorhanden Anlagen nicht nach dem Bedarf der Region dimensioniert oder für die örtliche Situation ungeeignet.

Das Projektteam erstellte einen Fünf-Jahresplan, wobei die Nachhaltigkeit oberste Priorität hatte. Neben einer rein materiellen Förderung, stand auch eine aktive Einbindung der einheimischen Bevölkerung im Fokus. Der Plan sah neben der Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasserversorgungs-einrichtungen den Bau zusätzlicher Brunnen, Wasserhochbehälter, Rückhaltebecken und Zisternen für Regenwasser vor. Die Einbindung der Bevölkerung, insbesondere der Kinder, sollte durch die Gründung eines Health Clubs realisiert werden. Ziel der Rotarier war es, eine systematische Aufklärung über den Umgang mit Wasser im Unterricht durch geschulte Lehrkräfte zu ermöglichen.

Im Bereich der bestehenden Krankenstation konnte ein aus Deutschland geliefertes Labor für einfache Wasseranalytik eingerichtet werden. Der Betrieb, die Desinfektion und die Instandhaltung der Trinkwasseranlagen sollte durch Mitarbeiter vor Ort sichergestellt werden. Ein Geländefahrzeug wurde bereits zu Projektbeginn angeschafft.

"Ohne die Unterstützung der Hochschule Coburg sowie der Missionsstation wäre die Arbeit vor Ort wohl nicht möglich gewesen", hob Berthold Lendner vom Rotary Club Coburg gegenüber der Neuen Presse hervor. Studenten des Bereiches Bauingenieurwesen überwachten im Rahmen ihrer Praxissemester in Zusammenarbeit mit Einheimischen die Sanierungen und Neubaumaßnahmen in Kenia. Studentinnen des Bereiches Sozialwesen wirkten längere Zeit bei der Unterrichtsgestaltung zum Thema Hygiene und Umgang mit Trinkwasser mit.

Pfarrer Anton Mahl aus North Horr besuchte kurz vor Weihnachten 2010 Deutschland. Auf Einladung des Rotary Clubs Haßfurt berichtete er über die Verbesserung der Trinkwassersituation im Einzugsgebiet der Mission. Erstmals konnte der Unterricht in den Schulen im vollen Umfang durchgeführt werden. Trotz einer lang anhaltenden Dürreperiode mussten die Schulkinder nicht auf Wassersuche gehen. Die neuen beziehungsweise sanierten Trinkwasseranlagen haben daher ihren Zweck erfüllt und die Lebenssituation nachhaltig verbessert.

Der Projektleiter, Professor Dieter Sitzmann, Professor an der Hochschule Coburg und Mitglied im Rotary Club Coburg, ist zurzeit zur Schlussabnahme des Gemeinschaftsprojektes in Kenia unterwegs. Mittlerweile betreiben junge Kenianer unter Aufsicht der Mission die Trinkwasseranlagen nahezu selbstständig.

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