25.10.2011
Volleyballer jubeln
Coburg - Nach einem nervenaufreibenden zweiten Heimspiel hat die VSG Coburg/Grub den Tabellenführer der 2. Bundesliga mit 3:1 (25:18; 20:25; 25:21, 25:21) nach Hause geschickt. 650 Volleyballfans in der HUK-Coburg arena waren schlichtweg aus dem Häuschen..
Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz kann ziemlich schmal sein. Für ein stolzes Auftreten in Coburg hatte der Tabellenführer GSVE Delitzsch jedenfalls allen Grund: Fünf Siege aus fünf Spielen bei lediglich einem verlorenen Satz. Die Sachsen wollen zurück ins Oberhaus. Und ihrem Auftreten vor Spielbeginn zufolge, sollte die VSG Coburg/Grub dabei kein Hindernis darstellen. Im Alten Testament heißt es unter den Sprüchen Salomos: Hochmut kommt vor dem Fall.
Kritik an Schiris
Die Schuldigen waren schnell ausgemacht. Nach einer mehr oder weniger offensichtlichen Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns Wedler/Arm im vierten Satz beim Stand von 22:19 im vierten Satz drehte sich Gästeakteur Jens Andrä in Richtung Coburger Zuschauer und applaudierte demonstrativ. Offenbar hatte seiner Meinung nach die lautstarke Kulisse in Coburg die Punktrichter beeinflusst.
Und auch sein Trainer Frank Pietzonka schlug nach dem 1:3 aus Delitzscher Sicht in diese Kerbe: Bei mindestens vier Bällen hätten Wedler und Arm zum Nachteil seiner Mannschaft falsch gelegen und "zwei davon waren entscheidend". Coburgs Erfolgscoach Milan Maric, der erst gar nichts zu diesen Vorwürfen sagen wollte: "Es gab meiner Ansicht nach auch Fehlentscheidungen zu unseren Ungunsten."
Wie auch immer: Pietzonka jedenfalls räumte später völlig richtig ein, dass seine GSVE "vor allem an den eigenen Fehlern gescheitert ist." Ein Kompliment an eine hochmotivierte und über weite Strecken ebenso hochkonzentrierte VSG Coburg/Grub verkniff er sich. Auch die Stimmung in der Halle sei "nichts besonderes" gewesen. Selbst wenn die Gäste von den teils frenetisch anfeuernden 650 Coburger Volleyballfans unbeeindruckt geblieben wären, die Gastgeber profitierten nach eigener Auskunft ungemein von der starken Stimmung auf den Rängen. VSG-Erfolgstrainer Milan Maric auf die Frage von Hallensprecher Köhler ob er heute einen Spieler herausheben möchte: "Nur die Fans, danke für diese unheimliche Unterstützung."
Noch mitten im Spiel lobte Ex-Fußballprofi Jörg Dittwar "die geile Stimmung in der Halle" und kündigte an beim nächsten Match wiederzukommen. Und auch HSC-Trainer Hrovje Horvat, der auf Einladung von Landsmann Maric direkt hinter dem Ex-Cluberer Platz genommen hatte, outete sich, gerade als die Gäste zum 1:1 ausgeglichen hatten, als Volleyballfan: "Schon bei den olympischen Spielen 1972 habe ich neben der Leichtathletik nur das Volleyballturnier verfolgt. Die VSG ist ein tolles Team und kann offensichtlich in der zweiten Liga jeden schlagen."
Geschlossene Leistung
Trotz einer geschlossenen mannschaftlichen Leistung der VSG war am Samstag-Abend Hans-Peter Nürnberger herauszuheben, der dank seiner Variabilität etliche entscheidende Punkte holte und dazu Bestandteil des VSG-Monsterblocks Nürnberger/Gudas war. Nur im zweiten Satz konnten die Gäste ihrer Favoritenrolle gerecht werden, doch selbst der 25:20-Satzgewinn sieht eindeutiger aus als er wirklich gewesen ist. Nach einem 0:6-Rückstand stemmte sich der Tabellenführer dann im vierten Durchgang nochmal vehement gegen die drohende Niederlage und die VSG zeigte hier kurzfristig Angst vor der eigenen Courage, was Maric jedoch in einer Auszeit beim Stand von 20:17 in den Griff bekam.
Am Ende blieb der Fall der Gäste auf Rang zwei in der Tabelle und viele Autogrammwünsche an die VSGler, die ankündigten diesen überraschenden Sieg ganz traditionell in einer Coburger Pizzeria ausgiebig zu feiern.