29.04.2011

Verkaufte Braut

Verkaufte Braut

Coburg - „Die verkaufte Braut“ macht es möglich. Für Smetanas Meisterwerk nimmt Klaus Teepe Urlaub vom Ruhestand. Der langjährige Ausstattungsleiter des Heidelberger Theaters bringt die Oper gemeinsam mit Gastregisseur Peter Brenner auf die Bühne des Landestheaters. Nach 25 Jahren kehrt Teepe damit nach Coburg zurück, wo er einst unter dem damaligen Intendanten Tebbe Harms Kleen drei Musiktheater-Produktion als Gast betreut hatte.

Bei Smetanas „Verkaufter“ Braut denken viele Opernfreunde meist an bunte böhmische Folklore. Wie sieht Ihre „Braut“ aus?

Gar nicht böhmisch auf den ersten Blick. Dabei waren wir - Regisseur Peter Brenner und ich – uns rasch einig, dass das tschechische Kolorit der Musik den Ton vorgibt. Bei uns spielt „Die verkaufte Braut“ in einem armen Dorf. Das wird auch in der Kleidung deutlich. Dazu gibt es noch einen gleichfalls armen Wanderzirkus als weiteres szenisches Element. Wir lassen die ganze Handlung in einer Scheune spielen. Mit ihren großen Toren lässt sie sich rasch in wechselnde Räume verwandeln. Das hat den Vorteil, dass wir uns lange Umbaupausen sparen. Die Scheune ist der Treffpunkt des Dorfes. Dort trifft man sich zur Arbeit, dort trifft man sich aber auch zum Feiern. Und für die Sänger hat diese Scheune mit ihren Wänden den Vorteil, dass sie sich in der heiklen Akustik des Landestheaters besser gegen das Orchester behaupten können.

Haben Sie das Werk schon andernorts ausgestattet?

Ja – sogar bereits mehrfach. Allein in Heidelberg schon zweifach – einmal im Theater selbst, wo ich insgesamt fast drei Jahrzehnte als Ausstattungsleiter gearbeitet habe, und einmal bei den Schlossfestspielen als Freiluftaufführung. Ende der 70er Jahre habe ich außerdem auch eine Produktion in Bremen ausgestattet.

Wie hat sich die Coburger Zusammenarbeit mit Regisseur Peter Brenner ergeben?

Peter Brenner hat „Die verkaufte Braut“ noch nie inszeniert. Als er dann von Intendant Bodo Busse das Angebot bekam, das Werk zu inszenieren, hat er mich gefragt, ob ich die Ausstattung übernehmen könnte. Obwohl ich 2008 in Pension gegangen bin, habe ich dann rasch zugesagt, weil ich mit Brenner schon viele gemeinsame Projekte gemacht habe. Wir kennen uns schon seit 1970, haben zusammen viele Produktionen in Darmstadt, Mainz und Freiburg betreut. Coburgs Intendant Bodo Busse kenne ich schon aus Mainz, wo er damals als Musikdramaturg gearbeitet hat. 

Wie ist das Konzept für die Ausstattung der „Verkauften Braut“ entstanden?

Nach zwei, drei Gesprächen war uns klar, wohin die Reise gehen soll. Peter Brenner ist ja ein Regisseur, der sehr genau am Text und an der Partitur entlang inszeniert, ohne dass es altbacken wirken soll.

Was ist für Sie der besondere Reiz an der „Verkauften Braut“, was die besondere Schwierigkeit?

Im Grunde glaube ich, dass das Werk lange Zeit oft verkannt wurde in Deutschland. Das lag nicht zuletzt an der schlechten deutschen Übersetzung aus den 50er Jahren. Wenn man nicht aufpasst, wird aus der „Verkauften Braut“ ganz schnell eine Operette. Dabei ist das Werk keineswegs nur lustig. Natürlich gibt es Situationskomik, aber Operette darf daraus auf keinen Fall werden. Das Tolle ist die Musik. Damit hat Smetana die tschechische Atmosphäre sehr genau getroffen. Man muss das Werk sehr ernst nehmen. Man muss die Menschen darin sehr genau schildern.

Kannten Sie Coburg schon von früheren Gastspielen?

Ja, noch aus Zeiten von Intendant Tebbe Harms Kleen. 1984 habe ich Lortzings „Zar und Zimmermann“ ausgestattet. Die Produktion wurde dann im Jahr darauf in Heidelberg gezeigt. Umgekehrt war dann meine Heidelberger Ausstattung von „Boccaccio“ 1985 auch in Coburg zu sehen. 1986 habe ich dann am Landestheater auch noch „Die schöne Helena“ gemacht.

Was hat sich seitdem aus Ihrer Sicht am Coburger Haus geändert?

Damals war die räumliche Situation bei der Kostümabteilung noch sehr beengt – das hat sich zum Glück geändert.

Sie sind seit 2008 im Ruhestand. Fehlt Ihnen eigentlich die ganz spezielle Theateratmosphäre sehr?

Ich vermisse Theater eigentlich gar nicht. Allerdings habe ich noch guten Kontakt zu vielen ehemaligen Kollegen. Auch in Coburg habe ich viele Bekannte aus früheren Jahren getroffen – zum Beispiel Hans Stähli, den ich auch noch aus Heidelberg kenne. Und von Husum aus, wo ich jetzt wohne, kommt man bei Bedarf ganz schnell ins Theater nach Lübeck zum Beispiel oder auch nach Hamburg.

Coburger Tageblatt Logo Jochen Berger

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