05.08.2011

Ulmann vs. Hartan

Ulmann vs. Hartan

Coburg - Nein, dicke Freunde werden Coburgs Dritter Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (ehemals CSU, jetzt CSB) und der CSU-Fraktionsvorsitzende Hans-Herbert Hartan in diesem Politikerleben wohl nicht mehr. Und falls doch, könnten sie ihre Friedenspfeife vielleicht im Ketschentor rauchen – denn das ist der neueste Streitpunkt. 

Nachdem Ulmann als Baubürgermeister die Umbaupläne lange entscheidend mit vorangetrieben hatte, überraschte er jetzt mit der Ankündigung, dass es mit ihm einen solchen Umbau keinesfalls geben werde – „das ist so nicht durchsetzbar; ich gehe davon aus, dass der Umbau Geschichte ist.“ Auslöser für den Sinneswandel, das räumt Ulmann offen ein, war die Simulation des geplanten Vorhabens, die in in der Bevölkerung heftige Proteste ausgelöst hat. „Ich gebe zu“, sagte er gestern dem Tageblatt auf Anfrage, „das hat bei mir einen Nachdenkungsprozess in Gang gesetzt.“ Denn bis zur Simulation hätte er die Dimension des Umbaus nicht bedacht – umso dankbarer müsse man sein, dass es diese Simulation gab. Und während ihn andere bereits hinter vorgehaltener Hand als „Umfaller“ und „Wendehals“ bezeichnen, kann Ulmann selbst daran nichts Verwerfliches finden: „Wir sind in einer planerischen Entwicklung – und warum soll sich nicht auch der Baubürgermeister an einem Meinungsbildungsprozess beteiligen dürfen?“

Kritik hinter vorgehaltener Hand – das ist nichts für Hans-Herbert Hartan. Auch deshalb hat er einen Antrag zur nächsten Stadtratssitzung gestellt. Er will, dass die Vertraulichkeit der unter Ulmanns Leitung erfolgten Beschlüsse im Bausenat aufgehoben wird. In seiner Antragsbegründung schreibt Hartan wörtlich: „Die Öffentlichkeit hat Anspruch darauf, zu erfahren, wie Baureferent Ulmann bislang die Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplanes vorangetrieben hat, welche Beschlüsse er dem Bausenat vorgelegt hat und vor allem, wie sein eigenes Abstimmungsverhalten zum Thema ,Verkleinerung des Durchganges Ketschentor’ bislang gewesen ist.“

Auf Tageblatt-Nachfrage wird Hartan noch deutlicher. Ulmann sei mit seinem Bauamt von Beginn an „maßgeblich“ an den Planungen der Ketschenvorstadt beteiligt gewesen, gibt der CSU-Fraktionsvorsitzende zu bedenken, und somit „natürlich auch an den Planungen für die Umgestaltung des Ketschentors“. Wenn er jetzt erkläre, eine Verkleinerung des Ketschentores würde es mit ihm nicht geben, dann solle er aber auch erklären, weshalb er genau entgegengesetzte Pläne dem Bausenat vorgelegt hat. Außerdem solle er erklären, für welche Variante er sich noch bis zur letzten Bausenatssitzung persönlich stark gemacht habe. Und nachdem es ja schon öfter so gewesen sei, dass Ulmann „den Begriff ,Wahrheit’ etwas eigenwillig interpretiert“ habe, sei er, Hartan, nun um so gespannter auf Ulmanns „Interpretation“ zum Ketschentor.

Volle Rückendeckung erhält Hans-Heinrich Ulmann – erwartungsgemäß – vom Fraktionsvorsitzenden der Christlich-Sozialen Bürger (CSB), Christian Müller: „Der Baubürgermeister ein Umfaller? Mag sein – aber warum soll man etwas gegen den Willen der Bürger planen?“ Auch er, Müller, sei aus fachlichen Gründen lange Zeit für eine Verkleinerung des Tors gewesen. „Aber optisch konnte sich doch bis zur Simulation kaum einer etwas vorstellen.“ Nunmehr sei für ihn klar: „Die Pläne sind so bei der Bevölkerung nicht durchsetzbar. Und davor dürfen wir Politiker doch nicht die Augen verschließen.“ Zumal: „Jetzt kann man eine Bausünde noch vermeiden!“

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