29.11.2011
Therme auf dem Vormarsch
Bad Rodach - Der Ausbau der Staatsstraße 2205 von Wiesenfeld in Richtung Coburg sowie der Einstieg der Stadt und des Landkreises in die Betreibergesellschaft der „Therme Natur“ sind die beiden nächsten großen Projekte, die aus Sicht des Landkreis den westlichen Landkreis voran bringen sollen. Dies hat Landrat Michael Busch (SPD) bei seinem „Dialog“ mit den Bürgern im Cafe Fadler angekündigt. „Nur so können wir Bad Rodach und das Umland für Touristen attraktiver gestalten“, betonte der Landrat.
Um mehr Badegäste nach Bad Rodach zu bringen, müsse eine entsprechend leistungsfähige Verkehrsanbindung entstehen. Schließlich liege es sowohl im Interesse der Stadt als auch des Landkreises, wenn möglichst viele Menschen nach Bad Rodach kommen. Daher müsse die Ausrichtung der Trägergesellschaft für die Therme neu definiert werden.
Einen zusätzlichen Grund für den raschen Ausbau der Staatsstraße sprach während der Diskussion Thilo Heiner an: Er verwies auf die für den Rettungsdienst gültige Hilfsfrist. Diese sehe vor, dass eine Einsatzfahrt vom jeweiligen Stützpunkt an die Einsatzstelle nicht länger als zwölf Minuten dauern darf. Dies sei – von der Stadt Coburg aus – bis nach Bad Rodach nicht zu erfüllen. Busch informierte darüber, dass hier momentan nach Lösungen gesucht wird. Vermutlich werde die Rettungszentrale in der Sally-Ehrlich-Straße aufgelöst und je ein Stützpunkt im Norden und im Süden der Stadt eingerichtet. Allerdings rechnete Busch vor: „Aus Kostengründen ist die vom Ministerium geforderte Aufteilung nicht realisierbar.“ Eine Verbesserung erreiche man nur, indem der Staat beim Straßenausbau am Ball bleibe.
Millionen für die Schulen
Angestrebt wird eine noch engere Vernetzung der Schulen mit den ausbildenden Unternehmen und Betrieben in der Region. Der Landrat stellte klar: „Um die Schulreform adäquat umsetzen zu können, werden für die Realschule CO II 26 Millionen Euro, sowie für die Realschule und das Arnold-Gymnasium in Neustadt 23 Millionen Euro an Investitionen fällig.“
Die räumlichen Auswirkungen der Bildungsreform mit Schließung und Verlagerung von Schulen führt aber auch zu neuen Belastungen bei der Beförderung. Dies berichtete Markus Zimmer: „Durch die Konzentration der Berufsschule für einige Branchen auf Bamberg können die Ausbildungskosten um einige Hundert Euro im Jahr steigen.“
Vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel stehen Eltern, deren Kinder eine Schule nach freier Wahl besuchen: Aus Bad Rodach treten mehrere Kinder den Schulweg nach Hildburghausen an, wobei es für manche die kostenfreie Beförderung gibt, für einige jedoch nicht. Dieses Phänomen kann sogar Geschwister betreffen, die unterschiedliche Klassen an der gleichen Schule besuchen.
Der Landrat stellte fest, dass die grundsätzlich festgeschriebene freie Beförderung ihre Tücken aufweise. „Der Freistaat Bayern will natürlich, dass die Kinder bayerische Schulen besuchen“, erläuterte Busch. Deshalb gelte die Regel, dass die Beförderung nur bis zur nächstgelegenen Schule frei ist. Bei der freien Wahl einer anderen Schule werde die Kostenfreiheit jedoch unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich gewährt: Neben der Entfernung zum Wohnort werde auch der Schultyp und der jeweilige Fachzweig als Kriterium mit einbezogen.
Auf die Frage nach den zum Teil langen Wartezeiten der Kinder bis zur Heimfahrt verwies der Landrat auf die stark unterschiedlichen Unterrichtszeiten der Schulen. „Die Kosten für kürzere Intervalle würden im ÖPNV ebenso explodieren wie bei den beauftragten privaten Schulbusunternehmen“, erklärte Busch. Nach Abschluss der Bildungsreform stehe aber eine bessere Abstimmung in diesem Punkt auf dem Programm.
Eine Klarstellung bei ablehnenden Bescheiden zur Beförderung fügte Busch abschließend hinzu: Der Begriff eines „gesicherten Schulweges“ beziehe sich auf die Strecken der Züge und Busse. Werde ein Wohnort außerhalb der Stadt nicht regelmäßig angefahren, gelte der Schulweg als „nicht gesichert“. Dies habe aber nichts mit einer erhöhten Gefahr von Übergriffen auf Kinder zu tun.