22.08.2011
Teuflisch gut
Coburg - Der steinerne Herzog auf dem Schlossplatz muss mit ansehen, wie ganze Volksmassen einem Grafen huldigen. Ihnen ist die Rangfolge der Herrschaft egal, auch Adelstitel sind ihnen nicht mehr heilig, "Unheilig" eben. Die Band ist gekommen, um den Menschen die "Große Freiheit" zu bringen. So heißt das "Unheilig"-Studioalbum aus dem vergangenen Jahr.
15 000 Besuchern zählten die Veranstalter des HUK-Openair gestern beim Konzert des charismatischen Sängers und seinen Musikern. Unter das Motto "Heimreise" hat "Unheilig" die Tour auf Bühnen unter freiem Himmel 2011 gestellt, bei dem die Band auch Station in der Vestestadt machte.
Bereits nach 17 Uhr zeigte sich, dass dem Grafen auch in Coburg die Menschen zu Füßen liegen - oder zumindest begeistert vor ihm stehen. Die Besucher strömten nur so auf den Schlossplatz. Freie Parkplätze gab es in der Stadt bald nicht mehr. Bereits zwei Stunden vor dem "Unheilig"-Auftritt war der Bereich vor der Bühne vollständig mit Publikum gefüllt. Am Einlass endete der Pulk aber noch lange nicht. Alle Hände voll zu tun hatte deshalb das Sicherheitspersonal an den beiden Eingängen, alle Ticketbesitzer zu kontrollieren und hereinzulassen..
Der Graf zieht das Publikum in seinen Bann. Dabei kommen seine musikalischen Untertanen weder aus einer bestimmten Subkultur noch aus einer speziellen Altersgruppe. Auch gestern standen neben Familien mit Kindern Gothic-Fans oder der junge Teenager mit einem "Unheilig"-T-Shirt suchte sich seinen Weg durch fein gekleidete Konzertbesucher, die an ihrem Wein nippten. "Unheilig" entpuppte sich in Coburg als übergreifendes Projekt, das keine Grenzen kennt und verschiedene Menschen anspricht. "Wir sind geboren, um zu leben" singt der Graf und gewinnt die Herzen unabhängig von Herkunft und Generation.
Für den Grafen waren viele Zuhörer sogar bereit, lange Wartezeiten an den Imbiss- und Getränkeständen in Kauf zu nehmen. Aber nicht nur dort: Selbst das dringende Bedürfnis kostete nicht nur Geld, sondern vor allem auch viele Minuten vor dem Toilettenwagen.
Auf dem Schlossplatz wurde es mit zunehmender Dauer enger und enger. Die Leute drängten nach vorne. Das Vorprogramm hatte begonnen, mehr als eine nette Berieselung im Hintergrund war es für die meisten Besucher aber nicht. Stattdessen führten sie weiterhin ihre Gespräche oder versuchten, einen "Unheilig"-Fanartikel zu ergattern.
Aber nicht nur mit der Besucherzahl erreichte dieses Konzert des HUK-Openair neue Dimensionen. Auch bei der Familienfreundlichkeit setzte "Unheilig" Maßstäbe: Auf den Arkaden gab es eine eigene Familienzone. Außerdem hatte die Band vor der Ehrenburg ein "Unheiliges Kinderland" aufgebauen lassen, in dem sich die jüngsten Konzertbesucher die Zeit vertreiben konnten.