22.10.2011

Studenten ohne Bleibe

Studenten ohne Bleibe

Coburg - In Bullis Bauch ist es etwas eng, aber gemütlich und noch warm. Auf dem Tisch flackern Kerzen, drumherum sind Nora Stach, Mattis Wendholz und Steffi Petzold in eine Unterhaltung vertieft. Nur Steffi ist schon "echte" Studentin, die anderen beiden wollen sich zum nächsten Semester bewerben und arbeiten übergangsweise bei Brose.

Soweit nichts Ungewöhnliches, bis auf den Wohnsitz von Nora und Mattis. Der ist aktuell ein VW-Bus. So war das auch bei Steffi, doch sie ist mittlerweile fündig geworden. Bei einem kleinen Jonglage-Auftritt am ersten Tag in der Vestestadt hatte sie ein Schild aufgestellt: "Suche WG-Zimmer" - und hatte prompt Erfolg.

Nachts ziemlich kalt

Seitdem wohnt sie im Pfadfinderhaus in der Ketschengasse. Vorerst in einer kleinen Kammer, ab November ist ihr Zimmer fertig. Erleichtert ist sie trotzdem. "Das war jetzt nachts schon ziemlich kalt." Was Nora nur bestätigen kann, obwohl es "mit Mütze, Schaffell und zwei Decken" schon geht. Schwieriger sei da ihr Morgenritual. 5 Uhr 30 aufstehen, blitzartig anziehen und dann "renne ich ganz schnell zu Brose."

Wie die aktuelle Wohnsituation ihrer Kommilitonen aussieht, sagt Steffi, sei schwer zu deuten. Sie weiß nur: Der eine oder andere schläft auch mal bei einem Freund.

Szenenwechsel: In der Mensa der Hochschule sitzen Eva und Sandra. Seit Anfang September waren sie auf Wohnungssuche. Dabei haben sie sich viel angeschaut und oft auch gedacht "Oh Gott". Bei Schimmel, kaputten Fliesen oder "ganz speziellen Schuhen", die Rückschlüsse auf einen ganz speziellen Beruf der Vormieterin zuließen.

Die beiden Studentinnen haben viel im Forum der Hochschule gesucht. "Von der Stadt hatten wir den Eindruck, dass die am Thema Wohnungssuche nicht so sehr interessiert ist." Trotzdem ging alles gut aus: Seit Mitte September sind Eva und Sandra in Creidlitz in einer WG untergekommen.

Zurück im Bus: Nora und Mattis sind zwar auf der Suche, aber noch relativ entspannt. Sie genießen ihr Mini-Territorium. "Man hat viel mehr Zeit, Sachen zu machen, die sinnvoll sind." Denn ohne Fernseher, WLAN-Zugang und andere Kleinigkeiten werde mehr gelesen oder auch schon mal gespielt.

Gesucht haben sie schon: Im Hochschul-Forum. Leider auch mit vielen anderen Bewerbern. "Da hätte man den ganzen Tag vor dem PC sitzen müssen, sonst schafft man es nicht." Sie haben auch schon Zimmer besichtigt, beispielsweise eines mit 14 Quadratmetern für 325 Euro, erzählt Matthis. "Ich finde die Preise für eine Kleinstadt ziemlich hoch."

Eine Museumsstadt

Apropos Kleinstadt, wie gefällt den Osnabrückern die neue Heimat? "Sehr gut, total spießig, aber trotzdem nett." Spießig? "Na ja, man wird schon wegen seines Kleidungsstils schräg angeguckt. Oder die Leute schauen ganz entgeistert, wenn wir früh aus dem Bus aussteigen." Außerdem sei es hier so sauber und ordentlich. "Das könnte auch eine Museumsstadt sein."

Wobei es auch positive Reaktionen gibt. Auf dem Callenberg habe sie einmal eine Oma angesprochen, die total begeistert war von all der Unkonventionalität. Und dort in der Nähe gäbe es auch die beste Waschgelegenheit. Nein, nicht im Goldbergsee. Die Dachrinne eines leer stehenden Hauses sei dermaßen zerlöchert, "da kann man duschen, fast wie in einer Sporthalle".

Auch zu einem Bulli-Treffen habe man schon eingeladen. Nun wartet eine Liste mit Telefonnummern darauf, dass es wieder wärmer wird und die nächste Zusammenkunft geplant werden kann. Aber bis dahin hoffen Nora und Mattis auf eine feste Unterkunft.

Neue Presse Logo Daniela Greschke