08.09.2011
Strom tanken
Neustadt - Ressentiments gibt es genug - gegen die elektromotorisierten Fahrzeuge. Wo bleibt der Sound, wo die Power, wo das Feeling? Gibt es denn genügend Lademöglichkeiten und wie lange halten die Batterien überhaupt? Am besten, sich seine Meinung zu bilden, ist der Test eines E-Autos. "Fahren sie doch einmal durch unseren Landkreis und schauen sie selbst, wie sich so ein Elektro-Auto fährt", gibt Marco Höhn, Energieberater der Stadtwerke Neustadt (SWN), mit auf den Weg. Und der führt zunächst per pedes zum Abstellplatz des Fahrzeugs in der Dieselstraße, denn dort hängt das Auto noch an der Stromtankstelle. Es ist eine von derzeit sechs im Landkreis. "Rund 150 Kilometer kommt man damit maximal", erklärt der Fachmann und weist kurz in die Besonderheiten ein.
"Das Elektro-Auto fährt sich wie ein Automatik-Kfz. Dann aber Vorsicht, man hört nichts", sagt Höhn und neugierig nähert sich die Gruppe dem Citroen. Die Vorurteile nehmen zunächst noch zu. "Putzig sieht er aus, eher wie ein Spielzeug", macht es die Runde und dann wird doch tatsächlich eingestiegen, nicht ohne vorher das Ladekabel zu entfernen. Und da macht sich das erste Mal ein "Aha-Effekt" breit: Ganz schön viel Platz hat der Kleine.
Beim Starten hört man tatsächlich nichts, Automatik-Getriebe auf "D" stellen und schon rollt das Gefährt los. Doch bereits beim ersten Gas geben, pardon "Strom geben", merkt der Fahrer, dass da tatsächlich Power drin ist. "Beschleunigt ganz gut, da schaut ein herkömmlicher Kleinwagen ganz schön in den Auspuff", merken die Insassen, dass der Vergleich hinkt: Elektro-Autos haben keinen Auspuff. Doch die Fahrleistungen sind beeindruckend. 130 Stundenkilometer Spitze, in 15,9 Sekunden beschleunigt der C-Zero, so seine Typbezeichnung, von 0 auf 100. Landstraßen dürften also kein Problem sein. Im Visier behält der Fahrer dennoch geflissentlich den Ladezustand der Batterien. "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser", schmunzelt er.
Von Neustadt geht es nach Rödental. "Wie schlägt sich das Elektro-Auto auf der Autobahn?", wollen die Insassen wissen. Also rauf auf die Autobahn A 73 in Richtung Ebersdorf. Auch hier ein gutes Gefühl: Das mit drei Personen besetzte Elektro-Auto klettert schnell auf die Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometer. "Dann ist halt derzeit noch Schluss", gibt Höhn vor, dass auch bergab nicht mehr drin ist. Doch die Besatzung will den östlichen Landkreis erkunden und fährt bei Ebersdorf von der Autobahn ab, einige Steigungen sollen getestet werden. Auch hier müht sich das Elektro-Auto nicht, sondern nimmt tapfer Höhen wie die nach Plesten hinauf. "Wir haben hier auch eine Elektro-Tankstelle in der Nähe", sagt Höhn dann und verweist auf das Stromtankstellen-Netz, das ständig wächst.
"Wir können hier in Mittelwasungen an der Gastwirtschaft Hofmann auftanken und derweil einen Kaffee trinken", nehmen wir gern den Hinweis von Höhn auf. Denn dort wird auch ein Fahrerwechsel vorgenommen. Jeder will schließlich mal in den Genuss kommen. Genuss? Ja tatsächlich, das Fahren mit dem Elektro-Auto macht wirklich Spaß. So fahren die drei "Autotester" weiter über die Lande wieder gen Neustadt, um nach gut zwei Stunden einen ersten Fahreindruck zu gewinnen. "Wir hätten nicht gedacht, dass das Elektro-Auto schon so weit ist. Für Kurzstrecken oder den Stadtverkehr ist es durchaus eine Alternative", notieren die drei das Fazit. Einzig der Preis ist noch eine Hemmschwelle: "Rund 35 000 Euro kostet der elektrogetriebene Citroen derzeit", sagt Höhn. Aber da wird die Automobilindustrie sicherlich auf den Zug aufspringen und die Preise bei ausreichender Nachfrage gehörig purzeln lassen.