09.03.2011

Streitfall Gülle

Streitfall Gülle

Stöppach - Gerhard Ehrlich, der Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband (BBV), hatte gestern für das neuste Gerücht aus der „Auflagen“-Küche bei der „politischen Schlachtschüssel“ des BBV im Gasthaus Hauck nur ein Wort: „Wahnsinn“. Die Pläne, dass Gülle künftig rechtlich als Abfall eingestuft werden soll, könnte sich nach Ansicht von Ehrlich als existenzgefährdend für viele landwirtschaftliche Betriebe herausstellen.

Lagerung, Transport, Verarbeitung – in alle Fachbereiche der Landwirtschaft würde diese Entscheidung hinein ragen. So drohe, wenn Gülle mit Abfall gleichgesetzt wird, das grüne Nummernschild für Gülle-Fässer künftig nicht mehr auszureichen. Und noch schlimmer: Die Vorschrift, dass spätestens in zehn Jahren alle Güllegruben mit einem technisch und baulich aufwändigen Leck-Erkennungssystem ausgerüstet sein müssen, könnte angesichts der drohenden Investitionen viele Bauern zum Aufhören bewegen. Da schüttelte sogar Gerold Strobel, einer der Gäste aus der Politik bei der „politischen Schlachtschüssel“ den Kopf über so viel Bürokratismus in Deutschland. „Man kann es auch schon übertreiben.“

Hans Vetter, der Leiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg, warnte in der Diskussion um übertriebene Reglementierungen davor, dass Deutschland immer wieder die Führungsrolle übernehmen will. Bestes Beispiel für ihn: das Verbot der Käfighaltung bei Hühnern, weit vor dem EU-weit gültigen Termin. Dadurch sei die nationale Selbstversorgungsquote bei Eiern von 90 Prozent (im Jahr 1990) auf 58 Prozent (2010) gesunken. Der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach dagegen sah die Sache nicht so dramatisch und riet dazu, die Sache gelassener zu sehen: „Die anderen Länder werden dafür noch bezahlen, dass sie nachhängen.“

Ein Thema, dass die Mitglieder des Kreisvorstandes im BBV derzeit ebenfalls bewegt: die Diskussion um den E10-Kraftstoff. „Schäbig“ fand es zum Beispiel Gerhard Ehrlich, wie derzeit über den höheren Beimischungsgrad an Bio-Ethanol im Kraftstoff diskutiert wird. Zwei Millionen Tonnen Benzin könnte man durch E10 pro Jahr in Deutschland einsparen – und damit auch den Landwirten als Produzenten des Biokraftstoffs ein wirtschaftlich sicheres Standbein ermöglichen.

Hans Michelbach (CSU) kritisierte beim Punkt „E 10“ die FDP: Diese sei mit ihrer Kritik am neuen Kraftstoff der CDU/CSU als Koalitionspartner total in den Rücken gefallen. „Das kann so nicht sein“, sagte das MdB. Michelbach zeigte sich hingegen von der „wichtigen Wertschöpfungskette für die Landwirte“ durch den neuen Kraftstoff überzeugt. Allerdings gebe es wohl noch einige dicke Bretter zu bohren, um dem E10 zur nötigen Akzeptanz zu verhelfen. Und Michelbach wusste auch, wem man dies zu verdanken habe: „Die Mineralöl- und Automobil-Lobby wollen die Landwirte nicht dabei haben.“

Ein bisschen kritischer sah Michelbachs Parteifreund Jürgen W. Heike die Sache. Er habe schon das Gefühl, dass die Einführung des neuen Kraftstoffs „nicht ausgereift“ gewesen sei. Und deshalb brauche man sich auch nicht zu wundern, wenn der Verbraucher nicht mitspielt, so der Landtagsabgeordnete: „Der greift nämlich nur dann zu, wenn er effektiv spart.“

Coburger Tageblatt Logo Berthold Köhler