09.11.2011
Startschuss für Mittelschule
Coburg - Bereits im September 2010 haben der bayerische Ministerpräsident und der Kultusminister einigen ausgewählten Hauptschulen die ersten Urkunden überreicht. Aus den ihnen wurden somit Mittelschulen. Jetzt war es auch in Coburg soweit: Am Dienstagvormittag bekamen die Leiter aller Hauptschulen des Schulamtsbezirks Stadt und Landkreis Coburg die Mittelschul-Urkunde aus der Hand von Regierungspräsident Wilhelm Wenning im Landratsamt überreicht. Damit wurde offiziell bestätigt, dass alle bisherigen Hauptschulen sich zur Mittelschule weiterentwickelt haben und seit Schuljahresanfang 2011 in ihrer neuen Struktur arbeiten.
"Wir erleben täglich die zunehmende Globalisierung. Die Anforderungen an den Einzelnen steigen in unserer modernen Wissensgesellschaft. Problemen wie die Auswirkungen des demografischen Wandels und jährlich sinkende Schülerzahlen in Haupt- und Mittelschulen können wir nur mit einem vielfältig differenzierten und durchlässigen Schulwesen begegnen", sagte der Regierungspräsident. Jeder Schüler habe einen Anspruch auf individuelle Bildung und einen gelungene Vorbereitung auf das Berufsleben. Die Mittelschule sei eine klare Absage an die Einheitsschule. "Auch wenn der Umstellungsprozess, in dem sich die Schulen gerade befinden, für alle Beteiligten mühselig ist, kann Bildung nur gelingen, wenn sich alle den neuen Herausforderungen stellen", so Wenning.
Die bayerische Mittelschule ist die stete Weiterentwicklung der Hauptschule. Sie basiert auf drei Säulen: Allgemeinbildung, Berufsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung. Ein Ganztagsangebot rundet die Möglichkeiten für berufstätige Eltern ab. Die Schülerinnen und Schüler werden auf eine duale Ausbildung vorbereitet und können zwischen unterschiedlichen Abschlüssen wie dem Hauptschulabschluss, Qualifizierenden Hauptschulabschluss und Mittleren Schulabschluss wählen. Jugendliche, die erfolgreich ihren Mittleren Schulabschluss geschafft haben, können zusätzlich die Fachoberschule besuchen oder den Einstieg in ein Gymnasium anstreben.
Zwei Zusammenschlüsse
Viele kleine Schulen sind schon heute allein aufgrund ihrer Größe vielfach nicht in der Lage, ihren Schülerinnen und Schülern alle Bildungsangebote der Mittelschule wie den M-Zug bereitstellen zu können. Mehrere kleine benachbarte Hauptschulen können nun aber das Angebot durch die Mittelschule gemeinsam sicherstellen. Im Schulverbund wird festgelegt, welche Schule welches Angebot vorhält. "Deshalb tragen auch alle Schulen in einem Verbund, der das komplette Angebot der Mittelschule für alle Schülerinnen und Schüler garantiert, die Bezeichnung Mittelschule", erklärte Schulamtsdirektor Johannes Barfuß.
Im Schulamtsbezirk Coburg gibt es zwei Zusammenschlüsse: den Schulverbund Coburg Stadt und Land mit den Mittelschulen Heiligkreuz, Bad Rodach, Am Lauterberg in Lautertal, Seßlach, Untersiemau und der Rückert-Mittelschule sowie den Schulverbund "Rund um den Prälax" mit den Mittelschulen Ebersdorf, Neustadt bei Coburg, Rödental-Oeslau und Sonnefeld. Derzeit drücken dort insgesamt rund 2000 Kinder und Jugendliche die Schulbank.
Die schulischen Zusammenschlüsse haben mehr Eigenverantwortung, aber auch die Möglichkeit, flexibel eigene Entscheidungen zu treffen. Die Einrichtung der Mittelschule soll auch helfen, langfristig die Anzahl der Schüler zu gewährleisten und die Schließung kleiner Schulen zu vermeiden. "2011 haben wir einen Rückgang von 400 Schülern in Grund- und Hauptschulen verzeichnet. In den vergangenen Jahren lag die Zahl bei höchstens 250 Schülern", so Barfuß. Grund dafür sind der Geburtenrückgang und der Zulauf an weiterführende Schulen wie Realschulen und Gymnasien. Schwerpunkte des neuen Mittelschul-Konzepts sind die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft, die Kooperation mit den Berufsschulen und etablierten Arbeitskreisen wie Schule-Wirtschaft Bayern. Bürgermeister Norbert Tessmer und Landrat Michael Busch lobten die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten im Vorfeld der Umstellung.