01.03.2011
STARegio
Coburg - STARegio ist ein Ausbildungsprojekt, das Jugendlichen hilft, einen für sie geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Gleichzeitig unterstützt es Unternehmen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. Umgesetzt und organisiert wird es seit 2005 von der Firma connect Neustadt.
347 Lehrstellen konnten in den vergangenen sechs Jahren in der Region besetzt werden. "In Zeiten der Wirtschaftskrise haben wir um jeden Ausbildungsplatz gekämpft und uns stark um die Unternehmen gekümmert. Seit Beginn 2011 steigt die Zahl der Ausbildungsplätze wieder stetig an", erklärt Sabine Lesch, Kaufmännische Leiterin bei connect Neustadt. Während im vergangenen Jahr insgesamt 37 Ausbildungsstellen in der Region vermittelt werden konnten, sind es allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres schon 28 vermittelte Plätze.
Personalauswahlverfahren
Grund dafür ist die Tatsache, dass die Unternehmen in der Region auf Grund der demografischen Entwicklung bereits jetzt weniger Bewerbungen für ihre Ausbildungsplätze bekommen "Wir merken, dass die Unternehmen viel früher nach Auszubildenden Ausschau halten. Besonders die Verwaltungen bekommen nur noch die Hälfte an Bewerbungen", erläutert der Geschäftsführer von connect, Georg Hofmann. Neu sei auch, dass viele Firmen ihre Ausbildungsverträge bereits im Januar abschließen wollen, um sich ihre Auszubildenden zu sichern.
Hinzu komme, dass die wenigen geeigneten Bewerber von den großen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen abgeschöpft werden, so gehen viele kleine und mittlere Betriebe leer aus oder klagen über "eine fehlende Ausbildungsreife" ihrer Bewerber. Genau hier kann STARegio Abhilfe schaffen. "Wir finden das Potenzial der ausbildungssuchenden Jugendlichen, gleichen es mit den Anforderungen der Unternehmen ab und führen beide Seiten zusammen", erklärt Sabine Lesch. Im Rahmen dessen macht STARegio bei den Jugendlichen aktiv Werbung für Ausbildungsberufe, die gerade nicht in Mode sind und bewirbt Firmen, die sie bis dahin nicht kannten.
Haben Jugendliche ihre Bewerbung an STARegio eingesendet, werden sie zu einem Test ins Assessment Center, einer Art Personalauswahlverfahren, eingeladen. In kleinen Gruppen von acht Bewerbern wird dann ihr Allgemeinwissen, ihre Fähigkeiten in EDV, Mathe, Deutsch und in Kommunikations- und Teamaufgaben getestet. Manchmal kommen auch noch firmenspezifische Aufgaben dazu, mit denen die Geschicklichkeit oder das Auftreten der Jugendlichen geprüft werden soll. Unabhängige, geschulte Beobachter, die früher in der Wirtschaft tätig waren, begutachten alle Bewerber während der Tests und bewerten sie im Anschluss. "Wir arbeiten sehr eng mit den Unternehmen zusammen. Deshalb kommen die Personalleiter manchmal auch direkt bei uns vorbei, um ihre Bewerber beobachten zu können", so Sabine Lesch.
Dieses Angebote hat auch die Firma KAPP wahrgenommen. "Im vergangenen Jahr unterstützte uns connect beim Einstellungsprozess unserer zukünftigen Auszubildenden. Im Rahmen der durchgeführten Assessment Center konnten die geforderten Bewerberqualifikationen gezielt ermittelt werden", so Maic Roos, Personalleiter von KAPP.
Ein Test für alle
Den Prüfungstag im Assessment Center müssen alle Bewerber durchlaufen, unabhängig von Schulart und Alter. Das Test-Verfahren hat das Team von STARegio selbst entwickelt, es wurde von der Hochschule Deggendorf zertifiziert. Die Jugendlichen haben den Vorteil, dass sie sich gleich für mehrere Ausbildungsberufe gleichzeitig bewerben können. Nahezu jeder bekommt die Möglichkeit zu einem Vorstellungsgespräch. "Wir halten Kontakt zu unseren noch nicht vermittelten Bewerbern und bieten ihnen immer wieder neue Möglichkeiten", betont Sabine Lesch.
Stärken und Schwächen
Nach ihrem Test erhalten alle Teilnehmer außerdem eine Analyse über ihre Stärken und Schwächen, und bekommen Ratschläge, in welchen Bereichen sie sich noch verbessern können. Für Schüler von eCn-Klassen (extra Chancen nutzen in Schule und Beruf), die Probleme mit ihrem Hauptschulabschluss hatten, werden außerdem Seminare angeboten, in denen sie auf den Übergang von Schule in den Beruf vorbereitet werden. Für Unternehmen übernimmt STARegio Teile des Einstellungsverfahrens, das Führen von Vorstellungsgesprächen und die Tests im Assessment Center. Die Betriebe werden auf diese Weise entlastet und sparen nicht nur Zeit, sondern auch Geld, denn der Service ist kostenlos. Die Gemeinde Lautertal hat mit STARegio ihre Einstellungsentscheidung für zwei Auszubildende zum Herbst dieses Jahres getroffen. "Wir hatten die Möglichkeit, jede Bewerberin und jeden Bewerber im Rahmen verschiedener Aufgabenstellungen kennen zu lernen. Die Qualität der Ergebnisse bei der Bewerberauswahl hat uns überzeugt", so Hans Frieß, geschäftsleitender Beamter der Gemeinde.
"STARegio trägt dazu bei, dass alle Ausbildungsplätze im Landkreis besetzt werden können. Die ganze Region hat einen Mehrwert davon. Wir leisten einen Beitrag zur Wirtschaftsförderung", sagt Georg Hofmann. Seit 2008 wird das Projekt mit 69 000 Euro jährlich vom Landkreis Coburg gefördert, der damit rund zwei Drittel der Kosten übernimmt, ein Drittel trägt connect selbst. "Wir wollen das Projekt über die Förderzeiten weiterführen. Dann werden Beiträge für die Unternehmen nötig werden", erklärt der Geschäftsführer.
Umso interessierter zeigt er sich an neuen Ideen rund um die Ausbildung in der Region. "Der Landkreis hat vier Jahre in uns investiert. Wir haben hier ein erprobtes Team und die richtigen Tools für Ausbildungsberufe. Wir sind bereit für weitere Aufgaben", so Georg Hofmann.