16.01.2012

Seßlach will Weltrekord

Seßlach will Weltrekord

Seßlach - Wie ein Baum gefällt wird, hat Anne Böhm schon gesehen. Schließlich hat der Opa einen Wald. Aber so ein großes Exemplar wie der Christbaum vor dem Seßlacher Rathaus ist schon spektakulär. Eigentlich ist Anne nur mitgekommen, weil ihr Papa bei der Seßlacher Feuerwehr ist. Und die hat am Sonntag den Platz vor dem Rathaus gesichert. Dort machte Gerald Heintze aus dem Weihnachtsbaum einen Klößquirl. Ob es der größte der Welt ist, wird sich zeigen.

"Der Seßlacher Klößquirl schafft den Weltrekord", ist sich der "Gurken-Gerald" ganz sicher. Nachdem vor drei Jahren der Weltrekordversuch mit dem Coburger Weihnachtsbaum aus "Datenübertragungsgründen" gescheitert sei, gehe es nun dem Seßlacher an dem Kragen, sagte das Coburger Original, packte die Sägen aus und legte sogleich Hand an.

Aber warum ist Gerald Heintze aufs Land gegangen? Gefällt ihm der Seßlacher Baum etwa besser als der Coburger? "Ich brauchte eine Luftveränderung", sagte er am Sonntag, und drehte vor dem Rathaus an seinem Leierkasten. Immer mehr Bürger versammelten sich unterdessen auf dem Platz und beobachteten den Mann im Bademantel mit dem sonderbaren Hut auf dem Kopf. Kurzum: Heintze verwandelte die Aktion in ein heiteres Unterhaltsprogramm.

10,47 Meter lang

Die Seßlacher Feuerwehr sorgte für die Sicherheit und beobachtete schmunzelnd das Treiben. Deren Vorsitzender Detlef Beckert war begeistert. "Ich finde es toll, vielleicht schaffen wir ja mit unseren Baum den Rekord", hoffte er. Apropos Baum: Wie groß ist der eigentlich? "13,45 Meter", schätzte Beckert. Als Lkw-Fahrer habe er schließlich einen Blick dafür. "Der ist 11,78 Meter", hielt "Gurken-Gerald" dagegen. Beiden lagen falsch, denn tatsächlich war der Baum nach Fällung und erster groben Messung 10,47 Meter lang, also größer als der Coburger 2009er-Christbaum, der laut Heintze "nur 9,32 Meter" hatte.

Um den ausgedienten Weihnachtsbaum fachmännisch zu fällen, attestierten Dieter Seifert aus Witzmannsberg und Hilmar Zuch aus Coburg. "Wir unterstützen das gerne", sagte Zuch und griff zur Säge. Übrigens stellten früher auf dem Land viele Bürger ihre Quirls tatsächlich aus ausgedienten Christbäumen her. Annes Papa zum Beispiel. "Ich esse gerne Klöße, natürlich selbst gemachte. Mit einem handgemachten Quirl schmecken sie noch mal so gut", war Andreas Böhm überzeugt.

Den Seßlacher Weihnachtsbaum hat Heintze von der Stadt abgekauft. "Mit Kaufvertrag natürlich. Für zwei Euro", informierte Bürgermeister Hendrik Dressel schmunzelnd, der spontan der Aktion zugestimmt hatte. "Wenn wir schon so ein schönes Exemplar haben, dann wird das auch ein Weltrekord", zeigte sich das Stadtoberhaupt überzeugt.

Letzter Schliff

Beim Seßlacher Altstadtfest wird der Baum seinem letzten Schliff erhalten, entrindet und exakt vermessen. Danach sollen die Daten für das Guinnessbuch übermittelt werden. "Dann haben wir einen Weltrekord", ist Heintze überzeugt. Doch Weltrekord hin, Weltrekord her: Unterhaltsam war die Aktion allemal. "Richtig lustig, so etwas gibt es nicht jeden Tag in Seßlach, " sagte Anne Böhm stellvertretend für viele Besucher, die sich köstlich amüsierten.

Neue Presse Logo Gabi Arnold