24.02.2011
Schräge Klänge
Coburg - Mit „Musik der Straße“ befand sich das Orchester des Landestheaters beim jüngsten Sinfoniekonzert sozusagen auf „Abwegen“, wie es Dirigent Roland Kluttig formulierte.
Im Zentrum der Vortragsfolge standen die zwei Brecht-Komponisten Hanns Eisler und Kurt Weill, gefolgt von einem spektakulären Werk für Schlagzeug und Orchester des Wiener Multitalents HK Gruber, in dem der junge Nachwuchsperkussionist Johannes Fischer als Solist glänzte. Trotz oder gerade wegen der teilweise recht „schrägen“ Klänge, die mal einen frischen Wind in die gewohnten Bahnen der Sinfoniekonzerte brachten, wurde der Abend mit viel Beifall aufgenommen.
Schöpfer der DDR-Hymne
Eine „trockene“, plakative Tonsprache ohne Romantizismen begegnete den Zuhörern zu Beginn in den zwei Orchestersuiten „Niemandsland“ op.24 und „Kuhle Wampe“ op.26 von Hanns Eisler, dem „Zonen-Beethoven“, wie der Schöpfer der DDR-Hymne auch tituliert wurde. Diese Suiten entstanden aus Filmmusiken und sind für ein Orchester geschrieben, das außer Celli und Bässen nur Blasinstrumente, Klavier und Schlagzeug verwendet, auch hierin der „Neuen Sachlichkeit“ verpflichtet.
Nach der mehr gefälligen ersten wirkte die zweite Suite wesentlich progressiver, was mit dem jeweiligen Sujet des Films zusammenhängen mag. Unter dem energischen, forschen Dirigat von Roland Kluttig zeigte das Orchester eine klanglich geschlossene, famose Leistung.
Wie so mancher „Unterhaltungs“-Komponist, als welcher der Schöpfer der „Dreigroschenoper“ angesehen wurde, hatte auch Kurt Weill bisweilen das Bedürfnis, ein „ernstes“, sinfonisches Werk zu schaffen. Dass er durchaus das Zeug dazu hatte, konnte man in seiner 2. Sinfonie erleben, die Anfang der dreißiger Jahre im französischen Exil entstand und von keinem Geringeren als Bruno Walter uraufgeführt wurde. Die Sinfonie ist einfallsreich und gekonnt gearbeitet, dabei stilistisch unbedingt auf der Höhe der Zeit. Für das Orchester und mehrere Solisten gibt es dankbare Aufgaben, die stets vorzüglich gelöst wurden. Unter der überlegenen, sorgsam gestaltenden Leitung von Roland Kluttig gab es eine überzeugende Aufführung des selten zu hörenden Werks.
Einen absoluten Clou erlebten die Zuhörer nach der Pause mit dem 1982/83 entstandenen Konzert für Schlagzeug und Orchester des Wiener Komponisten, Dirigenten und Sängers HK Gruber unter dem Titel „Rough Music“, was soviel wie „Raue Musik“ bedeutet.
Die einzelnen Sätze Toberac, Shivaree und Charivari bezeichnen in der Sprache verschiedener Länder den Begriff „Katzenmusik“, ein mittelalterliches Ritual, das um Mitternacht unglücklichen „Sündern“ mit allerhand Lärminstrumenten dargebracht wurde.
Die wahrhaft gigantische Leistung an über zwanzig verschiedenen Stabinstrumenten, Fell- und Selbstklingern bewältigte der erfolgreiche junge Schlagzeuger Johannes Fischer mit bewunderungswürdiger Bravour, zumal er den komplexen Part sicher ohne Noten beherrschte.
Cole Porter als Zugabe
Die avantgardistische, manchmal auch polystilistische Tonsprache des Orchesters erforderte gleichfalls höchstes Können und wurde vom virtuos agierenden Klangkörper unter der anfeuernden und präzisen Leitung von Roland Kluttig überzeugend bewältigt. Es gab anhaltenden, begeisterten Beifall für dieses ungewöhnliche Werk und seine vorbildlichen Interpreten, worauf sich der Solist noch mit einem gefühlvollen Vibrafon-Solo („All of You“ von Cole Porter) bedankte.