25.06.2011
Schillernde Welten
Coburg - Eine weitere qualitätvolle Ausstellung, die die Besucher gerade durch ihre Kontraste in den Bann ziehen wird, präsentiert der Kunstverein Coburg ab heute. Im Hofgarten-Pavillon sind Werke von Barbara Deutschmann, Simon Brejcha und Marina Sailer zu sehen: Steinskulpturen, Papierarbeiten, Druckgrafiken und Gemälde haben die drei mit in die Vestestadt gebracht.
"See what you don't see" heißt das Gemeinschaftsprojekt von Barbara Deutschmann und Simon Brejcha. Für die gebürtige Coburgerin ist es die erste große Ausstellung in ihrer Heimatstadt. Barbara Deutschmann lebt und arbeitet seit Jahren in Bremen. 1991 erhielt sie den Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt Coburg, 2007 den Kunstpreis Blau-Orange der VR-Bank. Für die Coburger Präsentation hat sie sich erstmals mit einem Kollegen zusammengetan, erzählt Deutschmann im Gespräch mit der Neuen Presse, und Simon Brejcha und sie sind begeistert: "Es hat sofort funktioniert", freuen sie sich, denn schließlich hat die Ausstellung erst im Pavillon Gestalt angenommen.
In den Mikrokosmos
Die Bildhauerin Barbara Deutschmann hat eine besondere Technik entwickelt, um dem Stein seine Härte zu nehmen. Die Künstlerin sägt Öffnungen in das harte Material und füllt diese anschließend mit flüssigem, teils farbigem Paraffin. Auch die Außenseite der Steine wird bearbeitet, und so entstehen Skulpturen, die ihren ganz eigenen Reiz haben. Der Stein wird geöffnet, wird durchscheinend, und bewahrt trotzdem seine Härte, seine Struktur.
Die gleiche geometrische Formensprache wie in den Skulpturen findet sich bei den Papierarbeiten Barbara Deutschmanns: handgeschöpftes Papier tränkt sie mit Paraffin. So schafft sie farbige Linien und Flächen von großer Ausdruckskraft. Ins Papier eingeschlossene Gräser verleihen dem Untergrund eine beredte Struktur. Diese organischen Strukturen haben es auch Simon Brejcha angetan. Der Prager Künstler zeigt in seinen Druckgrafiken einen mikroskopischen Blick auf die kleinsten Einheiten. Fotografien aus den 1950er-Jahren, die die Atome der Urpflanzen abbildeten, inspirierten ihn zunächst, erzählt Brejcha. Die eigene Insektenerforschung kam hinzu, ebenso die Auseinandersetzung mit Schilfhalmen und Gräsern. Und so zeigt Brejcha in seinen großformatigen Arbeiten das ganz Kleine. "See what you dont´t see" - ihr Motto verarbeiten Deutschmann und Brejcha spannungsreich: die Werke kommunizieren und entsprechen sich und bleiben doch eigenständig.
In eine völlig andere Welt entführt den Besucher Marina Sailer. Die Künstlerin wurde in Russland geboren und lebt seit vielen Jahren in Düsseldorf. Sailers Bilder fabulieren. Literatur (Edgar Allan Poe) und Filme (Pedro Almodóvar, Martin Scorsese) inspirieren sie. Oft sind es ihre eigenen Träume, die sie in ihren Acrylbildern bannt. Voller Symbole, Andeutungen, Reminiszenzen ist Sailers pralle Bilderwelt. Sie scheut sich nicht vor opulentem Plüsch, vor üppigen Stillleben, weiß aber auch gerade in der kleinen Form ihrer Skizzen und Studien zu überzeugen.