01.09.2010
Schafkopf unter Wasser
"So viele Verrückte muss man erst noch einmal finden", schmunzelt Iris Bilek, die als einzige Frau am Weltrekordversuch im Unterwasser-Schafkopfen teilgenommen hat. Im September ist es jetzt zwölf Jahre her, dass die 16 Taucher des "Klinikum-Rodach-Tauchteams" im Hallenfreibad "Aquaria" 24 Stunden Schafkopf spielten.
Bei einem Tauchkurs in Kroatien kamen die Taucher zu dem Geistesblitz, die beiden Lieblingsbeschäftigungen Tauchen und Karten spielen miteinander zu verbinden. Die Idee war geboren und nach langem Training folgte im Jahr 1998 schließlich die Umsetzung im Hallenfreibad "Aquaria" in Coburg.
Acht Taucher waren während des Weltrekordversuchs ständig unter Wasser und spielten Schafkopf an zwei Vierertischen. Im Drei-Stunden-Takt wechselten sich die Taucher beim Schafkopfen ab, denn die Körpertemperatur sinkt trotz der Neoprenanzüge innerhalb von 60 Minuten erheblich.
Neben dem Tauchtraining mussten für den Weltrekordversuch aber noch einige andere Voraussetzungen getroffen werden. Die Schafkopfkarten wurden in mühsamer Arbeit auf Bleiplättchen geklebt und mit Folie eingeschweißt, damit die Karten auf dem Tisch liegen blieben. Auch die beiden Kart-Tische wurden mit Blei beschwert. Selbst die Taucher waren mit Blei ausgestattet, um ihr Körpergewicht unter Wasser auszugleichen. "Das Schlimmste war allerdings, dass man nicht auf Toilette gehen konnte, wann man es wollte", erinnert sich Iris Bilek.
Aber auch die Müdigkeit und der Flüssigkeitsverlust machte den Sportlern zu schaffen. Bis zu einem Liter pro Stunde mussten die Taucher trinken, um ihren Flüssigkeitshaushalt wieder herzustellen.
Die Zuschauer konnten das Spektakel wahlweise durch eine auf der Oberfläche schwimmende Glasplatte oder über die Liveübertragung im Schwimmbadbistro beobachten. "Um uns herum hat ja bereits während des Weltrekordversuchs eine Party mit Liveband stattgefunden", erzählt Thomas Ruby.
Nachdem der Weltrekordversuch geglückt war, stießen die Taucher selbstverständlich mit Sekt - unter Wasser - auf den Erfolg an. Der Gewinn, der durch den Weltrekord erreicht wurde, kam damals der Wefa Coburg zugute. Gesponsert wurde die Aktion "Unterwasser-Schafkopfen" von der SÜC und dem Klinikum Bad Rodach. " Das Sponsoring hat damals super geklappt, heute wäre das so gar nicht mehr möglich", erklärt Thomas Ruby.
Auf die Frage, ob man nach diesem Erfolg eine Wiederholung geplant hatte, antwortet Iris Bilek: "Wir hatten an Fahrradfahren unter Wasser gedacht, allerdings ist das schwierig zu realisieren. Unter Wasser mit dem Fahrrad eine gewisse Strecke zurückzulegen, verlangt dem Körper einiges ab, außerdem dürfen die Fahrräder das Schwimmbecken nicht verschmutzen." Doch Iris Bilek und Thomas Ruby haben noch weitere Ideen, die man unter Wasser durchführen könnte. Eine davon ist 24 Stunden Bobbycar fahren im Taucherbecken. "Da wär ich sofort dabei", freut sich Iris Bilek, "so verrückt war bestimmt auch noch niemand!"
"Die Idee finde ich auch gut", stimmt Thomas Ruby zu, "man bräuchte aber einige Taucher, die da mitziehen, denn die Vorbereitung kann bis zu einem Jahr dauern. Außerdem benötigen wir zum Training und für die Durchführung eines neuen Weltrekordversuches die Unterstützung des Hallenfreibades und natürlich Sponsoren, die uns unter die Arme greifen."
Zwölf Jahre nach dem ersten Weltrekord der Unterwasser-Schafkopf-Spieler ist für Iris Bilek und Thomas Ruby ans Aufhören nicht zu denken. Im Guiness Buch der Rekorde standen Iris Bilek und Thomas Ruby erstmals im Jahr 2002, aber ob das auch das letzte Mal war? An Weltrekord-Ideen mangelt es den beiden erfahrenen Tauchern jedenfalls nicht.
So ist es gut möglich, dass es in ein bis zwei Jahren einen Weltrekord für "Unterwasser-Bobbycar" gibt, bei dem Iris Bilek und Thomas Ruby mit einer Tauchercrew 24 Stunden auf den bunten Kleinwagen für Kinder unter Wasser durch das Becken des Aquarias rollen.