10.05.2011
Samba verboten
Coburg - Nicole App ist sauer. „Dadurch verlieren ich und die anderen Wirte hier im Steinweg richtig viel Geld“, schimpft die Chefin der Cocktailbar „Chicas“ im Gespräch mit dem Tageblatt. Hintergrund ist das neue Sicherheitskonzept fürs Samba-Festival, das derzeit vom Ordnungsamt unter anderem zusammen mit der Polizei und der Feuerwehr erstellt wird.
Ein Punkt in dem Konzept sieht vor, dass sowohl im Steinweg als auch im Unteren Bürglaß keine Außenbars und keine Getränkestände aufgebaut werden dürfen; auch Musik – im Amtsdeutsch heißt das „Außenbeschallung“ – ist verboten. Kleines Trostpflaster für die Wirte, die regelmäßig zum Samba-Festival auf das „Geschäft des Jahres“ hoffen: Die Außenbestuhlung darf bis 1 Uhr nachts genutzt werden. Und: Ein Getränkeverkauf durchs Fenster einer Gaststätte nach draußen ist erlaubt. „Naja“, sagt Nicole App, deren Cocktailbar gleich mehrere Fenster zum Steinweg hat, „mir hilft das schon. Aber viele andere Lokale hier haben diese Möglichkeit nicht“.
Kai Holland vom städtischen Ordnungsamt verteidigt das Sicherheitskonzept, mit dem nicht Wirte verärgert werden sollen, sondern schlichtweg die höchstmögliche Sicherheit für das Massen-Spektakel gewährleistet werden soll. Auch in diesem Jahr rechnen die Veranstalter wieder mit insgesamt rund 200000 Besuchern an allen drei Festival-Tagen. Und zur Erinnerung: Zwei Wochen nach dem 2010er Samba-Festival ereignete sich die Massenpanik auf der Love-Parade in Duisburg, bei der 21 Menschen starben. Die Folgen, die dieses Ereignis für andere Großveranstaltungen hat, sind unübersehbar.
So erklärt Kai Holland, dass sich das neue Sicherheitskonzept zwar in erster Linie auf das Festival-Gelände konzentriere. Doch nicht zuletzt wegen möglicher Fluchtwege müsste man ebenso die angrenzenden Bereiche im Blick haben, und zu denen zähle nun einmal auch der Steinweg. „Und der Steinweg hat sich in den vergangenen Jahren sehr entwickelt, die Aktivitäten zum Samba-Festival haben stark zugenommen“, gibt Holland zu bedenken. Hinzu komme, dass sich einige Wirte zuletzt nicht an einige Auflagen gehalten haben. „Das Aufstellen massiver Schankwagen war zum Beispiel bereits 2010 verboten“, erklärt Holland, „genauso die Außenbeschallung“. Nach Absprache mit Polizei und Feuerwehr sei man nun der Meinung, dass ein generelles Verbot aller Aufbauten am sichersten ist. „Wenn sich links und rechts in dieser engen Straße zig Stände befinden, ist der Mittelbereich voll mit Menschen“, beschreibt Holland die Szenerie bei den letzten Festivals. Sprich: Oft war kein Durchkommen mehr.
Auflagen für die Theatergasse
Durch einen Verzicht auf Bars und sonstige Stände würde zumindest die Chance bestehen, dass die Mitte durchlässig bleibt.
Der Steinweg ist aber nicht die einzige neuralgische Stelle, an der sich aus Sicherheitsgründen einiges ändern soll. So wird es nach Auskunft von Kai Holland für die enge Theatergasse und die direkt angrenzende Herrngasse strenge Auflagen geben, die weniger Stände und Bars als in den Vorjahren erlauben. Entzerrt werden sollen die Menschentrauben in diesem Bereich auch dadurch, dass es keine Samba-Bühne mehr auf dem Salzmarkt gibt.