29.07.2010
Ringen um Flugplatz
Ein kategorisches Nein zum Neubau eines Verkehrslandeplatzes im Landkreis Coburg war am Dienstagabend bei der Aufzeichnung der Fernsehsendung "Coburg konkret - Der Talk der VR-Bank" nicht zu hören. Auch nicht von Josef Brunner, dem 1. Bürgermeister der Gemeinde Meeder, auf deren Gebiet das Projekt nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens zur Planfeststellung realisiert werden könnte. Brunner sprach von einer existenziellen Frage für die Wohnortgemeinde Meeder, betonte, schon heute sei die Nachfrage nach Bauland zum Erliegen gekommen. Trotzdem schloss er nicht aus, dass es eine Einigung geben könnte - vernünftige Verhandlungen und Entschädigungen vorausgesetzt.
Das Interesse an der von TV Oberfranken produzierten 17. Sendung von "Coburg konkret" mit dem Titel "Ohne Flugplatz keine Zukunft?" war enorm. Erstmals musste die Aufzeichnung in einen Nebenraum übertragen werden, weil der Saal im Haus Contakt nicht ausreichte.
In der von Wolfgang Braunschmidt (Neue Presse) und Frank Ebert (TV Oberfranken) moderierten Diskussionsrunde zeigten Oberbürgermeister Norbert Kastner und Jürgen Otto, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Firma Brose, klare Kante pro Flugplatz-Neubau. "Ein Flugplatz für den Werksflugverkehr ist für uns von existenzieller Bedeutung", so Otto. Und: "Wir holen auch Kunden nach Coburg, weil für die Coburg per Flugzeug nicht erreichbar ist." Die Bedeutung des Werkflugverkehrs werde in Zukunft noch steigen, meinte Otto. Er kenne keinen Wirtschaftsstandort ohne einen Flugplatz. Gleichzeitig gab sich Otto gelassen: "Die Firma Brose hat Alternativen." Die ohnehin durch Bevölkerungsrückgang geschwächte Region Coburg allerdings müsse sich fragen, ob sie ohne Flugplatz noch zukunfsfähig sei. Die Vorstellung, die Brandensteinsebene richtlinienkonform ausbauen zu können, bezeichnete Otto als Schwachsinn.
Dagegen verwahrte sich Landrat Michael Busch, der genau dies, den Ausbau der Brandensteinsebene, nach wie vor für eine mögliche Alternative hält, ebenso den Ausbau des Flugplatzes Steinrücken. Leider sei der nicht hinreichend geprüft worden. Und warum sollte nicht auch eine Nutzung des Flugplatzes Haßfurt in Betracht kommen? Die Fahrzeit von Coburg-Süd dorthin sei gerade mal 20 Minuten länger als nach Meeder-Neida.
Heftiger Widerspruch kam von Oberbürgermeister Norbert Kastner: "Ich würde liebend gern die Brandensteinsebene ausbauen. Nur: Es geht nicht." Steinrücken? Längst geprüft! Haßfurt - desgleichen. Kastner: "Wieviel Gutachten wollen wir eigentlich noch einholen?"