22.01.2011

Protest der Nachbarn

Protest der Nachbarn

Ebersdorf - Anwohner sehen in der Absicht, 120 Asylbewerber in einem 21-Zimmer-Gebäude in der Ebersdorfer Wilhelmstraße 10 anzusiedeln, den sozialen Frieden ernsthaft in Gefahr. In einem an Regierungspräsident Wilhelm Wenning gerichteten Schreiben vom 17. Januar fordern sie diesen auf, den Beschluss umgehend zurückzunehmen und sich für Alternativlösungen einzusetzen.

Verfasst wurde der Brief, dem eine Liste mit 75 Unterschriften beigefügt ist, von Gudrun Zörkler und Karl-Heinz Stegner. "Wir haben nichts gegen Ausländer oder anerkannte Flüchtlinge", stellt Zörkler gegenüber der Neuen Presse klar. Der Zorn richte sich einzig und allein gegen die "planlose und überstürzte Hau-Ruck-Aktion" der Regierung von Oberfranken, mit der sie in Ebersdorf den "achtenswerten sozialen Frieden" akut gefährde. Alle Betroffenen seien "erschüttert und wütend über die offenkundige selbstherrliche Vorgehensweise in diesem Fall". Durch den überraschenden Vorstoß sei es den Verantwortlichen der Gemeinde nicht möglich gewesen, die mit Kindergärten, Schulen oder sonstigen Einrichtungen erforderlichen Absprachen zu treffen.

Wenn der Regierung schon die Belange der unmittelbaren Bewohner und der Ebersdorfer Bürger gleichgültig seien, solle sie sich aber Gedanken um die Bedürfnisse der Asylbewerber machen, heißt es weiter in dem Schreiben. Für Gudrun Zörkler stehe fest, dass das für fünf Jahre angemietete Objekt keinesfalls geeignet sei, eine so große Zahl Asylbewerber aufzunehmen. "In dieser drangvollen Enge sind Konflikte programmiert", so die fünffache Mutter.

Vermutlich erfülle die Unterkunft in der Wilhelmstraße 10 ohnehin nicht die zum 1. April 2010 vom bayerischen Sozialministerium veröffentlichten "Leitlinien zu Art, Größe und Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber". Darin seien mindestens sieben Quadratmeter pro Person, getrennte Wohneinheiten für Familien sowie eine angemessene Ausstattung im Sanitär- und Küchenbereich vorgeschrieben.

Abgesehen von einem winzigen Hof, den sich die künftigen Bewohner mit den in einem anderen Gebäudeteil wohnenden Mietparteien teilen müssten, verfüge das Areal über keine weiteren Freiflächen. "Wo sollen die Asylanten hin, wenn sie nicht von morgens bis abends zu sechst auf dem Zimmer bleiben wollen?", fragen Gudrun Zörkler und Karl-Heinz Stegner.

Zudem liege es in der Natur der Sache, dass "120 Menschen einen ganz natürlichen, aber auch erheblichen Geräuschpegel erzeugen, sodass die Wohn- und Lebensqualität der Anwohner gewiss sinken würde". Von einer vergleichbaren Einrichtung in Coburg mit nur 50 meist alleinstehenden Asylbewerbern sei bekannt, dass "hier ständig Polizeieinsätze wegen Streitigkeiten und Schlägereien gefahren werden müssen".

Argumente, wonach es keine Alternative zum Standort Ebersdorf gebe, lassen die Anwohner nicht gelten. In Coburg stehe beispielsweise die ehemalige BGS-Kaserne leer. "Größe und soziale Infrastruktur der Stadt Coburg würden zudem eine so große Menge an Asylbewerbern besser verkraften können, als das mit den Bedingungen in Ebersdorf möglich wäre", schreiben sie.

Die Regierung von Oberfranken bestätigte am Freitag den Eingang der Protestnote. "Das Schreiben liegt in der Vorlagenmappe des Regierungspräsidenten", so Pressesprecherin Dr. Corinna Boerner.

Neue Presse Logo Christoph Scheppe