16.08.2011
Premiere im Landratsamt
Coburg - Gunda Großmann, Ursula Schreiner, Erika Herzer und Lene Angermüller ist anzusehen, dass sie ein klein wenig stolz sind. Die Landfrauen aus dem Gerätemuseum des Coburger Landes in der Alten Schäferei bei Ahorn können am Sonntagabend live das zeigen, was zwei Stunden später in Annette Hopfenmüllers Film "Bratwurst, Dätsch und gschnittne Hosn" vorgestellt wird. Der Streifen, den das Bayerische Fernsehen in der Sendung "Unter unserem Himmel" ausstrahlt, wird in den Sitzungssaal des Landratsamts Coburg übertragen. Hier gibt es rund 80 Plätze, und alle sind bei diesem "Public Viewing" der ganz besonderen Art besetzt. Denn es gibt nicht nur einen Film zu sehen, bei dem sich alte Heimat wieder und neu entdecken lässt, sondern auch einige der gezeigten Spezialitäten zu verkosten: als Vorspeise Coburger Bratwürste von der Metzgerei Boseckert, "gehackte Gerstn-Suppn" von der Ebersdorfer Familie Lindner, als Hauptgericht fränkischer Sauerbraten mit Klößen von der Familie Muff (Coburger Klößerei) und zum Nachtisch Schmätzchen von der Konditorei Wilhelm Feyler, "gschnittene Hosn" von der Familie Lindner und Dätsch mit Apfelmus von den Landfrauen um Gunda Großmann. Das Bier kommt von der Coburger Brauerei.
Gudrun Zwingelberg spielt dazu auf ihrem Akkordeon "Schlumperliedla", wie man sie früher auf den Tanzböden überall in den Dörfern des Landkreises hörte. Später stellt Kreisheimatpfleger Lothar Hofmann die wieder aufgelegte Coburger Tracht vor. Diese findet mittlerweile selbst Freundinnen in Mexiko: deutsche Einwanderinnen, die sich in der Ferne zu ihrer Heimat Franken bekennen wollen, berichtet Hofmann. Annette Hopfenmüllers unterhaltsames, aber trotzdem dokumentarisches Werk im Landratsamt zu zeigen, dazu Coburger Speisen zu servieren und altes Brauchtum zu präsentieren, hält Lothar Hofmann für "eine tolle Idee". Sie kommt von Landrat Michael Busch. Er hat auch angeregt, die Einnahmen einem guten Zweck zugute kommen zu lassen. Sie gehen, quasi als i-Tüpfelchen des Abends, an den Verein "Hilfe für Nachbarn" Coburg.
Annette Hopfenmüllers Film zeigt auf, welche kulinarische Vielfalt es im Coburger Land gibt, die aber immer mehr in Vergessenheit gerät. Dabei lohnt es sich zu wissen, wie hier auf ganz besondere Art gebraten, gebacken, geräuchert und gekocht wird. Zum Beispiel bei Familie Ehrlich, die das Gasthaus in Watzendorf betreibt. Hier wird noch Entenpfeffer zubereitet, in früheren Jahren das traditionelle Essen an der Kirchweih. Man muss im Coburger Land lange suchen, bis man diese Spezialität auf einer Speisekarte findet.
Ganz anders ist dies dagegen bei Coburger Klößen, ohne die kein Braten in der Region auf den Tisch kommt, bei Coburgs berühmtem Honiggebäck, den Schmätzchen, die nach dem Thüringer Wort für Küsschen benannt sind, oder bei der Coburger Bratwurst, die Ralf Boseckert als "Praline des Metzgers" bezeichnet. Landrat Michael Busch darf diese über "Kühle" - Kiefernzapfen - gebratene Spezialität in Annette Hopfenmüllers Film loben. Und warum er sie dabei ohne Senf genießt? "Den nehme ich nur dann, wenn die Bratwurst nicht schmeckt." Mit dieser Anmerkung hat der Landrat die Lacher auf seiner Seite.
Als der Abspann des Films läuft, brandet im Sitzungssaal des Landratsamts Beifall auf. Annette Hopfenmüller freut sich über den Erfolg: "Alle haben sich prächtig amüsiert. Das will man als Filmemacherin letztlich erreichen." Landrat Busch ist nicht minder zufrieden: "Der Film zeigt die ganze Schönheit unserer Gegend."
Annette Hopfenmüllers nächstes Werk ist bereits in Arbeit. Es handelt von den drei Eigensdörfern Watzendorf, Neuses an den Eichen und Gossenberg. Geplanter Sendetermin im Bayerischen Fernsehen ist der 19. Oktober.