10.09.2010

Postgrund voller Müll

Postgrund voller Müll

"Das ist eine Sauerei sondergleichen", empört sich ein Anwohner. Der Mann, er will nicht in der Zeitung stehen, deutet auf einen Bach, der unmittelbar an meterhohen Schutthaufen vorbeifließt. Seit etwa drei Wochen sind sie mitten im Postgrund aufgeschichtet, einer Streuobstwiese hinter dem Hofbräu-Areal, die als verschlafene Frischluftschneise zwischen Frankenbrücke und Plattenäcker der Versiegelung durch Baumaßnahmen bislang trotzen konnte. Der Aushub stammt von der Altlastsanierung einer Tankstelle für die einstigen Firmenfahrzeuge der Hofbräu. In den Haufen lagern nun jede Menge unbekannter Giftstoffe, die, so befürchten die Anwohner, vom Regen ausgewaschen und vom Bach sonst wohin transportiert werden könnten.

Ganz so dramatisch stellt sich die Lage allerdings nicht dar. Wo die Tankstelle einst stand, ist inzwischen ein gut fünf Meter tiefes, über 20 Meter langes und gut zehn Meter breites Loch entstanden. Der Aushub ist mit Kohlenwasserstoffen belastet, also Öl- und Kraftstoff-Rückständen. So viel scheint sicher. Momentan ist noch nicht ganz geklärt, wohin der Schutt soll, von dem viel mehr angefallen ist als ursprünglich gedacht.

"Mit dem Ausmaß haben wir nicht gerechnet", sagt Jürgen Stammberger vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB), der die Maßnahme der Bayerischen Bau und Immobilien GmbH & Co. KG begleitet. Das Unternehmen ist ehemalige Eigentümerin des Hofbräugeländes und macht es derzeit brautfein für die neuen Besitzer, die Bamberger Klappan Gruppe. Sie errichtet einen Erweiterungsbau für die Hochschule zur räumlichen Zusammenführung der Fakultät Design.

Eigentlich sollte der Schutt längst weg sein. Doch das schlechte Wetter hat einem geregelten Abtransport einen Strich durch die Rechnung gemacht. Von vorne kommen Sattelschlepper wegen der Größe des Lochs nicht mehr an den Schutt heran. Und im Postgrund würden Laster auf dem aufgeweichten Boden derzeit "alles kurz und klein fahren", so Stammberger.

Warum aber hat man die Altlasten nicht gleich einer Endlagerung zugeführt? "Das ist ein gängiges Verfahren", erklärt Sabine Hagn, Pressereferentin der Münchner Immobilien GmbH. Der Bodenaushub werde zunächst auf dem Grundstück, der Postgrund gehört dazu, zwischengelagert und parallel hinsichtlich seiner Bestandteile untersucht. Derzeit warte man auf eine "finale Bewertung" durch einen Gutachter.

Ein Umweltskandal ist dabei sicher nicht zu befürchten. "Was soll schon drin sein?", fragt Stammberger. Außer Öl und Diesel vielleicht ein paar Bierflaschen von anno dazumal. Aber sicherlich nichts, was ins Grundwasser sickern und dort schaden anrichten könnte. "Öl schwimmt oben, aber auch da haben wir nichts bemerkt. Und wenn, hätten wir schon eingegriffen."

Mit einer Schutzfolienverpackung und einer vorherigen Profilierung der Lagerungsfläche ist laut Hagn sichergestellt, dass die zu analysierenden Bodenmassen vom Regen nicht ausgewaschen werden können. Der Abtransport des Aushubs erfolge voraussichtlich bis Ende des Monats.

Vorsichtshalber wird das Zwischenlager im Postgrund nach Abtransport ebenfalls untersucht. "Wenn wir dort tatsächlich was finden sollten", so Stammberger, "muss das eben auch weg."

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