30.08.2011
Pfundige Komik
Kaltenbrunn - So schnell werden Horst und Lutz den Samstagabend in der Itzgrundhalle in Kaltenbrunn wohl nicht vergessen. Selbst, wenn sie mit ihrer jeweiligen "Regierung", sprich mit ihrer Frau, den Kabarett-Abend der "Prima Tonnen" besuchten, wurden sie von Johanna Wolff von Schutter und Bettina von Haken als "ihre Männer des Abends" auserkoren und nehmen sie zur Hilfe, aber nur, wenn sie sich gerade streiten: "Lutz, ich brauch' dich, du musst mit mir zeugen!", ruft ihm Johanna Wolff von Schutter zu. Ansonsten lassen sich die rotzfrechen, deftig-bayerischen "Prima Tonnen", seit fünf Jahren begleitet von der Liedermacherin Edeltraud Rey, die gerne barfuß Gitarre spielt und in ihrer "Vatersprache" singt (die hat sie gewählt, weil er sonst zu Hause nichts zu sagen hat und die Mutter aus dem Erzgebirge kommt), schon mal gerne über das "starke Geschlecht" aus.
Etwa, wenn Bettina von Haken auf den Höhepunkt des Programms "B(r)eit sein ist alles" zuspielt: In einer Umschulung der Agentur für Arbeit wurde ihr vorgeschlagen, etwas, das sie nicht ganz verstanden hat, zu tun, bei dem sie ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen könne: "Halma spielen oder so. Ach, nein, es war Domino." Nur das Gewand sei ihr nicht ganz geheuer. Sie lüftet den Mantel und steht da, in ihrer vollen, barocken Pracht, in einem Domina-Kostüm - und mit "Peitscherl". "Ich weiß gar nicht, warum so viele Männer auf Dominas stehen. Sie sind doch mit sich selbst geschlagen genug", ist einer ihrer direkt auf die Lachmuskeln des Publikums abzielender Wortwitze. Doch einmal klärte sie ein Kunde auf: "Männer stehen so auf Dominas, weil sie nach neuen Autos riechen", sagt der. Dabei ist ihr Body - aus Rücksicht auf die vielen Rindviecher, die sonst hätten sterben müssen - aus Lack.
Daneben macht ihre Kollegin Johanna Wolff von Schutter in ihrem Schulmädchenkostüm eine nicht minder pfundige Figur. Wider den Schlankheitswahn, tritt sie als "Miss Schneizlreuth" in Abendkleid und mit Krönchen auf und zeigt viel Bein: "Allein der rechte Hax'n hat 90-60-90", kommentiert Edeltraud Rey. Sie greift in die Saiten und fixiert einen Mann: "Da brauchst jetzt net so zu schau'n. Des is a längeres Vorspiel. Ich sag's nur dazu, weil viele Männer das nicht kennen", witzelt sie. Wie eine Katze spielt sie sich in die Herzen der Zuschauer: Mal haut sie mit ihrer Pfote zu, dann schmeichelt sie charmant.
Und wenn eine der beiden "Prima Tonnen" (Edeltraud Rey zählt sich nicht dazu, obwohl jedes Pfund original und selbst angefuttert sei) mal in eine Sinnkrise stürzt, hilft ihr die andere trotz aller Bühnenstreitigkeiten wieder heraus: "Du bist nicht zu schwer für deine Größe, du musst halt wachsen." Selbst für das "große Showgeschäft", ein Auftritt im Musikantenstadel, wären sie sich nicht zu schade, wie sie eindrucksvoll mit guten Stimmen und schrägen Kostümen demonstrieren. Ein Auftritt in Ottis Schlachthof, das ist schon ein Traum für die zwei. Doch vielleicht hätte Ottfried Fischer dann Bedenken, dass sie mehr als er mit ihren Pfunden wuchern könnten und er nachher eine schlechte Figur dabei machen würde? Für Edeltraud Rey sind es die "Songs an einem Sommerabend", bei denen sie gerne spielen und singen würde. Nach gut zwei Stunden korrekt-verdorbener Komik von über- und unterhalb der Gürtellinie entlassen die drei "das beste Publikum des Abends" nach Hause.
Die nächste Veranstaltung findet am 24. September im "Bräustübla" in Kaltenbrunn statt. Dann heißt es Vorhang auf für die "Anarcho-Musik-Comedy" von "Gymmick".