07.03.2011
Bezaubernder Klamauk
Coburg - Zeit für Orchesterzauber war es am Samstagabend am Landestheater Coburg: Schmachtende Geigen, fetzige, aber auch geschmeidige Blechbläser, eine vorlaute Piccolo-Flöte und flinke Finger auf schwarz-weißen Tasten machten sich da aus dem Orchestergraben bemerkbar. Unter der Leitung von Hans Stähli präsentierte das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg gleich in der schwungvoll-charmant-swingenden Ouvertüre zu Fred Raymonds Operette "Maske in Blau" den bunten Strauss an unsterblichen Melodien und Rhythmen vom Walzer bis zum Tango, die das Publikum im voll besetzten Großen Haus die folgenden zweieinhalb Stunden wie ein blauer Faden durch die exotische Welt der Operette tragen sollte.
Tatsächlich ist es das Verdienst der bezaubernden Musik, der schillernden, farbenfroh-phantasievollen Kostüme von Dietrich von Grebmer sowie der einfallsreichen, flotten Choreografien Tara Yipps, dass die Zuschauer sachte durch das stellenweise schon sehr flache Wasser der Operette geschippert werden. Regisseur Volker Vogel gibt sich zwar redlich Mühe, für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen, doch ist an so mancher Stelle einfach zu spüren, dass eine exotische Revueoperette, die bei ihrer Uraufführung 1937 in Berlin für größte Begeisterung gesorgt hat, im Jahr 2011 nicht mehr ganz so gut funktioniert.
Liebesgeschichte
Liebevoll inszeniert Vogel kleine Details, die sich im (von Stefan Meier bestens vorbereiteten) Chor abspielen: So laufen Jogger durch das von maritimer Eleganz geprägte San Remo, eine Dame telefoniert ständig mit dem Handy und ein asiatischer Badegast vertreibt sich im Hintergrund die Zeit mit Tai Chi, während sich inmitten der Bühne die Liebesgeschichte der Protagonisten zu entwickeln beginnt. Der draufgängerische Maler Armando Cellini (wundervoll verwirrt im Liebestaumel: Milen Bozhkow) darf nach vielen Wirren, die ihn bis nach Argentinien führen, endlich seine Evelyne Valera (Betsy Horne - elegant, bezaubernd und verführerisch) in den Armen halten. Ein Jahr zuvor hatte ihm die schöne Unbekannte Modell gestanden für sein titelgebendes Gemälde "Maske in Blau". Doch selbst nach ihrer Rückkehr nach San Remo kommt es nicht sofort zu einem Happy End.
Auf seinem mit Liebesleid und Intrigen gepflasterten Weg, der vom eleganten Grand Hotel über eine Putzorgie in seinem Atelier durch glitzernden Konfettiregen und eine handfeste Schlägerei in einer argentinischen Taverne führt, wird er von drei skurrilen Gestalten begleitet, die auch zu den Publikumslieblingen des Abends avancieren: Karsten Münster als komödiantischer Maler Seppl Fraunhofer, Sofia Kallio als feuriges Ungarmädel Juliska Varady und Stephan Bieker als impulsiver, etwas schrulliger Junggeselle, der seine Angelweste selbst über dem Smoking trägt. Sie tanzen und raufen, putzen und flirten - und glänzen vor allem als Darsteller an diesem Abend.
Hoch motiviert
Umgeben sind sie dabei von der hoch motivierten, für jeden Spaß zu habenden Ballettkompanie des Hauses und von einer langen Liste kleinerer Nebenfiguren, die Stephan Mertl, Niklaus Scheibli, Martin Trepl, Wolfgang Mühlenbeck, Paulina und Rosalie Mertl, Sascha Mai, Kostas Bafas und Marino Polanco trefflich ausfüllen.
Und so nimmt die üppig ausgestattete Revue ihren Lauf: In einem Ambiente aus stilisierten Rahmen, die zu jedem noch so exotischen Schauplatz passen (Bühnenbild: Dietrich von Grebmer) reiht sich Evergreen an Evergreen, der "Juliska aus Budapest" folgen "Am Rio Negro" und "Sassa", und vor allem im zweiten Teil jagen sich Slapstick, Action und Klamauk - das Premierenpublikum ist letztendlich begeistert.