09.09.2011

Neuland für Grundschule

Neuland für Grundschule

Wildenheid - "Alles muss klein beginnen", heißt es in einem Kirchenlied. Und das trifft auf das neue Projekt an der Grundschule in Wildenheid zu. Denn im neuen Schuljahr wird dort eine Inklusionsklasse dafür sorgen, dass Regelschüler mit Förderkindern gemeinsam unterrichtet werden. Neuland also für die Schule selbst, aber auch für die Lehrkraft Simone Brückner.

Allerdings stehen auf der anderen Seite schon jede Menge Erfahrungen mit Integration und Inklusion ins Land: Die Mauritius-Schule in Ahorn und die Heimatringschule in Coburg haben mit diesem Projekt vor elf Jahren begonnen. "Zuerst versuchte man integrativ, einzelne Kinder mit Förderbedarf ins Boot zu holen. Jetzt sind alle eins", erklärt Studienrätin Tina Göller-Kronawitter von der Mauritius-Schule plakativ. Die Lehranstalt hat sich nun die Grundschule Wildenheid als Partnerschule ausgesucht. Eltern aus Wildenheid waren ausschlaggebend: Sie machten sich stark für diese Klasse und gaben letztlich den Ausschlag für Wildenheid. "Und da spielt es keine Rolle, ob Kinder mit Migrationshintergrund, mit körperlichen oder geistigen Behinderungen diese Klasse bereichern", sagt Göller-Kronawitter weiter.

Der neuen Inklusionsklasse werden nun 17 Regelkinder und sieben mit Förderbedarf angehören. Der Aufwand, um diese Form des Unterrichts zu ermöglichen, ist sowohl personell als auch materiell enorm. "Wir sind zum einen permanent zwei Lehrkräfte. Dazu kommen pädagogisches Fachpersonal, Schulassistenten und Praktikanten. Außerdem stehen Ergo- und Physiotherapeuten sowie Logopäden zur Seite", zeigt Göller-Kronawitter auf. Personal und die sieben Förderkinder werden weiterhin der Mauritiusschule zugerechnet.

Vorfreude auf Aufgabe

Göller-Kronawitter und ihrer Kollegin Brückner merkt man an, dass sie sich auf die Aufgabe freuen, voller Elan sind und vor Ideen sprühen. "Dabei ist es sehr wichtig, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Aber diese Arbeit ist für uns beide eine große Bereicherung", sagt Brückner. Sie machen alles gemeinsam, auch die Außenveranstaltungen wie Ausflüge und das Kinderfest.

Baulich wurden ein ursprünglicher Mehrzweckraum und ein Klassenzimmer zu einem großen Lehrsaal verbunden, hinzu kommen zusätzliche Therapieräume. Dafür hat der Bausenat in seiner Sitzung vom 29. Juni 2011 außerplanmäßig Haushaltsmittel in Höhe von 30 000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Unterricht selbst gestaltet sich in vielen offenen Stunden. "Freiarbeit, Stationentraining und Lerntheken nehmen einen großen Raum ein", erläutert Brückner. Das bedeute, dass jedes Kind nach seinem Wissensstand lernen wird und dazu individuell Lehrmaterial erhält. So wird es andere Strukturen und Lernvorgaben geben. Alle Kinder werden freilich am gleichen Thema geschult. Lernzieldifferenziertes Arbeiten heißt das Schlagwort. Und auch Lernzielkontrollen werden individuell durchgeführt.

Die Kritiker beruhigen

Kritische Stimmen können die beiden Lehrerinnen beruhigen: "Wir machen das jetzt elf Jahre und können bei so vielen Erfolgen sagen, dass beide Seiten profitieren", stellt Göller-Kronawitter eine typische Win-Win-Situation dar. "Wenn jemand später einmal im Bauamt sitzt, braucht man ihm nicht mehr zu erklären, wie wichtig es ist, behindertengerecht zu planen. Der weiß das, weil er ganz selbstverständlich mit Menschen mit Förderbedarf aufgewachsen ist", gibt Göller-Kronawitter beispielhaft an. Zudem spielen soziale Komponenten eine große Rolle. "Das Rücksichtnehmen, keinen ob seiner Behinderung auszulachen und das Empathievermögen, also sich in das Gegenüber einfühlen beziehungsweise hineinversetzen zu können, werden geschult", stellt Brückner klar.

Das Projekt ist auf vier Jahre ausgelegt, so dass die Klasse bis dahin so zusammenbleibt. "Die Eltern hatten selbstverständlich die Wahlmöglichkeit, in welche der drei ersten Klassen sie ihr Kind stecken wollten. Ob es die althergebrachte Klasse ist, die Ganztagsklasse oder eben die Inklusionsklasse", erläutert Konrektorin Christine Zetzmann. Göller-Kronawitter stellt zudem klar, dass "hier keine Förderkinder speziell ausgesucht wurden", sondern selbst Kinder mit Schwerstbehinderung am Unterricht teilnehmen." Die Lehrkräfte bitten die Erziehungsberechtigten "um beiderseitige Offenheit".

Neue Presse Logo Peter Tischer

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