15.02.2011
Neues "Wohnnest"
Coburg - Im Frühling 2014 feiert der Verein "Hilfe für das behinderte Kind" seinen 50. Geburtstag. Und nicht nur das. Zu diesem Jubiläum will er seine neue Schule auf der "Bertelsdorfer Höhe", in direkter Nachbarschaft zum ASB-Wohnheim, in Betrieb nehmen. Das sagte Vorsitzender Ulrich Eberhardt-Schramm beim Jahresempfang des Vereins am Freitagabend in der Rosenau.
Derzeit sind Schule, Internat und Tagesstätte für Behinderte am Hofgarten im Diakonisch-Sozialen Zentrum in der Leopoldstraße untergebracht. Die Räume sind vor vier Jahrzehnten entstanden und stark sanierungsbedürftig. Sie werden, darin sind sich Vereinsführung, Coburger Stadtspitze und Bezirk Oberfranken einig, den Anforderungen an eine zeitgemäße Förderung körperbehinderter Kinder nicht mehr gerecht. Das in den 1970-er Jahren für 80 Kinder geplante Gebäude platzt aus allen Nähten. Eine Erweiterung ist nicht möglich. Deshalb hat sich der Verein "Hilfe für das behinderte Kind" für einen Neubau im Norden Coburgs entschieden. Dieser ist mit Kosten von rund elf Millionen Euro kalkuliert, war in der Stadtratssitzung im Oktober vergangenen Jahres bekannt gegeben worden.
Vorsitzender Eberhardt-Schramm bezeichnete die neue Schule mit Heilpädagogischer Tagesstätte und Internat, für die auf der Bertelsdorfer Höhe noch heuer der Startschuss fallen soll, am Freitag als das derzeit größte soziale Bauprojekt Nordbayerns. Neben dem Neubau für Schule und Tagesstätte stehe, so Eberhard-Schramm, auch der Neubau einer Inklusiven Kinderkrippe sowie des Integrativen Kindergartens "Regenbogen" an.
Brigitte Sölch, Leiterin des Familienentlastenden Dienstes (FED), hatte für die Gäste des Empfangs eine weitere gute Nachricht. Am 10. März ist Baubeginn für das überregionale Modellprojekt "Wohnnest" im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) in der Bahnhofsstraße, der ehemaligen Frauenklinik. Hier setze der Verein "Hilfe für das behinderte Kind" im Bereich der Kurzzeitpflege, der Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie des Wohntrainings neue Akzente.
Geschäftsführerin Dr. Karolin Netschiporenko betonte, der Verein "Hilfe für das behinderte Kind" sei auch im 47. Jahr seines Bestehens so dynamisch wie bei seiner Gründung 1964. Behinderte Kinder und deren Eltern fänden hier vorbehaltlose Unterstützung. Die über 700 Mitglieder, die den Verein tragen, würden täglich beweisen, dass Selbsthilfe kein Auslaufmodell ist. Die Arbeit der Gemeinschaft solle weiter geprägt sein vom Respekt und der Wertschätzung gegenüber Menschen mit Behinderung, ihren Eltern sowie den Mitarbeitern des Vereins. Angriffe auf das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung trete man entschieden entgegen. Dies gelte ausdrücklich auch für die Präimplantationstechnik (PID), die man ablehne.
Oberbürgermeister Norbert Kastner sagte beim Jahresempfang in der Rosenau, der Verein "Hilfe für das behinderte Kind" sei ein Glücksfall für Coburg und die Region. Kastner habe hohe Achtung vor der Arbeit, die in und von der Gemeinschaft erbracht wird. Jedes behinderte Kind und jeder behinderte Erwachsene leiste Tag für Tag das, was die Fernsehmoderatorin Monika Lierhaus in der vergangenen Woche auf der Bühne bei der Verleihung der Goldenen Kamera gezeigt habe. "Eigentlich müssten sämtliche behinderte Kinder aus Coburg mit Frau Lierhaus da oben stehen", betonte der Oberbürgermeister. Und die Dankesrede müsste an alle diejenigen gehen, die in den vergangenen 46 Jahren den Verein zu dem gemacht haben, "was er heute ist: ein soziales Netz in unserem sozialen Netz".
Landtagsabgeordnete Christa Steiger, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Oberfranken, bescheinigte dem Verein "Hilfe für das behinderte Kind", in der Region Meilensteine gesetzt zu haben. Bezirksrätin Elke Protzmann erläuterte, dass sich der Bezirk Oberfranken und die Oberfrankenstiftung am Schulneubau für behinderte Kinder im Norden Coburgs beteiligen. Denn es sei gemeinsame Aufgabe von Bezirk und Verein, "Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen". Dabei forderte die Bezirksrätin ein stärkeres finanzielles Engagement von Bund und Land ein. Sie müssten sich jeweils zu einem Drittel an den Ausgaben für die Behindertenhilfe beteiligen. Gegenwärtig zahlt der Bund zahlt überhaupt nichts, und der Freistaat Bayern trägt nur etwa 20 Prozent der Kosten. Hier dürfe man nicht müde werden, für eine neue Finanzierung zu kämpfen. Denn auf Dauer, so Elke Protzmann, könnten die Kommunen und der Bezirk diese Aufgabe nicht im bisher gewohnten Umfang schultern.