03.11.2011

Neue Chance

Neue Chance

Coburg - Da tut sich etwas: Das Asylbewerberheim in der Uferstraße hat einen neuen Anstrich bekommen und auch innen wird renoviert. In den oberen Etagen riecht es nach Farbe, es ist hell, die Fußböden sind neu. In einigen Räumen hängen noch Kabel von der Decke und die Wände sind aufgehackt. Alles macht den Eindruck, als werde professionell und zügig gearbeitet.

Vor fast genau einem Jahr war das Gebäude in der Uferstraße ins Gerede gekommen. Zwei FDP-Stadträte hatten im Oktober 2010 die Zustände dort als menschenunwürdig bezeichnet, der bayerische Flüchtlingsrat stimmte dem zu. Fernsehteams, Radiosender und lokale Medien gaben sich die Klinke in die Hand, Landtags- und Lokalpolitiker waren vor Ort, um sich zu informieren. Damals versprach Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin, es werde etwas passieren.

Jetzt ist es so weit. „Das Haupthaus wird total saniert“, sagt die Pressesprecherin der Regierung von Oberfranken, Corinna Boerner. Mehr als 100000 Euro flössen in die Erneuerung der Elektrik, der Fußböden, Türen, der sanitären Einrichtungen, der Zimmer und Küchen. Der Grund: „In Oberfranken steigen die Asylbewerberzahlen seit Ende 2010 wieder sprunghaft an. Wir suchen noch weitere Möglichkeiten der Unterbringung.“ Umso wichtiger sei es, bestehende Häuser zu erhalten.

Von Etage zu Etage

Im Januar 2012 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin leben die Bewohner eher provisorisch auf einer Baustelle. „Wir haben ihnen angeboten, vorübergehend in andere Unterkünfte zu ziehen. Das wollten sie aber nicht. Also müssen sie jetzt ein wenig zusammenrücken und wir renovieren etagenweise“, erzählt Corinna Boerner. Für die Asylbewerber ist das anscheinend kein Problem. „Das stört uns nicht“, sagt Mohammad Azimi und Obsa Adam nickt zustimmend. Sie seien froh und dankbar, dass in ihrem Zuhause auf Zeit alles neu gemacht wird.

Auch Hausmeister Uli Heinz ist zufrieden und hofft, dass die Asylbewerberunterkunft nun aus den üblen Schlagzeilen herauskommt. Natürlich lasse die Sauberkeit immer mal wieder zu wünschen übrig, wenn viele junge Männer auf relativ engem Raum zusammenlebten, aber: „Manche haben sich ihre Zimmer schön eingerichtet und halten sie sauber.“ Auch in den Wohneinheiten für Familien laufe alles meist problemlos.

Reinigungspersonal gibt es nicht. Um die Sauberkeit in den öffentlichen Räumen kümmert sich ein Bewohner. Er bekommt dafür ein kleines Entgelt vom Sozialamt, erläutert der Hausmeister. Ansonsten müsse aber auch jeder Einzelne etwas tun. 65 Asylbewerber leben derzeit im Heim in der Uferstraße. Damit ist das Haus nicht ganz ausgelastet. „Hier ist Platz für 85 Leute“, sagt Uli Heinz. Angesichts des von Corinna Boerner angesprochenen Platzmangels werden die jetzt noch unbelegten Plätze voraussichtlich auch bald belegt sein, glaubt Elmar Jonas, der als Mitarbeiter der Diakonie Kronach die Flüchtlinge betreut. Einmal in der Woche ist er in Coburg und kümmert sich um die Sorgen und Nöte der Asylbewerber. „Die Lebensbedingungen hier sind nicht das, worüber die Menschen sich die meisten Sorgen machen. Die haben ganz andere Probleme. Dennoch sei auch er froh, dass sich nun vieles verbessere – auch wegen der Außenwirkung.

Und die gestaltet sich bemerkenswert im reinsten Sinne des Wortes. Das Orange und Grau des Anstrichs wirkt freundlich und warm. Zur Karche- und Uferstraße hin sind die Fassaden bis auf den Sockel fertiggestellt. Derzeit stehen noch Gerüste im Innenhof. „Wir haben nicht nur die Gebäudehülle erneuern, sondern auch einige Fenster und kaputte Dachziegel austauschen lassen. Außerdem wurden die Dachrinnen gereinigt und instand gesetzt“, sagt Wolfgang Müller, Leiter der Gebäude- und Haustechnik bei der Grundstücksgemeinschaft Ros GbR. Die ist Besitzerin und Vermieterin des Gebäudekomplexes und für die äußere Instandhaltung zuständig. Bisher wurde nicht investiert, weil unklar war, wie lange die Asylbewerberunterkunft bestehen bleibt. „Jetzt haben wir einen Mietvertrag über fünf Jahre und können im größeren Umfang investieren.“

Coburger Tageblatt Logo Helke Renner

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