21.02.2012
"Magazin" schließt
Coburg - Das Einrichtungshaus Magazin steht nach 16 Geschäftsjahren vor dem Aus. "Wir sind aus Vernunftgründen zu dem Entschluss gekommen, unsere Tätigkeit zum 31. März einzustellen", gab Inhaber Robert Müller am Montag auf Anfrage der Neuen Presse bekannt.
Das Gerücht, das schon seit einiger Zeit im Umlauf ist, sei nun Tatsache und werde von vielen bedauert, so Müller weiter. Er zolle seiner Stammkundschaft hohen Respekt, denn ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, den Geschäftsbetrieb über die ganzen Jahre aufrechtzuerhalten.
Eröffnung 1996
Nach der Eröffnung 1996 lief der Laden zunächst gut. "Als Handelsvertreter hatte ich Zugriff auf maßgeblich wichtige Lieferanten", erzählt Müller. "So konnte ich ein großstädtisches Sortiment anbieten, das es in Coburg bis dahin noch nicht gab." Doch nach dem Jahrtausendwechsel ging es mit einem Mal bergab. "Wir haben uns selbst auf den Prüfstand gestellt: Sind wir noch zeitgemäß? Haben wir einen Trend verschlafen?", so der Inhaber weiter. Die Mitarbeiter des Magazins setzten auf Zukunftsorientierung. Doch mehrere Baumaßnahmen in der Innenstadt schnitten den Steinweg über die Jahre einige Male vom Lauf der Kundschaft ab.
Dazu kam die steigende Beliebtheit des Internets mit seinen neuen Möglichkeiten, Geschäfte zu betreiben. In diesen Zweig konnte Müller aus finanziellen Gründen nicht einsteigen: Sein Mietvertrag für den Laden war auf 15 Jahre abgeschlossen und musste erfüllt werden. "Außerdem war meine Ein-Mann-GmbH mit einer sehr hohen Bürgschaftsforderung belegt", erzählt der Inhaber. Die kritischen Jahre der letzten Dekade hätten einige Mal fast das Aus für das Magazin bedeutet, wenn Müller sich nicht auf die Unterstützung von Lieferanten und seines Vermieters, der Immobiliengesellschaft Stobau aus Straubing, hätte verlassen können. Sie halfen ihm immer wieder mit Zahlungsaufschüben aus seiner misslichen Lage. Müller: "Wir waren einer der letzten, der als Einzelfirma noch so eine Großimmobilie angemietet hatte." Das Magazin im Steinweg 13 erstreckt sich über insgesamt fünf Etagen, von denen drei als Verkaufs- und zwei als Lagerräume dienen.
Nun läuft der Mietvertrag aus. "Für mich und meine Frau Marianne, die wir beide über 60 sind, stellte sich nun die Frage, ob wir unseren Vertrag noch einmal um fünf Jahre verlängern", meint Müller. "Wir hängen mit Herzblut an unserem Geschäft." Dazu komme die Verantwortung für vier fest angestellte Mitarbeiterinnen. Doch die wirtschaftliche Vernunft siegt schließlich, auch wenn der Geschäftsführer seine Mitarbeiter nun in die Arbeitslosigkeit entlassen muss. "Das tut mir weh."
Keine Alternative
Aber Auswege sieht er nicht mehr. Die Suche nach kleineren Geschäftsräumen in der Coburger Innenstadt sei wegen der hohen Mietpreise leider nicht von Erfolg gekrönt gewesen, bedauert Müller. "Da stellt sich mir natürlich die Frage: Warum sollen bei dem Aufwand einer Sieben-Tage-Woche nur der Lieferant und der Energieversorger verdienen, während ich trotz des großen Einsatzes meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten kann?"
Robert Müller wird bis zum Rentenalter bei seiner ehemaligen Handelsagentur noch ein wenig verdienen können. Seiner Frau steht die Arbeitslosigkeit bevor. In das Erdgeschoss des Gebäudes Steinweg 13 soll angeblich ein Textilfilialist ziehen. Offiziell ist dies bisher nicht bestätigt. Der zuständige Ansprechpartner der Straubinger Immobiliengesellschaft Stobau befindet sich derzeit im Urlaub und war am Montag deswegen für die Neue Presse nicht zu erreichen.