31.03.2011

"Märchen" der Werrabahn

Coburg - So recht kommen die IHK zu Coburg und der Landkreis nicht zusammen, was ihre Vorstellungen zur künftigen Verkehrs-Infrastruktur in der Region angeht. Nach den unterschiedlichen Ansichten zur Notwendigkeit eines neuen Verkehrslandeplatzes auf Landkreisgebiet ist nun eine Diskussion über den Sinn einer Bahntrasse für den Güterverkehr durch das Lautertal (Werrabahn) entbrannt.

Während die IHK in Person ihres Präsidenten Friedrich Herdan bei einem gemeinsamen „verkehrspolitischen Positionspapier“ unbedingt auf die Werrabahn als Alternative besteht, hat sich der Kreistag gegen die Trasse ausgesprochen. Auch der Coburger Stadtrat verzichtete gegen die Stimmen der CSU (und der von Herdan) auf den Begriff „Werrabahn“, als er am Donnerstag das Papier verabschiedete.

Landrat Michael Busch (SPD) nimmt jetzt in einem Interview Stellung zur aktuellen Situation rund um die Werrabahn.

Im Coburger Stadtrat wurde vorgeschlagen, dass Sie zum Thema „Werrabahn“ persönlich einmal Stellung nehmen sollen. Was halten Sie davon?

Ich bin erfreut darüber, dass man sich im Stadtrat kundig machen möchte. Da ich allerdings im Coburger Rathaus auch nur theoretisch auf die Probleme des Landkreises mit dieser Forderung eingehen kann, lade ich den Coburger Stadtrat – auch im Namen der beiden Bürgermeisterkollegen Udo Döhler (FW) und Hermann Bühling (CSU) – ein, gemeinsam die alte Bahntrasse von Dörfles-Esbach bis Rottenbach abzuwandern.

Was erwarten Sie sich von dieser Wanderung?

Wir werden aufzeigen, was da vor allem „Pro Bahn“ fordert. Die Coburger CSU-Fraktion und der IHK-Präsident haben sich den Forderungen des Fahrgastverbandes angeschlossen. Sollten diese verwirklicht werden, hätte das negative Auswirkungen für unsere Bürger in Dörfles-Esbach und im Lautertal. Und diese muss man sich doch mal vor Ort anschauen!

Sie glauben also, dass der Bau einer Bahntrasse durch das Lautertal an den Realitäten vorbeigeht?

Ich hoffe, dass bei der Wanderung den Stadträten die Augen aufgehen, die dieses Projekt tatsächlich gegen die Bürger des Landkreises durchsetzen wollen! Auch das Märchen von der bisher nicht entwidmeten Bahntrasse werden wir bei dieser Gelegenheit aus der Welt schaffen.

Wo sehen Sie die Alternativen für den Bau einer Bahntrasse?

Hier ist ein Zubringer über die Straße zu einem möglichen Terminal Eisfeld wesentlich effektiver. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass den Güter-Lückenschluss auch Unternehmen aus dem Landkreis nutzen wollen. Bis ein Lkw aus Weidhausen, Ebersdorf, Neustadt oder gar Bad Rodach in Coburg ist, hat er ebenso schnell über die Autobahn Eisfeld erreicht. 

Es geht aber nicht nur um den Güterverkehr. Befürworter der Werrabahn erhoffen sich durch den Lückenschluss mehr Passagieraufkommen und damit bessere Chancen für einen ICE-Halt in Coburg. Was sagen Sie dazu?

Was den Personenverkehr zur Absicherung eines ICE-Halts angeht: Es würden ab Eisfeld sowieso kaum zusätzliche Passagiere in den Zug einsteigen, da die Bahnhöfe zu weit außerhalb der Ortschaft liegen. Hier ist ein Bus mindestens genauso schnell, aber wesentlich günstiger für den Fahrgast zu erreichen.

Wie könnte man das Geld für die Werrabahn sinnvoller einsetzen?

Bevor hier – von wem auch immer – Hunderte von Millionen Euro fehlinvestiert werden, sollte man eher noch einmal über einen Turmbahnhof bei Rödental nachdenken! Dort wäre das Geld vermutlich besser angelegt. So einen Bahnhof gibt es in Deutschland bereits mehrfach – in Greding, Montabaur oder Limburg. Einen Turmbahnhof mit guter Erreichbarkeit über die Autobahn A73 sowie über die Staatsstraße 2202 und einem großen Parkplatz – da könnten wir uns sofort drauf verständigen.

Coburger Tageblatt Logo Berthold Köhler