13.08.2010

Lautertaler Goldjunge

Der Lautertaler Goldjunge

Wer hätte gedacht, dass der Landkreis Coburg einen waschechten Olympiasieger vorzuweisen hat? Bernd Rubner aus Unterlauter ist einer. Er verlor bei einem Verkehrsunfall einen Teil seines linken Beines. Sein Orthopäde empfahl ihm den Schwimmsport, um sich fit zu halten. Also trat er 1979 in den Vitalsportverein Coburg ein und sammelte erste Erfahrungen im Becken. Das Training mit Nichtbehinderten des Coburger Schwimmvereins diente dem Konditionsaufbau. Er sei froh gewesen, dass er Unterstützung von privaten Betreuern, wie dem bereits verstorbenen Adolf Geuß, erhalten habe.

1981 fanden die Leistungen Rubners Anerkennung und er schaffte es in den A-Kader des Deutschen Behindertensport-Verbands (DBS). Drei Jahre später stand das Großereignis Paralympics bevor. Im Juni - nach 12 Monaten intensiver Vorbereitung - startete der Flieger Richtung New York. "Schon der Kennedy-Airport war für uns Athleten gigantisch", erzählt Rubner. Das Wettkampfgelände stellte die Hofstra-University im Nassau-County, etwa eineinhalb Autostunden entfernt von New York.

"In Amerika ist halt alles ein bisschen größer", erklärt Rubner. "Das Universitätsgelände, in dem wir während der Wettkämpfe zwei Wochen lang untergebracht waren, wirkte eher wie eine Kleinstadt." Die elf- bis zwölfstöckige Unterbringung habe ihn beeindruckt. Ein weiterer Unterschied zur deutschen Heimat sei der Umgang der Menschen mit Behinderten gewesen. "Wenn man zu dieser Zeit in Deutschland mit einer Prothese herumlief, wurde man immer schief angeschaut. In Amerika hat das keinen interessiert", so Rubner. Der freundliche Umgang unter den Menschen habe ihm sehr imponiert.

Rubner trat als einer der Ältesten im 25-köpfigen deutschen Schwimmkader in verschiedenen Wettkämpfen an, darunter auch in seinen "Paradedisziplinen" Freistil- und Rückenschwimmen. Nach der Qualifikation in den Vorläufen war es soweit: Finalwettkämpfe im Olympiabecken der Hofstra-University bei New York. Bernd Rubner gegen sieben andere Athleten der Weltspitze. Darunter auch einer seiner Dauerkonkurrenten aus dem deutschen Kader. "Damals war ich 27 und er 19. Bei den vorherigen Wettbewerben hatte er immer die Nase vorn", erzählt Rubner.

Doch nicht dieses Mal: In den Vorläufen habe sich schon angedeutet, dass noch etwas gehe. "Aber als ich dann reihenweise persönliche Bestzeiten hinlegte, bin ich schon über mich hinausgewachsen", erzählt der ehemalige Olympionike. Am Ende stand er vier Mal ganz oben auf dem Siegertreppchen: Im 100-Meter und 400-Meter Freistil sowie beim 100-Meter Rückenschwimmen und in der Freistilstaffel gewann er jeweils Gold.

Trotz des Trainings und einiger internationaler Wettkämpfe im Vorfeld der Paralympics habe man seine Chancen schlecht einschätzen können. "Damals war das noch nicht so, dass im Behindertensport genaue Listen geführt wurden", sagt Rubner. Erst nach den Vorläufen habe man gemerkt, dass vielleicht sogar eine Medaille drin sein könnte. Dass dann aber am Ende viermal Gold herausspringt, damit habe keiner gerechnet. Dabei haben es ihm die Wettkampfbedingungen sehr schwer gemacht. An machen Tagen habe er sieben Starts gehabt, so Rubner. Diese Belastung sei man von den vorherigen Meisterschaften nicht gewohnt gewesen. "Das hat einem schon zugesetzt."

Trotzdem erzielte Rubner diese Ergebnisse. Ein Empfang im Konsulat mit dem deutschen Botschafter war die Folge. Auch für die Erkundung New Yorks oder Washingtons als Tourist fand man noch Zeit. Die Stimmung im deutschen Team war immer hervorragend. "Der Zusammenhalt unter den Athleten war gigantisch", so Rubner.

Heute zieht Rubner nur noch seine Bahnen, um sich selbst fit zu halten. An Wettkämpfen nimmt er nicht mehr teil. "Ich habe eigentlich alles erreicht. Wenn man keinen Ehrgeiz mehr hat, fällt es einem schwer, sich zu quälen", sagt der Olympiasieger.

Neue Presse Logo Maximilian Schramm

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