25.08.2011
Laues Lüftchen
Coburg - 400 Windräder gibt es aktuell in Bayern, bis zu 1500 sollen es in zehn Jahren sein: Windparks im Wald könnten nach Ansicht von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, CSU, den Freistaat aus dem Rückstand bei der Windkraft herausbringen. Bei der Umsetzung schreibt der Politiker dem Staatswald eine Vorreiterrolle zu. Allerdings gibt es bislang lediglich drei Windparks, die "grünen Strom" aus dem Staatswald liefern: Gattendorf (Hof), Fasanerie (Selb) und - demnächst am Netz - Velburg (Neumarkt).
Eingriff in Landschaft
Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie geht der Minister von einer steigenden Standort-Nachfrage aus. Gerade in waldreichen Regionen gebe es viele geeignete Stellen. Zudem werde das Landschaftsbild durch Wald-Windparks weniger stark beeinträchtigt. Dabei ist Brunner klar, dass vielerorts Bürger gegen die oft weit über 100 Meter hohen Anlagen Sturm laufen. Gleichwohl seien Hochspannungsleitungen, die den offshore erzeugten Strom von der Nordsee quer durch Deutschland transportieren, ebenfalls unattraktiv. "Es ist die Frage, ob Windräder da wirklich ein stärkerer Eingriff in die Landschaft sind", gibt der Agrarminister zu bedenken.
Grüner Strom aus dem bayerischen Staatswald: Für mehr als 100 Windkraftanlagen liegen bereits Vorplanungen und Standortsicherungsverträge vor. So gut wie gar kein Interesse regt sich derweil im Coburger Land. "Vor einigen Jahren wurden zwei Standortsicherungsverträge abgeschlossen, aber die schlummern seither vor sich hin", skizziert Albert Schrenker den aktuellen Stand. Er ist Leiter des Forstbetriebs Coburg, der in Stadt und Landkreis 7500 Hektar Staatsforst und 1000 Hektar landwirtschaftliche Fläche - die früheren Domänen - bewirtschaftet.
Für Schrenker ist das Desinteresse nachvollziehbar. Einerseits gibt es im heimischen Staatswald eine Vielzahl von Tabu-Zonen, die aus Gründen des Naturschutzes oder als Ausgleichsgebiete und Abstandsflächen für ICE, Autobahn, 380-kV-Leitung oder Flugplatz mit einem Sperrvermerk versehen sind. Andererseits wehe in der Region Coburg wohl eher nur ein laues Lüftchen. "Was die Windstärke angeht, schaut es mau aus. Für einen wirtschaftlichen Betrieb dürfte das einfach zu wenig sein", glaubt Schrenker nicht an einen Windpark-Boom in seinem Forstrevier.
Zustimmung erforderlich
Sollte dennoch ein Investor mit dem Bau eines Windparks liebäugeln, dann werde es "eine Genehmigung nur dann geben, wenn die betreffende Kommune oder die Bürger nichts dagegen haben", verweist Schrenker auf klare Spielregeln. Bei Widerstand hat sich für den betreffenden Standort das Thema erledigt, hat auch Landwirtschaftsminister Brunner als Parole ausgegeben.
Entscheidend für die Akzeptanz sei es, die - oft verständlichen - Bedenken der Bevölkerung abzubauen. Vor allem der Schattenwurf oder der Discoeffekt, der durch zu nah an Häusern stehenden Windrädern entstehe, sorgen laut Brunner für Vorbehalte. Deshalb müssten ausreichende Abstände eingehalten werden. Zudem schlägt er die Beteiligung von Kommunen und Bürgern vor. "Wir müssen weg von anonymen Investoren hin zu Bürgermodellen."