23.05.2010
Landwirt in Sorge
Am Tag, nachdem der Coburger Kreistag beschlossen hat, sich an der Planfeststellung für einen neuen Verkehrslandeplatz "am Standort Meeder-Neida" zu beteiligen, kann Oliver Truckenbrodt diese Entscheidung noch immer nicht nachvollziehen: "Mit ist das völlig unverständlich. Die haben doch ganz blauäugig entschieden." Nicht verstehen kann der 33-jährige Landwirt zudem, dass sich Kommunalpolitiker und Kreisräte aus der Gemeinde Meeder für das Planfeststellungsverfahren ausgesprochen hätten: "Das kann doch nicht sein."
Oliver Truckenbrodts zehnjähriger Sohn Leon hat am Dienstag vor dem Landratsamt ebenfalls demonstriert, gemeinsam mit rund 250 Flugplatzgegnern. Er trug ein Schild mit der Aufschrift "Ich will auch noch Bauer werden". Ob er sich diesen Wunsch erfüllen kann, hängt nun auch davon ab, wie es mit dem geplanten Flugplatz vor der Haustüre der Truckenbrodts weitergeht: "Wenn der so kommt wie geplant, dann sind wir mit 15 Hektar Flächenverlust betroffen. Das sind knapp 20 Prozent unserer ganzen Felder", erklärt Oliver Truckenbrodt. Sollten die Landwirte nicht verkaufen ("Du kriegst doch einen schönen Quadratmeterpreis", hat ihm ein Politiker zugeredet), wäre sogar die Enteignung wegen überörtlichen Interesses möglich.
Die Verluste könnten auch mögliche Ausgleichsflächen kaum mindern: "Wo liegen die denn dann? Ein Kilometer Umweg sind schon enorme Kosten, und wenn wir dann noch weiter fahren müssen, geht es richtig ins Geld. Das kann man nicht ausgleichen." Erst in den vergangenen Jahren hat der 33-jährige Landwirt mehr als 600.000 Euro in seinen Betrieb investiert, einen neuen Stall für über 80 Milchkühe und neue Gerätehallen gebaut. Die wollen finanziert sein. Wenn er dann viel weiter und länger fahren müsse, um Futter für seine Tiere mähen zu können, würde auch die Abzahlung seines Kredits immer schwieriger.
Unbegreiflich ist es deshalb für Oliver Truckenbrodt, dass auch Landwirte aus anderen Gemeinden für das Planfeststellungsverfahren stimmen konnten: "Privat kann man so doch auch nicht planen." Der 33-Jährige möchte niemandem den Schwarzen Peter zuschieben, doch für ihn sind Alternativstandorte für einen Verkehrslandeplatz wie auf dem Steinrücken bei Creidlitz schlicht nicht ausreichend geprüft worden: "Mich würden die Kriterien interessieren, die hinter der Standortsuche stecken." Dass er diese Kriterien erfahren wird, glaubt Oliver Truckenbrodt nicht.
Und er glaubt außerdem kaum, dass ein möglicher Bürgerentscheid ein anderes Ergebnis als die Abstimmung im Kreistag hätte: "Das Arbeitsplatzargument ist doch in den Köpfen drin." Nur dessen ist sich der Landwirt sicher: "Das ist doch ein reines Prestigeobjekt", sagt er. Und schüttelt den Kopf.