29.04.2011

Lagerstätte steht auf der Kippe

Lagerstätte kippelt

Coburg - Günter Schlenzig, Hauptabteilungsleiter des Coburger Entsorgungs- und Baubetriebs (CEB), redet nicht um den heißen Brei herum: "Die Bauschuttdeponie auf der Brandensteinsebene fährt seit Jahren keine auskömmlichen Betriebsergebnisse mehr ein." Das heißt, die Abfallentsorgung ist für den CEB, ein Unternehmen der Stadt Coburg, ein Draufzahlgeschäft.

Das ist kein hausgemachtes Coburger Problem, sondern ein bundesweites. Das Gesetz lässt für Bauschutt zwei Entsorgungsmöglichkeiten zu: die klassische, aufwendig ausgebaute Deponie sowie das Auffüllen ausgebeuteter Sand-, Kies- oder Tongruben. Diese sind die wesentlich preiswertere Möglichkeit, unbelasteten Bauschutt und Erdaushub endzulagern. Sie fallen unter das Bergrecht und müssen deshalb weit weniger Auflagen erfüllen als klassische Deponien wie die Anlage auf der Brandensteinsebene. Hier gelten beispielsweise strengere Regeln für den Grundwasserschutz als bei Gruben.

Für Fachleute ist das zwar schwer nachvollziehbar, schlägt aber für die Betreiber voll auf die Bau-, Unterhalts- und Betriebskosten durch. Diese wiederum sind entscheidend für die Höhe der Gebühren. So sind in Coburg für die Entsorgung von einem Kubikmeter unbelasteter Erde 5,10 Euro zu zahlen, für einen Kubikmeter Bauschutt - beispielsweise Fliesen, Steine, Putz - 25,60 Euro. In einer alten Grube im Landkreis Regensburg kostet das Ablagern eines Kubikmeters Erde 3,20 Euro, nicht wiederverwertbarer Bauschutt schlägt mit 6,40 Euro zu Buche.

Große Unterschiede

Bei solchen Preisunterschieden ist klar, welche Lagerstätten von Entsorgern bevorzugt werden. Günter Schlenzig vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb beschreibt die Situation so: "Die Abfallwirtschaft geht den günstigsten Weg, und das ist das Dilemma der Bauschuttdeponie auf der Brandensteinsebene."

Dieses ließe sich über die Menge lösen. Deshalb hat der CEB seine Anlage dem Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken (ZAW) angeboten. Dieser deckt das Gebiet der Stadt Coburg sowie der Landkreise Kronach, Lichtenfels und Coburg ab. Der Einzugsbereich der Bauschuttdeponie am Flugplatz würde sich schlagartig erweitern, die Gebühreneinnahmen würden steigen, und der CEB hätte einen Verlustbringer los, so die Überlegung. Ein weiterer Vorteil: Teuerer Raum auf der Deponie Blumenrod, der eigentlich Hausmüll vorbehalten ist, wenn das Müllheizkraftwerk in Coburg nicht läuft, müsste nicht länger mit Bauschutt verfüllt werden. Die Anlage auf der Brandensteinsebene kann zudem relativ problemlos so ausgelegt werden, dass dort auch leicht belastete Stoffe wie Asbest ("Eternitplatten") oder Rigips dauerhaft entsorgt werden können. Günter Schlenzig: "Das muss man nicht in eine teuere Hausmülldeponie verfrachten. Da liegt es nahe, dass man mit dem ZAW spricht."

Doch dort hält man sich bedeckt. Stellvertretender Geschäftsführer Gerhard Göckel bestätigt lediglich, dass es in der Frage der Bauschuttdeponie eine Anfrage des CEB gibt - mehr nicht.

Wenig Bedarf

Die Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Denn der ZAW hat keinen echten Bedarf an Lagerstätten für unbelasteten Erdaushub. Dafür gibt es in Kronach und Lichtenfels sowie - mit Einschränkungen - in Coburg genügend aufgelassene Gruben. Für den restlichen Bauschutt reicht das Volumen der Deponie Blumenrod nach Schätzungen von Experten für die nächsten 70 Jahre.

Offen ist auch, wie der Coburger Stadtrat mit dem Verkauf der Bauschuttdeponie oder einer Betriebsübergabe an den ZAW umgeht. Eine Lagerstätte, deren Einzugsgebiet weit über die Vestestadt hinaus vergrößert wird, bedeutet eine sprunghafte Zunahme von Lastkraftwagen, die durch den Coburger Osten rollen. Das ist den dort lebenden Menschen nach der Fertigstellung der Autobahn und dem noch bis zum Jahr 2017 laufenden Bau der ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke nur schwer vermittelbar. Im Stadtrat bereitet man sich auf die Diskussion vor. Im Mai soll das Thema erstmals auf der Tagesordnung stehen.

Neue Presse Logo Wolfgang Braunschmidt