04.10.2011
Kuschel-Kamele in Obersiemau
Untersiemau - Es sind unter anderem die dunklen Knopfaugen, die Ruth Wengenroth verzaubert haben. "Die haben es mir angetan. Alpakas sind einfach wunderbare Tiere. Sie haben etwas Magisches an sich", schwärmt die gebürtige Münchnerin. Seit vielen Jahren hegt sie den Wunsch, die den Lamas verwandte Kamelart auf dem heimischen Grundstück in Obersiemau zu züchten. Jetzt hat sie Nägel mit Köpfen gemacht und bei der Gemeinde Untersiemau einen Bauantrag zum Ausbau der Scheune gestellt. "Wie lange soll ich denn noch warten", fragt Wengenroth mit einem Lächeln.
Bis zur Verwirklichung ihres Traums ist es gar nicht mehr all zu weit. Im Gemeinderat gab es bezüglich des Antrags nur eine Gegenstimme, und auch im Landratsamt gibt es wohl keine Bedenken. "Es werden zwar noch Stellungsnahmen einzelner Ämter eingeholt. Aber aktuell gibt es keinen Grund, das Vorhaben zu stoppen", bestätigt Dieter Pillmann, Pressesprecher am Landratsamt, der jedoch bei der exotischen Tierart auf die Wichtigkeit der artgerechten Haltung verweist.
Diesbezüglich macht sich Ruth Wengenroth keine Sorgen. Platz gibt es auf ihrem Grundstück genug. "Das ist hier insgesamt ein Hektar", sagt sie mit Blick auf die potenzielle Weidefläche an der Alten Mühle. Gras gibt es hier genug zu fressen - Angst wegen ihrer zahlreichen Apfelbäume hat Wengeroth nicht. "Da gehen die nicht dran", weiß sie.
Die Obersiemauerin hat sich bereits intensiv bei Alpaka-Züchtern über Haltung und Pflege informiert. Zunächst will sie - wohl ab dem kommenden Frühjahr - mit drei Stuten starten. "Das ist das mindeste, Alpakas sind Herdentiere. Natürlich hätte ich auch gerne mehr, aber das ist auch eine Kostenfrage."
Dass sich Ruth Wengenroth insbesondere auf dem Land wohl auf den einen oder anderen kritischen Blick einstellen muss, bereitet der angehenden Züchterin kein Kopfzerbrechen. "Das stört mich nicht und kann ich ohnehin nicht ändern", sagt sie. Wengenroth ist sich ohnehin sicher, dass langfristig die positiven Reaktionen überwiegen. "Meine Nachbarn unterstützen mich. Und alle anderen überzeuge ich auch noch. Alpakas sind ganz zahme und zutrauliche Tiere. Angst braucht man nicht zu haben."
Wengenroth will die exotischen Tiere verschiedenartig nutzen. Die Wolle der Alpakas gilt beispielsweise aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl der Tiere als besonders wertvoll.
Viel wichtiger ist der Obersiemauerin aber, die kuscheligen Südamerikaner im direkten Kontakt mit den Menschen einzusetzen. Gerade im Bereich der Tiertherapie sieht sie großes Potenzial. Ähnlich wie bei Pferden oder Delfinen, leisten Alpakas weltweit therapeutische Hilfestellung: bei Menschen mit Kontaktängsten, nervösen Störungen, Überarbeitung oder Burn-Out-Syndrom. "Die Tiere sind ganz behutsam und sanft. Mit ihrer Aura vermitteln sie ein ganz besonderes Gefühl." Darüber hinaus kann sich Wengenroth auch organisierte Wanderungen vorstellen. "Gerade für Kinder wäre das doch etwas ganz Tolles!"
Damit es bald so weit ist, will Wengenroth in den nächsten Monaten die wichtigsten Vorbereitungen treffen. Als nächstes soll das an die alte B 289 angrenzende Grundstück eingezäunt werden. "Sonst könnte es mit meiner Alpaka-Zucht auch schnell wieder vorbei sein", sagt sie mit einem Augenzwinkern.