15.11.2011

Kritik an Standgebühren

Kritik an Standgebühren

Coburg - Als vorweihnachtlicher Bote schmückt seit gestern eine rund zwölf Meter hohe Fichte den Coburger Marktplatz. Der Baum stammt aus dem Stadtteil Creidlitz. In den nächsten Tagen soll er geschmückt und eine Krippe darunter aufgestellt werden. Ab Freitag startet dann der Aufbau der Buden für den Weihnachtsmarkt.

Nicht dabei ist in diesem Jahr Andrea Franke. Die Seifenherstellerin aus Nordrhein-Westfalen erfreut sich auf dem Coburger Weihnachtsmarkt großer Beliebtheit. Doch die angestiegenen Standmieten machen ihr das Leben so schwer, dass sie entschieden hat, heuer nicht zu kommen.

Preis verdreifacht

"Vor vier Jahren ist es noch gut gelaufen, aber seit sich Tourismus Coburg um den Weihnachtsmarkt kümmert, hat sich der Preis inzwischen verdreifacht", klagt Andrea Franke. Zwei Mal setzte sie deswegen schon aus. "Aber weil mich die Kunden vermisst haben, habe ich letztes Jahr in den sauren Apfel gebissen und die hohe Miete in Kauf genommen. Für 2011 kostet es schon wieder mehr. Ich kann das nicht bezahlen." Für eine 4,12 Quadratmeter große Bude müsste Franke 1000 Euro hinlegen. Dem entgegen würden einige Handwerker in die "Lebende Werkstatt" eingeladen und müssten dafür gar nichts bezahlen. Dort stellen sie vor den Augen der Besucher ihre Produkte her. "Ich frage mich: Warum lädt man nicht alle Handwerker ein, sondern nur manche?", wundert sich die Seifenherstellerin. Für sie ist die Sache klar: "Eigentlich hat Tourismus Coburg den Weihnachtsmarkt übergeben bekommen, weil es hieß, er sei nur noch ein "Glühmarkt". Aber die Buden mit Heißgetränken sind trotzdem immer mehr geworden. Sind das die Beschicker, die angesprochen werden sollen?"

In diesem Zusammenhang habe Franke beim letzten Mal beobachten können, wie sich das Publikum verändere. Auffällig sei, dass sich ab dem späten Nachmittag der Markt mit "jungen Leuten von 20 bis etwa 45 Jahren" fülle. Familien mit kleinen Kindern sehe man kaum noch. "Es ist ein Event für diese Zielgruppe, die ihren Spaß hat und dort unbeschwert feiert."

Waltraud Gulder, Betriebsleiterin von Tourismus Coburg, versteht den Ärger über die gestiegenen Standmieten. Doch stecke ein politischer Beschluss dahinter. "Tourismus Coburg hat damit nichts zu tun." Außerdem seien die Coburger Preise verglichen mit Märkten ähnlicher Größe nicht teuer - und für die Stadt immer noch ein Draufzahlgeschäft.

Wer letztlich seinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt aufbauen dürfe, werde von Richtlinien bestimmt, die ebenfalls politisch vorgegeben sind. Ein repräsentativer Mix, so Gulder, bestünde aus 46 Prozent Kunsthandwerk-Anteil gegenüber 19 Prozent Glühwein- und Punschgetränken. "Allerdings ist es schwierig, das umzusetzen, denn ein echter Kunsthandwerker sollte nicht nur verkaufen, sondern auch vorführen." Ferner erhalte man weniger Bewerbungen aus diesem Gewerbe.

Im Jahr 2007 konnte das Problem insofern gelöst werden, als die Aktionsbude ins Leben gerufen wurde. Hier geben Kunsthandwerker einen Einblick in den Herstellungsprozess ihrer Produkte. "Dafür kann sich jeder bewerben", sagt Gulder. "Aber er sollte aus der Region Coburg oder Thüringen sein, da unser Schwerpunkt thüringisch-fränkisch ist."

Abwechslung im Angebot

In diesem Jahr wird der Weihnachtsmarkt neben Altbekanntem auch viel Neues bieten. "Wir versuchen immer, ein bisschen Abwechslung im Angebot zu haben", betont die Betriebsleiterin. Im Imbiss- und Getränkebereich sei ein Zuwachs zu verzeichnen. Neben den Händlern, die schon letztes Mal vor Ort waren, werden auch einige neue mit eigenen Buden kommen. "Da erwarten wir einige kreative Dekorationen." Verzichten müssten die Besucher heuer allerdings auf die beliebte Glühwein-Pyramide. Deren Betreiber hätten sich zu spät beworben. Dafür habe man ein "stramm gefülltes Programm" an Chören und Musikern auf die Beine gestellt. Ab 25. November wird der Weihnachtsmarkt seinen Gästen dann wieder die Vorweihnachtszeit versüßen.

Neue Presse Logo Alexandra Paulfranz