11.01.2012
Krankenhaus vor Verkauf
Neustadt - Es war eine kleine Anmerkung von Vorsitzendem Gerhard Preß, die er beim Jahresauftakttreffen der CSU/Landvolk-Fraktion im Coburger Kreistag am Sonntagabend in Sonnefeld machte: Der fränkisch-thüringische Krankenhausverbund regioMed, in dem die kommunalen Kliniken der Städte und Landkreise Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg zusammengeschlossen sind, habe sich bewährt, sagte Preß. Um zu ergänzen, dass in Kürze das Krankenhaus in Neustadt bei Coburg in diese Klinikfamilie aufgenommen werden soll. "Die Verhandlungen laufen", sagte der CSU/LV-Fraktionsvorsitzende.
Nicht nur CSU-Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike zeigte sich überrascht, dass Gerhard Preß mit dieser Nachricht zum gegenwärtigen Zeitpunkt in die Öffentlichkeit ging. Denn in trockenen Tüchern ist das Geschäft noch nicht. Mit einer SMS informierte Heike sofort Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan, SPD. Er ist in die Verkaufsverhandlungen eingebunden, die seit etwa einem Jahr laufen.
Rebhan bestätigte der Neuen Presse am Montag auf Anfrage, dass das Krankenhaus Neustadt zum Verkauf steht. Die Klinikum Coburg GmbH sei mit der Dr. Drogula GmbH Krankenhausbetriebe in Verhandlungen eingetreten. Sie seien vom scheidenden Geschäftsführer Uwe Möller-Ühlken vorangetrieben worden, stünden aber noch nicht vor dem Abschluss.
Leise Kritik äußerte Oberbürgermeister Frank Rebhan an seinem Rödentaler Bürgermeisterkollegen und CSU/LV-Fraktionsvorsitzendem Gerhard Preß, dass er die Nachricht über das Neustadter Krankenhaus in die Öffentlichkeit getragen hat. Rebhan: "Da hängt viel zu viel dran, als dass man vorzeitig darüber reden kann."
Das Krankenhaus Neustadt - eine Privatklinik - steht nach Informationen der NP nicht aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf. Das Haus sei gesund. Allerdings habe der Eigentümer, Dr. Karl-Heinz Drogula, keinen Nachfolger gefunden. Um die Schließung des Hauses zu vermeiden und es auf einer gesicherten Grundlage dauerhaft fortführen zu können, hat Frank Rebhan den Kontakt zu Dr. Drogula, der in Berlin lebt, hergestellt und Verkaufsverhandlungen begleitet. Ziel des Oberbürgermeisters sei "eine nachhaltige Sicherung des Krankenhausstandorts Neustadt", so Rebhan am Montag gegenüber der NP. In der Puppenstadt leben 16 000 Menschen.
Investitionen
Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren viel in das Neustadter Krankenhaus im Seilersgründchen investiert worden sei - sowohl in das Gebäude als auch in Medizintechnik. Heike sei "intensiv daran interessiert", dass das Krankenhaus dauerhaft Bestand hat. Als Landespolitiker unterstütze er die Verhandlungen zum Verkauf an die Klinikum Coburg GmbH.
Doch dagegen regt sich innerhalb des regioMed-Verbunds Widerstand. Dieser kommt aus Sonneberg. Dort befürchtet man, dass die Neustadter Privatklinik - ein medizinischer "Vollversorger" - den Einzugsbereich und damit das Patientenpotenzial des Sonneberger Krankenhauses verkleinert.
Das könnte wirtschaftliche Nachteile haben. Denn die Verlagerung von stationären Leistungen in den ambulanten Bereich, die Forderung von Mindestmengen bei Behandlungen und Operationen sowie der durch Fördermittel nicht mehr gedeckte Investitionsbedarf in Gebäude und Medizintechnik engen den finanziellen Spielraum eines jeden Krankenhauses weiter ein.
Von der Klinikum Coburg GmbH und von der Dr. Drogula Krankenhausbetriebe GmbH war am Montag keine Stellungnahme zu den Verkaufsverhandlungen über das Krankenhaus Neustadt zu erhalten.