06.06.2011
Kochen für Weltbürger
Coburg - Kennenlernen funktioniert am besten übers Essen. Mit dem Projekt „Kochen für Weltbürger“ will Annemarie Ammer interessierten Coburgern und Flüchtlingen einen gemeinsamen Raum schaffen. „Durch das gemeinsame Kochen haben die Asylbewerber die Möglichkeit, aus dem Heim heraus zu kommen und etwas über die deutsche Kultur zu lernen“, erläutert sie. „Im gleichen Atemzug können die Coburger etwas über die Flüchtlinge, deren Schicksale, Kulturen und Länder erfahren.“
Die Unterbringung von Asylbewerbern in Lagern soll „die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern.“ So steht es in der bayrischen Asyldurchführungsverordnung, § 7, Absatz 5. „Diese Verordnung führt aber dazu, dass für Asylbewerber kaum Möglichkeiten bestehen, zu den Menschen in Coburg Kontakt aufzunehmen“, sagt Annemarie Ammer.
Seit September 2010 unterrichtet die 22-Jährige im Flüchtlingsheim Uferstraße ehrenamtlich Deutsch. Ihre Arbeit im Heim führt ihr regelmäßig die Probleme vor Augen, die es den Flüchtlingen erschweren, hier zurecht zu kommen. „Die Vorurteile über Asylbewerber prägen die Meinungen der Menschen enorm. Zum Beispiel wird ihnen unterstellt, sie würden nicht arbeiten wollen. Dabei sind sie gesetzlich gesehen gar nicht dazu in der Lage, zu arbeiten, da ihnen nur in Ausnahmefällen eine Arbeitserlaubnis erteilt wird.“
Auch das Vorurteil, Asylbewerber würden sich nicht in die Gesellschaft integrieren wollen, kann sie nicht nachvollziehen. „Asylbewerber sind Menschen, die aufgrund politischer oder sonstiger Verfolgung in einem fremden Land Schutz suchen. Sie kommen also nicht zu uns, um sich von uns durchfüttern zu lassen. Sie sind auf unsere Hilfe angewiesen“, erklärt sie. Die Flüchtlinge in Coburg stammen überwiegend aus Afghanistan, Irak, Somalia und Äthiopien. „Wie sollen sie sich denn integrieren, wenn sie abgeschottet in Lagern und nicht in normalen Mehrfamilienhäusern untergebracht werden? Außerdem wird ihnen kaum ermöglicht unsere Sprache zu erlernen.“
„Eine Plattform, auf der sich Asylbewerber mit Einwohnern austauschen können und gemeinsam leben können ist gesetzlich nicht vorgesehen“, sagt Annemarie. Doch wie schafft man es, Asylbewerber und Coburger zusammenzuführen, sodass beide Seiten davon profitieren können?
Annemarie Ammer kam die Idee mit dem Kochen und ist sie bis jetzt auf viele Befürworter gestoßen. Der dm- Drogeriemarkt hat sich bereiterklärt, die Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Die Grünen unterstützen das Projekt finanziell, und die Landtagsabgeordnete Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen) hat die Schirmherrschaft übernommen.
Das erste Treffen findet am 29. Juni um 17 Uhr im Jugendzentrum Domino (Schützenstraße) statt. Von da an soll es regelmäßig alle drei bis vier Wochen stattfinden. Das Projekt soll vor allem junge Leute zwischen 15 und 28 Jahren aus dem Raum Coburg ansprechen. Gemeinsam mit den Flüchtlingen aus Coburg werden sie Gerichte aus den Herkunftsländern der Asylbewerber und aus Deutschland zubereiten. Gespräche, Spiele und Musik aus den verschiedenen Ländern sollen die gemeinsamen Abende auflockern und helfen, erste Hürden zu überwinden. „Ich erhoffe mir von dem Projekt, Vorurteile abzubauen und das Bewusstsein für die Probleme der Asylbewerber zu erschaffen“, sagt die Sprachenschülerin.
Wer Interesse daran hat, und mitmachen möchte, kann sich über anne.ammer@googlemail.com bei Annemarie Ammer melden.