09.02.2012
Knappe Katastrophe
Coburg - Der Brand war innerhalb von zehn Minuten unter Kontrolle, nach 20 Minuten ganz gelöscht. Die Folgen jedoch waren weitaus größer und für die Stadt Coburg als Katastrophenschutzbehörde der Einsatz mehr als nur ein Testlauf. Am Ende wird es heißen: „Wir sind stolz auf unsere Einsatzkräfte und die tolle Teamleistung!“ Der Schaden beläuft sich auf 200000 Euro. Ursache war ein technischer Defekt. Verletzt wurde niemand.
Was ist passiert?
In der Nacht zum Mittwoch ging um 19.45 Uhr die Nachricht von einem Feuer in der Erfurter Straße bei der Polizei ein. „Die Feuerwehr rückte um 19.54 Uhr aus und war bereits um 20.01 Uhr am Brandherd“, informiert Stadtbrandrat Thomas Fritz. Zunächst wurde ein Wohnungsbrand vermutet, dann ein Garagenbrand, schließlich entdeckte man Rauch aus dem Keller, in dem das Blockheizkraftwerk für das gesamte Wohngebiet untergebracht ist. Mit Stemmeisen wurde die Tür aufgebrochen und das Feuer dort gelöscht. Tatsächlich ist das Blockheizkraftwerk ausgebrannt und legte die Heizungen für 140 Wohneinheiten lahm.
Um 20.20 Uhr wurden draußen minus elf Grad gemessen. Ob die Anlage wieder rechtzeitig auf Trab gebracht werden kann, wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Deshalb mussten erste Vorkehrungen getroffen werden, um eventuell das gesamte Wohngebiet zu evakuieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Thomas Fritz die Einsatzleitung. Ordnungsamtsleiter und damit Leiter der Katastrophenschutzbehörde Gerhard Berwind ernannte gegen 21.30 Uhr Wolfram Krause vom Roten Kreuz zum örtlichen Einsatzleiter. „Es ging uns jetzt um die Versorgung der Menschen“, erläutert er sein Vorgehen.
Einsatzzentrale in der Hochschule
In der Fachhochschule wurde die Einsatzzentrale eingerichtet. Von dort aus steuerte Krause die Einsatzkräfte. Über 100 waren vor Ort. Feuerwehr, BRK, THW, Polizei, Ärzte, psychologische Betreuer, SÜC-Techniker und Mitarbeiter der Verwaltung waren eingebunden.
Zwei Stunden Zeit blieben, um die Menschen in den Wohnungen über den Ist-Stand zu informieren und sie auf eine eventuelle Evakuierung vorzubereiten. Währenddessen arbeitete die SÜC auf Hochtouren. Neben dem Blockheizkraftwerk gab es noch einen alternativen Heizkessel mit Brenner, der gangbar gemacht und befeuert werden konnte.
In Gesprächen mit den Anwohnern wurde schnell deutlich, dass lediglich bei einem Rentner und einer kranken Person ein besonderer Betreuungsbedarf bestand.
In der Einsatzzentrale kümmerte man sich derweil um mögliche Notunterkünfte. In der CoJe könnten 130 Feldbetten aufgestellt werden, in der Turnhalle Ketschendorf 60. Das Technische Hilfswerk bot 40 an. Auch der Transport war durch SÜC-Busse gesichert.
Um 23.57 Uhr kommt dann allerdings Entwarnung. Ein Mieter meldet, dass die Heizkörper wieder warm werden. Mit einem Zettel an den Haustüren werden die Hausbewohner informiert. Bewusst entscheidet man sich dagegen, erneut alle rauszuklingeln. Schließlich schlafen die Kinder. Um 0.30 Uhr ist es wieder ruhig im Thüringer Viertel. Ruhig und warm.
In der Einsatzzentrale dankt Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) den Einsatzkräften. Alle sind sich bewusst, dass der Einsatz „super“ gelaufen ist. „Auch wenn es kritisch geworden wäre, wir hätten es im Griff gehabt. Unser Vorteil war, dass wir diesmal viel Zeit hatten“, bilanziert Einsatzleiter Krause. Bei der Pressekonferenz am nächsten Tag im Gebäude der SÜC sind sich die Verantwortlichen einig: Die Teamleistung war hervorragend. Coburg ist für den ernsten Katastrophenfall bestens gerüstet.