03.09.2010
Kettlers sind Weltmeister
Weltweit können Jonathan, Samuel und Annette beim Sport-Stacking nur wenige das Wasser reichen: Kaum jemand stapelt die Becher so schnell und präzise wie die drei Kettlers aus Niederfüllbach.
Seit den 15-jährigen Jonathan, den 17-jährigen Samuel und ihre 48-jährige Mutter Annette Kettler das "Stacking-Fieber" gepackt hat, trainieren sie mit Begeisterung. Mittlerweile gehören sie der deutschen Nationalmannschaft an. Den "Virus" brachte Jonathan aus dem Krankenhaus mit. Dort sei er mit einer Lehrerin ins Gespräch gekommen, die seinen Zimmernachbarn besuchte. "Sie hat mir eine DVD über Sport-Stacking gegeben", erzählt der 15-Jährige.
Die Becher ließen ihn nicht mehr los. Etwa ein halbes Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt Mitte 2007 trat Jonathan bei den offenen Deutschen Meisterschaften an, musste allerdings noch Lehrgeld bezahlen.
Der Spaß am Sport-Stacking blieb. Der Lohn: Sieg bei den Bayerischen Meisterschaften, die im Oktober 2007 in Coburg stattfanden. Mutter und Bruder begleiteten Jonathan bei den Turnieren. "Und bald wollten wir nicht nur zuschauen", erzählt Annette Kettler.
Also steigen die Kettlers zu dritt ins Training ein. Vor Wettkämpfen wird bis zu zwei Stunden täglich gestapelt. "Dabei kommt es noch mehr auf die Genauigkeit als auf die Geschwindigkeit an", sagt Samuel. Denn wer beim Wettkampf den Turm aus neun bis zwölf Bechern korrigieren müsse, der verliere so viel Zeit, dass er sich kaum Hoffnung auf einen vorderen Platz machen könne. "Ganz wichtig ist da eine ruhige Hand."
Besonderes ruhige wie flinke Hände beweisen die Kettler-Brüder bei der diesjährigen Sport-Stacking-Weltmeisterschaft in Denver, USA: Im Mutterland der jungen Sportart triumphieren sie im Doppel über die starke amerikanische Konkurrenz, sichern sich den Weltmeistertitel, wie ihn Samuel und Annette bereits in ihren Altersklassen im Einzel holten.
Das Brüder-Doppel ist jetzt auf Platz 1 der Weltrangliste. Ihr schon bei einem Vorbereitungsturnier zur Weltmeisterschaft im November vergangenen Jahres erzielter Weltrekord, zwölf Becher in 7,47 Sekunden zu stapeln, brachte ihnen einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. "Bis heute ist der Rekord ungebrochen", freuen sich die beiden.
Weniger erfreulich: Die Sportart ringt um ihre Anerkennung. Finanzielle Unterstützung sei bislang Fehlanzeige. Auch für noch so lange Reisen zu Weltmeisterschaften müsse die Familie komplett selbst aufkommen. Fördermittel seien nicht zu erwarten, da Sport-Stacking nicht im Bayerischen Sportbund verankert sei, so Annette Kettler.
Doch davon lassen sich die Kettlers den Spaß am Stapeln nicht verderben. "Wie haben ja auch Ziele, wollen zum Beispiel unseren Weltrekord noch einmal verbessern", geben sich die Brüder selbstbewusst.