28.12.2010

Keine Angst vor Glatze

Keine Angst vor Glatze

Coburg - Es fängt hinter den Ohren und am Hinterkopf an. Die Haare lösen sich büschelweise. Da ist Franziska Z., zehn Jahre alt (Name von der Redaktion geändert). Ihre langen braunen Haare fallen aus. Einfach so. Immer mehr. Am Schluss sind keine mehr übrig. Das kleine Mädchen hat eine Glatze.

"Meine Mutter hat mich von Arzt zu Arzt geschleppt", erzählt sie. Die Diagnose: "Kreisrunder Haarausfall" oder auch "Alopecia". Franziska hat erst mal kein Problem damit. Die Menschen um sie herum reagieren freundlich. Als sie ihre erste Perücke erhält, ist sie der Star in ihrer Schulklasse an einem Coburger Gymnasium. Die Haare wachsen nach. Alles scheint wieder in bester Ordnung. Doch sieben Jahre später ereilt die zur jungen Frau herange-wachsene die Krankheit erneut und dann noch einmal mit 25. Schübe im Siebenjahresrhythmus stellt Franziska Z. fest, die sie zunächst nur ihres Haupthaares berauben. Am Ende verliert sie jedoch auch die gesamte sonstige Körperbehaarung samt Wimpern und Augenbrauen. Und das nachhaltig. "Es hat gedauert", sagt sie. Aber sie hat gelernt damit umzugehen. Heute kann sie dem Ganzen sogar eine positive Seite abgewinnen: "Ich werde oft wegen meiner gepflegten Beine beneidet", lacht sie.

Auf Ärzte ist die mittlerweile 46-Jährige allerdings nicht mehr allzu gut zu sprechen. Vertreter aus Schulmedizin, Homöopathie und Esoterik hat sie bemüht, Tinkturen geschmiert und Sprays versprüht, hat sich die abstrusesten Theorien über ihre Krankheit angehört, die von einer Lebensmittelallergie bis hin zu unbewusster Konfliktverarbeitung mit dem Vater reichen. Doch helfen kann keiner. Niemand weiß wirklich, was hinter dieser geheimnisvollen Krankheit steckt. "Das wird auch so bleiben", mutmaßt Franziska Z. "Daran stirbt keiner, deshalb hat die Wissenschaft kein Interesse daran, zu forschen."

Franziska Z. ist eine couragierte, sportliche Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Ihren Mann hat sie kennengelernt, "da hatte ich Haare". Sie erzählt ihm von ihrer Krankheit. Es stört ihn nicht. Auch dann nicht, als seine Frau schließlich tatsächlich eine Glatze bekommt. Franziska Z. weiß um die große Bedeutung freundlich gesinnter Menschen, die ihr den Rücken stärken, denn die Reaktionen der Umwelt sind oft sehr belastend. Sie erinnert sich noch, wie schockiert einst Nachbarskinder reagierten, als sie sich an der Haustür ohne Kopfbedeckung zeigte. Das verletzt. Viele betroffene Frauen ziehen sich deshalb stark zurück.

Nicht so die 46-Jährige. Sie hat sich ihr Leben systematisch so normal und positiv wie möglich gestaltet. Grundbausteine hierfür, sagt sie, sind allerdings gut funktionierende Hilfsmittel. Eine perfekt gearbeitete Perücke gehört für sie genauso unbedingt dazu wie das Permanent Make-up, das ihrem Gesicht mehr Kontur verleiht.

Normale Schminke taugt da nur bedingt. Wenn der Schweiß beim Sport über die Stirn rinnt, verwandelt sich die Augenbrauenmalerei schnell in schwarze Soße und "man sieht aus wie Alice Cooper", sagt sie. Hilfe gefunden hat sie bei Carolin Thomae, einer Coburger Permanent- Make-up-Spezialistin, die ihre Augenbrauen so präzise und detailreich nachgestaltete, dass niemandem der Kunstgriff auffällt und ihre Krankheit quasi unsichtbar wird.

"Man kann auch mit Alopecia gut leben", sagt Franziska Z. heute. "Aber man muss darum kämpfen."

Neue Presse Logo Astrid Volk

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