19.04.2011

Kaum Befürworter

Kaum Befürworter

Coburg - Eine Enttäuschung stand für Landrat Michael Busch (SPD) am Beginn der Besichtigungstour zum „Streitfall Werrabahn“, zu der er gestern eingeladen hatte. Am Treffpunkt Landratsamt erschienen kaum Befürworter der Trasse auf der historischen Strecke durch das Lautertal, sondern fast ausschließlich Teilnehmer, die seiner Meinung waren: „Ich will erreichen, dass dieses Ding ein für allemal vom Tisch kommt.“

„Dieses Ding“, das stellte der Landrat mehrfach heraus, sei keinesfalls der Lückenschluss zum Bahnnetz in Thüringen. Allein die Diskussion um die früher existierende Trasse durch das Lautertal ist es, die für den Landrat inzwischen zum Reizthema geworden ist.

Das musste ebenfalls die thüringer SPD-Bundestagsabgeordnete (und frühere Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium) Iris Gleicke erfahren, die daran erinnerte, dass die Werrabahn einst eine bedeutende Verbindung auf der Achse vom Ruhrgebiet durch Thüringen bis in den Osten der Republik darstellte.

Viel zu oft schon habe er dieses Thema diskutieren müssen, so Busch: „Wir können über alles reden, nur nicht über diese Trasse.“ Gestern hätte er es nach seinen Worten gern noch einmal, am liebsten zum letzten Mal diskutiert, mit dem Präsidenten der IHK zu Coburg etwa. Doch Friedrich Herdan war ebensowenig der Einladung gefolgt, wie die Befürworter aus der CSU-Fraktion des Coburger Stadtrats oder der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, den die Einladung nicht erreicht hat, wie seine Mitarbeiter erklärten.

Die Reaktionen der betroffenen Bürger, die an oder auf der Trasse leben, fiel sehr gemischt aus. Während Carmen Kaiser auf die Vorstellung, der Zug könnte dort fahren, wo sie jetzt hinter dem Haus einen Garten hat, sagte sie: „Das ist mir eigentlich egal, dann sollen sie halt wieder ein paar Schienen reinlegen.“ Andere meinten, sie würden schon wieder ruhiger schlafen, wenn die Pläne vom Tisch wären.

Für Lautertals Bürgermeister Hermann Bühling (CSU) ist der Fall klar: „Verkauft ist verkauft.“ Und Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) sieht das ähnlich: „Im Grundbuch stehen die neuen Besitzer.“ An der Ansicht änderte auch der Einwand von Rainer Bier (Fahrgastverband Pro-Bahn) nichts, dass die Gemeinde kein Papier vorlegen könne, das belegt, dass die Strecke als Bahntrasse „entwidmet“ sei. „Das ist Sache des Eisenbahn-Bundesamts, nicht der Gemeinde Lautertal.“ Hätte die Bahn noch Interesse an der Trasse gehabt, hätte sie die Grundstücke nicht verkaufen dürfen. Damit habe sie bekundet, dass ihr nichts an diesem früheren Stück ihres Netzes liegt.

Coburger Tageblatt Logo Rainer Lutz