18.02.2011
Karin-Stollen
Beuerfeld - Ihr Platz an der Sonne dürfte für die Figur der Heiligen Barbara ein ungewohnter gewesen sein. Bisher hatte sie über die Arbeiten der Vortriebsmannschaft vom Büro des Projektleiters aus gewacht. Für ihre irdische Vertreterin, Tunnelpatin Karin Baumüller-Söder, war es der erste Tunnel, über den sie die Patenschaft hatte. Und diese Patenschaft ist eine glückliche: unfallfrei und termingemäß konnte gestern der Rohbau des Lauterüberleiters in Oberlauter übergeben werden.
"Ich bin froh, dass der Tunneldurchschlag erfolgreich beendet wurde und niemandem etwas passiert ist!", führte Tunnelpatin Baumüller-Söder, Ehefrau des bayerischen Umweltministers, bei der Feier aus. Vor gut einem Jahr hatte sie die Tunnelarbeiten für den zwei Kilometer langen Karin-Stollen gestartet. Mit dem Tunneldurchschlag wurde die gefährlichste Phase des Baus beendet.
Zufrieden mit der Arbeit der Tunnelbauer und dem modernen Hochwasserschutz zeigte sich auch Umweltminister Dr. Markus Söder: "Hochwasserrückhalt, Überleitung und innerörtliche Schutzmaßnahmen bilden eine nachhaltige Lösung für die Region Coburg", betonte er. Der Überleitungsstollen an der Lauter sei das Kernstück des Hochwasserschutzes im Coburger Raum.
Letzte Schwachstelle
Oberbürgermeister Norbert Kastner zeigte sich auch im Namen von Landrat Michael Busch froh darüber, dass mit der Lauter nun die letzte Schwachstelle des Hochwasserschutzes gestärkt sei. Er versicherte ausdrücklich, dass es sich beim Goldbergsee um Hochwasserschutz handele und die Stadt Coburg kein Interesse daran habe, die Lauter auszutrocknen.
Insgesamt beliefen sich die Kosten für die Hochwasserschutzmaßnahmen im Raum Coburg auf etwa 100 Millionen Euro. Bayern trägt davon rund 56 Millionen Euro, die Europäische Union 25 Millionen. Das Rückhaltebecken Goldbergsee wurde im vergangenen Jahr fertig gestellt. Das zweite große Rückhaltebecken Froschgrundsee gibt es bereits seit den 80er Jahren.
Beide Becken haben sich jüngst beim Januar- Hochwasser bewährt. Sie verhinderten großflächige Überschwemmungen wie in der Vergangenheit. "Wir helfen mit dem naturnahen Konzept auch der Umwelt," sagte Söder. Naturnaher Ausbau im Hochwasserschutzprojekt schaffe wertvolle, neue Lebensräume. Beispiel dafür sei der Biotopsee, ein Teil des Goldbergsees. Nachdem Pater Wilson und Pfarrer Beck um Gottes Hilfe und Segen auch für zukünftige Tunnelarbeiten gebeten hatten, konnte der offizielle Tunneldurchschlag beginnen: Hinter der Betonhaut, die den Tunnel verschloss, wurde es laut und kurze Zeit später durchbrachen die ersten Baggerzähne die Wand. Nach einigen Minuten war die Öffnung groß genug, um die Vortriebsmannschaft aus dem Tunnel ins Freie zu entlassen.
Projektleiter Andreas Fichte meinte im Rückblick auf die 406 Vortriebstage, die Arbeit sei eine Punktlandung gewesen. „Kompliziert war der Wassereinbruch, das hat das Ganze verzögert und erschwert.“ Trotzdem hätten die Terminvorgaben eingehalten werden können. Nun stehe die Verkleidung der Innenschale an, bis Ende des Jahres werde diese mit Ortbeton ausgekleidet. Nach zirka weiteren sechs Monaten solle der Bau beendet sein. So lange wird die heilige Barbara noch auf ihrem Platz im Büro ausharren.