21.02.2011

Junge Choreographen

Junge Choreographen

Coburg - Das ist Tanztheater pur! Witz und Tiefgang, großer Raumgriff und kontemplative Isolation, szenische Ausarbeitung und Bewegungspurismus, Solo und Ensemblestück - die jungen Choreografen des Coburger Ballettensembles zeigen unter dem Titel "First Steps" einen facettenreichen Abend mit tänzerischen Miniaturen in der Coburger Reithalle. Die ersten Schritte in einer Choreografenkarriere kommen ganz und gar nicht vorsichtig daher, sondern zeigen selbstbewusst ein großes künstlerisches Potenzial. Und bei der Premiere am Samstagabend in der Reithalle gab es nicht nur frischgebackene Choreografen-Persönlichkeiten zu feiern, sondern ein immer besser harmonierendes Tanzensemble, das unter dem neuen Chef Mark McClain einen deutlichen Qualitätssprung macht.

Einige Namen firmieren nicht zum ersten Mal als Choreografen, Tanja Probst zum Beispiel, die schon in den Vorjahren begeisterte. Ihr war mit "La primera lección" der Auftakt des Abends vorbehalten. Als Arbeitsmotto war den Choreografen lateinamerikanische Musik vorgegeben und Tanja Probst interpretierte die Klänge der Habana All Stars mit einer Latino-Geschichte. (Andere Musikstücke des Abends, wie die von Ginastera und Piazzolla, wiesen über den folkloristischen Gestus hinaus). Die kleine Geschichte um einen schüchternen jungen Mann (Adrian Stock), der sich von einem Vollblutmacho (Po-Sheng Yeh) die Kunst der Verführung erklären lässt, und dabei natürlich den Kürzeren zieht, spielt humorvoll mit dem Machismo. Eine Corrida aus gockeliger Eleganz und jungenhafter Naivität. Tanja Probst schrieb sich weiter hinten im Programm noch ein Solo auf den Leib, eine Studie aus kantigen und fließenden Bewegungen um das Thema "Prisma".

Viel Emotionalität fließt in das Solo von Chih Lin Chan, die sich unter dem Titel "Chang Hua - Home" mit Erinnerungen an ihre taiwanesische Heimatstadt beschäftigt. Von Liebe und Sehnsucht beseelt ist ihr geschmeidiger Tanz, der vor allem durch die Ausdrucksstärke gefangen nimmt.

Gedankenwelten verarbeitet auch Eriko Ampuku in ihrer Choreografie. Gemeinsam mit Denise Ruddock lässt sie einen "Moment" im Leben eines Menschen zwischen Zögern und Voranschreiten, Nachdenken und Wahrnehmen Bild werden. Das Zögern vor einem Moment der Entscheidung vertanzt auch Takashi Yamamoto unter dem Titel "Hesitation". Er kombiniert perfekte klassische Elemente - hohe Sprünge und saubere Pirouetten - mit einem Mix aus modernen Tanzvokabeln, um vom Aufbrechen, Innehalten, Sich-Motivieren, Lospreschen und Zurückzucken zu erzählen. Dabei nutzt er souverän den gesamten Bühnenraum aus.

Eine Beziehung und ihre Beurteilung durch die Gesellschaft lässt Niko Ilias König unter dem Titel "Bagaschigemaschen" durchspielen. Bei ihm liegt der Focus auf dem Gesamtkonzept, das gelungene Lichteffekte ebenso berücksichtigt, wie eine von seinem Freund komponierte Musik. Dieses "Almtal" von Red L kommt als Weltmusik daher und hat neben Austro- und Afro-Klängen auch einen Latin-Touch.

"Caras de plata", die zwei Seiten einer Münze und im übertragenen Sinn der menschlichen Seele, nimmt Denise Ruddock zum Thema ihres ausgewachsenen Stücks. Eriko Ampuku und Chih Lin Chan gestalten die Choreografie mit faszinierender Ausdrucksstärke und makelloser Harmonie. Auf den ersten Blick scheinen beide Seiten völlig gleich zu sein: die Synchronität des Paares ist Ausdruck dafür. Doch dann erzählt Eriko Ampuku im elegischen pas seul von Trauer und Suche. Die lebensfrohe Chih Lin Chan kann der In-Sich-Gekehrten kaum Trost bringen und sie tanzt allein von Lebensmut und Freude. Gebannt folgen die Zuschauer dieser ausgereiften Choreografie von Denise Ruddock und spenden begeistert Beifall.

Mit kraftvollen Solo-Stücken hat Po-Sheng Yeh schon mehrfach in der Junge-Choreografen-Reihe von sich reden gemacht. Auch in "Dust" lässt der Tänzer-Choreograf seinen ausdefinierten Körper sprechen. Ein Leben aus Staub geboren und wieder zu Staub werdend ist das Thema, und so bespielt Po-Sheng Yeh nur wenige Quadratmeter im Kegel des Scheinwerferlichts. Ein kraftvoll-großartiger Monolog über das Werden und Vergehen.

Vier Faktoren, die das menschliche Leben besonders berühren, stellt die Choreografie "Es kommt und vergeht . . ." in miteinander verknüpften Soli vor: die Liebe (Eriko Ampuku), die Natur (Chih Lin Chan), die Nacht (Denise Ruddock) und die Zeit (Niko Ilias König). Damit setzt Claudia Czyz den tänzerischen Schlussakkord unter einen anspruchsvollen und abwechslungsreichen Abend, der zurecht mit viel Beifall gefeiert wurde. Nicht verpassen, es gibt nur wenige Termine im Februar!

Neue Presse Logo Heidi Höhn

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