06.03.2011

In der Welt habt ihr Angst

In der Welt habt ihr Angst

Coburg - "In Franken werden viel zu wenig Filme gedreht!" Das stellte Hans W. Geißendörfer gestern anlässlich seiner Filmpremiere im Coburger Utopolis fest. Zum zweiten Mal konnte ihn Oskar Heublein hier begrüßen: 1992 realisierte Geißendörfer mit Fitzgerald Kusz den Film "Gudrun" in fränkischer Sprache - "aus Protest gegen die vorherrschende Meinung, dass man Englisch drehen soll". Seinen neuen Kinofilm "In der Welt habt ihr Angst" lässt der gebürtige Augsburger, der in Neustadt an der Aisch seine Kindheit verbrachte, nun in Bamberg spielen. Für die Geschichte um ein drogenabhängiges junges Paar, das aus der engen bigotten Umgebung ausbrechen will, sei Bamberg genau der richtige Ort gewesen, erklärt Geißendörfer. "Die kirchliche Power drängt sich hier auf."

Beim Schreiben seines Drehbuchs habe er jedoch nicht nur den Ort der Handlung genau im Blick gehabt, sondern auch seine Hauptfigur Eva. "Die Rolle habe ich Anna Maria Mühe auf den Leib geschrieben", berichtet der Filmemacher im Pressegespräch. Erste Ideen zu dem Film hat Geißendörfer während der Dreharbeiten zu "Schneeland" mit Ulrich Mühe im verschneiten Lappland entwickelt. Der bald darauf gestorbene Schauspieler ("Das Leben der anderen") sollte nach Geißendörfers Wunsch an der Seite seiner Tochter den großen Vater-Tochter-Konflikt spielen. Im Mittelpunkt des Films steht die starke Liebe zwischen Eva und Jo, aber daneben spielen auch die Vater-Tochter-Beziehung, eine gescheiterte Ehe sowie die Zuneigung von Evas Ex-Freund eine Rolle. Sind das zu viele Facetten? Für Hans W. Geißendörfer sind alle diese Arten von Liebe wichtig. "Es muss alles miterzählt werden", betont er. Auch die komischen Situationen und kleinen Ironien sind für ihn wichtig: "In jeder großen dramatischen Situation des Lebens liegt auch eine Komik. Es ist schön, wenn man Schmunzeln kann und feststellt, es gibt auch diese heitere Seite im Leben."

Im Film sind Eva und Jo so aufeinander fixiert, dass sie selbst über Gefängnismauern hinweg über ein inniges Band verbunden scheinen. "Ich habe eine solche Verbundenheit mit meiner Frau wiederholt selbst erlebt", erklärt Geißendörfer. Im Film sei das gemeinsame Fühlen und Musizieren eine Metapher für die Konzentration der Liebenden aufeinander. "Man muss in diesem Film nicht bei allem nach der Logik fragen. Das ist kein Fernsehrealismus", betont der Schöpfer der "Lindenstraße".

Die Kultserie und das Kino - beides macht der im April seinen 70. Geburtstag feiernde Regisseur und Produzent gleichermaßen gern. ",Lindenstraße' ist der Roman, Kino ist die Lyrik", verriet er dem zahlreichen Coburger Publikum. Und er stellte in Aussicht, dass es die "Lindenstraße" auf jeden Fall noch bis 2014 geben wird. Ein entsprechender Vertrag wurde gerade unterzeichnet.

Von der ersten Idee bis jetzt zum fertigen Film hat die Realisierung von "In der Welt habt ihr Angst" rund sechs Jahre gedauert. Beim Drehbuchschreiben wünscht sich der Filmprofi die "Naivität des Anfängers" zurück, denn das selbstkritische Überarbeiten eines Stoffes sei manchmal regelrecht zerstörerisch. Um einen Kinofilm zu produzieren brauche man "Geduld und eisernen Willen". Und die hat er.

Neue Presse Logo Heidi Höhn

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