18.01.2012
Lineale für Afrika
Coburg - Zu Beginn können die 40 Kinder aus dem Waisenhaus von Lobogo, einem kleinen Ort im Süden von Benin, mit den Legosteinen nichts anfangen. Mehrere Minuten betrachten sie das bunte Spielzeug mit großen Augen, ohne es anzufassen. Dann trauen sie sich doch. Die Kinder fangen an zu basteln, zu stapeln, zu lachen. "Man kann sich das nicht vorstellen, aber sie kennen Lego oder Playmobil einfach nicht. Ihre Spielzeuge sind Sand und Steine", berichtet Jürgen Werobèl-La Rochelle, der zusammen mit anderen Vertretern der zwei Coburger Lions Clubs das Waisenhaus seit längerem unterstützt.
Seit fünf Jahren fährt eine Delegation in das westafrikanische Entwicklungsland, um den Kindern zu helfen. 2011 hatte sie knapp 30 Kilo Spielzeug im Gepäck. Zuvor wurde bereits die Wasserversorgung sichergestellt und ein Blechdach installiert. "Die Schwestern mussten nachts die Betten verschieben, damit die Kinder nicht eingeregnet werden", begründet Werobèl-La Rochelle die Dacherneuerung.
Neben dem Waisenhaus in Lobogo unterstützen die Lions Clubs auch eine Schule in Toyoyomé. Hier werden knapp 300 Kinder unter schwersten Bedingungen unterrichtet - und das nicht, weil die Schule in der Lagune vor Cotonaou im Wasser auf Pfählen gebaut wurde. "Es herrscht allgemeine Schulpflicht, aber es fehlen die Lehrmaterialien", berichtet Werobèl-La Rochelle. Mit Spendengeldern werden vor Ort Bücher und Hefte gekauft und in der Schule verteilt. "Die Kinder freuen sich immer, wenn wir kommen. Die Begrüßung rührt einen zu Tränen", schildert Werobèl-La Rochelle.
Für die diesjährige 14-Tages-Reise über Ostern werden die sechs Coburger auch Zirkel und Lineale in ihre Rucksäcke packen. Die werden, neben den Spielsachen, derzeit in zwei Coburger Reisebüros gesammelt. Hilfe bei der derzeit laufenden Spendenaktion erhalten die Coburger Lions Clubs vom Leo-Club Coburger Berglöwen. Wie schon 2010 und 2011 hat sich der "Nachwuchs" des Lions Clubs Coburg dazu bereit erklärt, die Spendenaktion zu koordinieren. "Das ist ein wichtiges Projekt. Wir wollen den Alltag der Kinder etwas erleichtern", sagt Christina Kilian.
Die 26-Jährige ist eine von aktuell 14 Berglöwen, die sich in der Vestestadt ehrenamtlich engagieren. Werden nicht gerade Lego, Zirkel und Lineale gesammelt, versuchen die "Leos" mit anderen Aktionen, Bedürftige in der Region zu unterstützen.
So organisieren sie beispielsweise Jahr für Jahr im Mai einen Rosenverkauf. Der Erlös von 700 Euro ging 2011 an den Verein zum Schutz misshandelter Frauen. Zudem betreiben sie regelmäßig einen Stand auf dem Coburger Nachtflohmarkt. Mit dem eingenommenen Geld haben sie in der Vergangenheit unter anderem das ehemalige Eltern-Kind-Café "Kleiner Muck" unterstützt.
50 Kilogramm Gepäck
Die ehrenamtliche Arbeit bei den Berglöwen, berichtet Christina Kilian, ist durchaus zeitaufwendig. "Allerdings lohnt sich jede Minute. Es macht Spaß, und man hilft der Allgemeinheit", sagt sie. Allerdings könnte der Club durchaus Neuzugänge gebrauchen. "Bei uns scheiden bald einige altersbedingt aus. Wir brauchen neue Mitglieder", wirbt Kilian.
Die Spendenaktion für Benin läuft bisher recht gut an. Allerdings wurden, wie Mitarbeiterin Lisa Alkofer bestätigt, im L'TUR-Reisebüro in der Spitalgasse bisher nur Lineale abgegeben. Jürgen Werobèl-La Rochelle hofft, dass sich der eine oder andere Coburger auch noch von seinem Zirkel trennen kann. "Platz haben wir genug. Bei Air France kann jeder Passagier 50 Kilogramm Gepäck mitnehmen. Da passt schon einiges rein."
Für den 71-Jährigen, der längere Zeit beruflich in Westafrika tätig war, bedeutet der Benin-Besuch weitaus mehr als das bloße Überbringen von Spiel- und Schulsachen. "Es ist auch kulturell eine sehr lohnenswerte Reise", sagt er.
Leo-Club Coburger Berglöwen
Der Leo-Club Coburger Berglöwen wurde am 27. April 2006 gegründet. Aktuell zählt er 14 Mitglieder. In Deutschland engagieren sich etwa 2500 Leos in mehr als 150 Clubs. Weltweit gibt derzeit 5720 Clubs. "Leos" sind in der Regel zwischen 16 und 28 Jahre alt. Bei den Leo-Clubs werden Konzepte entwickelt, um Menschen, denen es schlechter geht, zu helfen. Wer sich engagieren will, ist bei den Coburger Berglöwen stets willkommen. Das nächste Treffen findet am 4. Februar um 18.30 Uhr in der Pizzeria Da Mario statt.
Wer das Waisenhaus und die Schule in Benin mit Schul- bzw. Spielsachen unterstützen will, kann dies noch bis zum 5. März tun. Spielsachen werden im DER-Reisebüro (Mauer), Zirkel und Lineale im L'TUR-Reisebüro (Spitalgasse) angenommen.