02.02.2012
Herr Gruber, schauen Sie!
Coburg - Bahnhof ist eigentlich das falsche Wort. Höfisch ist hier nichts mehr, dem herzoglichen Wappen am sogenannten Fürstenbau und der schön proportionierten ovalen Halle zum Trotz. Besser passt das Wort „Verkehrsstation“, das die Bahn selbst verwendet. Denn mehr bietet der Zweckbau nicht: In der Halle die Fahrkartenautomaten, der Zugang zum Servicecenter, links und rechts die Imbissgeschäfte und die Bahnhofsbuchhandlung. Außerdem gibt’s einen Geldautomaten und das Bistro, das bis in die Abendstunden geöffnet hat.
Neu ist die automatische Windfangtür zum Gang unter den Gleisen. Hier hat die Bahn im vergangenen Jahr etwas Geld lockermachen können, dem Konjunkturpaket II sei Dank. 132 Millionen Euro flossen daraus in Bahnhöfe und das Schienennetz in Bayern. Wer sehen will, was die Bahn damit in Coburg getan hat, findet unter www.bahnhof.de/konjunkturprogramm zwei Fotos vom Tunnel unter den Gleisen. Darunter heißt es, dass die Personenunterführungen saniert wurde. „Das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste verbessert sich durch Maßnahmen an der Beleuchtung.“
Weitaus wichtiger wäre aber ein leichterer Zugang zum Gleis und zum Zug. Eine Rollstuhlrampe führt bis in den Bahnhof, aber nicht weiter. Für Rollstuhlfahrer organisieren Rotes Kreuz und ASB den Einstieg in den Zug nach Anmeldung, aber wer mit schwerem Gepäck, Kinderwagen oder Fahrrad unterwegs ist, muss sehen, wie er zurechtkommt. 2008 sammelten der Seniorenbeirat und Behindertenbeauftragter Johannes Thaben Unterschriften für einen behindertengerechten Bahnhofsausbau. Zwischen 2012 und 2014 sei der möglich, hieß es damals.
Im September 2011 teilte der Bahn-Konzernbeauftragte für Bayern, Klaus Dieter Josel, dem Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) schriftlich mit, dass der Beginn für den Bahnhofsausbau für 2014/15 terminiert sei, die Fertigstellung für 2016/2017. „Und die Stadt gibt sich damit zufrieden“, schimpft Johannes Thaben. „Den Bahnhof brauchen wir heute schon, nicht erst 2017!“
Im April 2009 teilte die Bahn mit, dass nun die Schließfächer und das seit Jahren kaputte Gepäcktransportband am Gleis 3 in Coburg abgebaut würden. Toiletten hat der Bahnhof auch schon lange nicht mehr – für dringende Geschäfte gibt es die öffentliche Toilette der Stadt am Busbahnhof nebenan, oder man kann im Imbiss an der Halle nach dem Schlüssel fragen.
2017, wenn die ICE-Neubaustrecke in Betrieb geht, soll auch Coburg ICE-Halt werden. Dafür muss zumindest ein Gleis hergerichtet werden. Es gibt deren aber fünf. Marita Nehring, die Nahverkehrsbeauftragte von Stadt und Landkreis, weiß von Überlegungen, alle fünf Bahnsteigkanten auf 55 Zentimeter anzuheben. Das wäre zwar kein ICE-Maß (das beträgt 76 Zentimeter), aber dann wären wenigstens die durch Coburg fahrenden Nahverkehrs- und Expresszüge ebenerdig erreichbar.
Als ICE-Bahnhof bräuchte Coburg außerdem Parkplätze. Doch bislang ist noch nicht einmal klar, ob sie östlich im Bereich der ehemaligen Expressgüter-Abfertigung oder westlich an der B 4 entstehen können.