24.01.2012

Heiß begehrte Häuser

Heiß begehrte Häuser

Coburg - In der Stadt geht alles. Mit diesen fünf Worten lässt sich die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt in Coburg zusammenfassen. Das gilt sowohl für Eigentumswohnungen als auch für Häuser. Welchen Makler man auch befragt: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Interessante Objekte werden innerhalb eines Tages vermittelt.

"Das Angebot wird immer dünner", erklärt Makler Christian Cestone von der Firma Lange Immobilien, "vor allem in Coburg und den Stadtteilen." Grob gesprochen lasse sich derzeit alles verkaufen, solange es im Stadtbusbereich liege, so Cestone. Je weiter ein Haus oder eine Wohnung vom Zentrum entfernt stehe, desto geringer seien die Verkaufschancen. "Manche Objekte im Landkreis gehen nur noch über den Preis oder gar nicht", unterstreicht Cestone den Trend in die Städte, der nicht nur für Metropolen, sondern auch für Kleinstädte gelte.

Dabei muss, wer Wohneigentum erwerben will, viel tiefer in die Tasche greifen als noch vor zwei Jahren. "Die Preise sind seitdem um zehn bis 15 Prozent gestiegen", zeigt Cestone auf. Von rund zehn Prozent mehr spricht Michael Holder, Leiter der VR-Bank-Immobilien. Er geht von weiter steigenden Kosten fürs Wohnen in der Stadt in den kommenden fünf bis zehn Jahren aus. "Erst wenn sich die Leute das nicht mehr leisten können, werden auch Häuser im Landkreis wieder stärker gefragt sein", ist er sicher. Bis dahin sucht er "händeringend" nach Objekten in der Stadt. "Es fehlt einfach alles", sagt Holder, "Wohnungen, Grundstücke, Ein- und Mehrfamilienhäuser." Die könnte er derzeit nicht nur an Eigennutzer vermitteln, sondern zunehmend auch an Investoren.

Investoren zurück

Das ist auch die Erfahrung von Makler Michael Leib. Neben dem klassischen Einfamilienhaus im Stadtgebiet, das immer geht, könnte er auch Renditeobjekte wie Miet- und Geschäftshäuser "jeden Tag" verkaufen, wie er sagt. "Aber es sind nur wenige da." Auch Gebäude unter Denkmalschutz seien nicht außen vor, denn hier könne man Investitionen steuerlich absetzen.

Die gleiche Erfahrung hat auch Marcus Seiler, Leiter des Immobiliencenters der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, gemacht: "Den Kapitalanleger gibt es wieder in Coburg." Über viele Jahre sei er nicht dagewesen, aber jetzt dränge er verstärkt auf den Markt. Das Angebot werde immer enger: Erstens, weil Häuslebauer und Käufer sich günstig Geld leihen können, zweitens, weil bereits angespartes Vermögen derzeit kaum Zinsen bringe, und drittens aus Angst vor einer Inflation.

Spezielle Anforderungen

"Der Trend zu Sachwerten ist eindeutig", sagt Seiler und hat dabei nicht nur die klassische Klientel von früher - nämlich Familien - im Blick, sondern auch Senioren. "Altersgerechtes Wohnen ist gefragt", erklärt er und freut sich, dass die Sparkasse gerade eine entsprechende Wohnanlage in Cortendorf anbietet. "Für diese Klientel gibt es in Coburg keine großen Alternativen", meint er.

Auch für eine andere, wesentlich jüngere Gruppe mangelt es in der Stadt an Wohnraum: Studenten. Leo Otte, Leiter von Otte Immobilien, stellt fest: "Ein Studentenwohnheim mit bis zu 100 Appartements, das wäre eine Geldmaschine." Die Nachfrage übertreffe hier sogar die nach regulären Miet- und Eigentumswohnungen. Otte seufzt: "Im Moment verkauft kaum jemand sein Eigentum. Das Angebot ist extrem knapp. Selbst Leute, die aus Coburg wegziehen, vermieten derzeit lieber, als sich von ihrem Eigentum zu trennen." Mangelnde steuerliche Anreize, meint Otte, verhinderten zudem den Bau von neuen Eigentumswohnungen. Doch wer solche plant, der kriegt sie selbst in der Luxusversion an den Mann. Im Moment scheint alles möglich - so auch der Verkauf einer Drei-Zimmer-Wohnung mit rund 104 Quadratmetern für 295 000 Euro. In Coburg bisher eine Selten- wenn nicht gar Unmöglichkeit. Lange Immobilien bietet sie derzeit im "Alten Landratsamt" direkt neben dem Kino an und verzeichnet eine "sehr starke Nachfrage", wie Christian Cestone beteuert. Nach einigen Verzögerungen soll im Frühjahr mit dem Umbau des Gebäudes begonnen werden. "Die Wohnungen werden als Altersruhesitz oder Anlage erworben", erklärt er. "Der Preis ist bei dieser Klientel nicht das Entscheidende. Da muss einfach alles passen: Lage, Grün, Aufzug, Garage."

Ein Phänomen

Wer sich diesen Luxus nicht leisten kann oder will, für den hat Michael Leib einen Tipp parat: "Es gibt ein Phänomen in Coburg, das ich mir nicht so recht erklären kann", sagt er. "In ganz Deutschland gehen die Grundstückspreise nach oben, nur bei uns nicht." Sogar im Stadtgebiet, das sonst so gefragt ist, stagnieren sie Leibs Angaben zufolge. "In Scheuerfeld und Creidlitz werden gerade Baugebiete erschlossen", erklärt er. "Die Preise sind hier so konstant wie schon seit Jahren."

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