14.10.2010

Unter neuem Dach

halle

Coburg - Es bleibt beim Fertigstellungsdatum 31. Dezember. Zumindest in der Planung. „Ziel ist es, alles daran zusetzen, den Vertrag einzuhalten. Wir haben fast alle Zeitverluste aufgeholt, die durch den Wechsel der Baufirma entstanden sind“, verkündete gestern Michael U. Tockweiler, Geschäftsführer von Sportstadianet. Das Düsseldorfer Unternehmen baut für die Stadt Coburg die Ballsporthalle auf der Lauterer Höhe und hatte zum Richtfest auf die Baustelle geladen.

Doch so felsenfest überzeugt wirkte Tockweiler nicht: Das Wetter könne durchaus einen Strich durch die Rechnung machen, räumte er ein. „Wir müssen das Gebäude so schnell wie möglich dicht kriegen, damit wir im Inneren des Gebäudes eine Minimaltemperatur von fünf Grad halten können.“ Denn die Baustelle muss entfeuchtet werden, die Installationen im Inneren fehlen noch komplett. Deshalb, so Tockweiler, arbeite man an Szenarien für den Fall, dass die Bauzeitenpläne von der Witterung umgeworfen werden.

Tockweiler und Architekt Cem Arat wiesen auf den engen Zeitplan hin: Vor gut einem Jahr wurde der Vertrag mit Sportstadianet geschlossen, damit begann die konkrete Planung. Im Dezember 2009 reichte das Architekturbüro ASP die Baupläne zur Genehmigung ein, zur gleichen Zeit erfolgte schon der Spatenstich. Tockweiler griff sein Versprechen aus dem Frühjahr auf, als er angekündigt hatte, die Halle werde „wie ein Champignon aus der Erde wachsen“: „Wir stehen nun vor einem Champignon, den wir gemeinsam genießen können.“

Der Genuss bestand dann in einem ersten Rundgang auf der Baustelle und ims Gebäude. Da war dann auf den Gesichtern der meisten Gäste Zustimmung und Begeisterung zu lesen. „Es wird wirklich ein Prunkstück“, frohlocke Oberbürgermeister Norbert Kastner. Auch Max Beyersdorf, selbst Architekt, zeigte sich angetan. „Die Halle wird schön!“ Beyersdorf und sein Fraktionskollege Thomas Engel waren als einzige CSU-Stadträte der Einladung gefolgt, die Bau- und Sportsenat umfasste.

Freilich: Wenn der Ablauf eines Richtfestes ein Omen darstellt, dann sahen einige der Gäste schon schwarz für die Baustelle. Dass der Richtbaum aus Metall besteht, war noch zu erklären. Schließlich wird die Halle von einer Stahlkonstruktion überspannt. Stahlbauer Martin Brehl, der den Richtspruch deklamierte, hatte jedoch weder Bier noch Wein noch Schnaps zur Hand, um auf das gelungene Werk anzustoßen. Am Ende gab’s Bier aus Weingläsern – noch ein Stilbruch. Die Vorfreude auf ein gelungenes Bauwerk überwog jedoch: „Das wird eine Sportstätte, die ihresgleichen sucht“, versprach Michael Tockweiler.

Zum einen tut sie das durch die Architektur: Das Gebäude habe bewusst keine Vorder- und Rückseite erhalten, sondern solle sowohl aus der Perspektive der Veste als auch von der Autobahn her ein Zeichen in der Landschaft setzen, sagte Architekt Cem Arat. Zum anderen besticht die Halle durch innovative Technik: Sie wird die strengsten Normen zur Energieeinsparung und die Kriterien eines „Green Buildings“ erfüllen.

Doch diese Fragen interessierten gestern weniger. Stadträtin Gabriele Morper-Marr, stolze Besitzerin einer Dauerkarte für HSC-Heimspiele, scherzte beim Rundgang in Richtung HSC-Präsident Jürgen Heeb: „Wo ist hier Platz 41 gelb?“

Coburger Tageblatt Logo Simone Bastian