30.12.2011

Glühwein vor Gericht

Glühwein vor Gericht

Coburg - "Das sind doch alles intelligente Leute. Die müssen sich doch nicht über so was streiten", brummelt der ältere Herr. An der Ecke Herrngasse und Marktplatz lesen Passanten in diesen Tagen auf der Plane eines Piaggio-Dreirades, dass die Stadt der Gaststätte "Goldenes Kreuz" den Ausschank "aus unserer Glühweinhütte untersagt hat". Das Verwaltungsgericht Bayreuth hat eine Klage der Gaststätte gegen den behördlich angeordneten Abbau der Bude im Sinne der Stadtverwaltung entschieden.

Wie im vergangenen Jahr wollte der Wirt der Coburger Traditionsgaststätte anstelle des kleinen und genehmigten Biergartens vor dem Lokal wieder die Bude aufstellen und daraus Glühwein verkaufen. Aber weil es einen Unterschied gibt zwischen dem Einschenken eines Getränks in der Gaststätte gefolgt vom Servieren draußen einerseits, und dem Ausschank vor der Tür andererseits, bedarf es für den Ausschank einer Konzession. Diese versagte die Stadt Coburg, um den Budenbetreibern auf dem Weihnachtsmarkt einen Steinwurf entfernt eine Konkurrenz zu ersparen, sagte Stadtpressesprecher Michael Selzer auf Anfrage. Trotzdem wurde bis drei Tage vor Heiligabend vor der Gaststätte Glühwein ausgeschenkt, bis das Verwaltungsgericht entschieden hatte.

Armin Schugt, Wirt des "Goldenen Kreuz", wertet die Geschichte als "Schildbürgerstreich und kleinlich". Beim Sambafestival und besonders zu Pfingsten beim Coburger Convent störe der Ausschank im Freien ebenfalls nicht, sondern werde sogar gern gesehen. Diese unterschiedliche Bewertung "stört mich und die Eigentümer". Eigentümerin des "Goldenen Kreuz" ist Gabriele Stoschek.

Einen Glühweinausschank in unmittelbarer Nachbarschaft des Weihnachtsmarktes hat die Stadtverwaltung in der Vergangenheit schon einmal untersagt. Mehrere Jahre hatte Wolfgang Schubart vor seinem Kaffeehaus Cappuccino am Markt eine große Glühweinbude betrieben. Als dafür keine Konzession erteilt wurde, bemühte sich Schubart um einen Standplatz auf dem Weihnachtsmarkt und ist seitdem dort mit einer eigenen Bude vertreten. "Der Weihnachtsmarkt würde zerrissen, wenn es in unmittelbarer Nähe ein ähnliches Angebot gibt", versteht Wolfgang Schubart die Auffassung der Stadt. Auch am Theaterplatz ist der Unternehmer mit der "Kaffeebohne" aktiv und dort seien in der Adventszeit derartigen Buden nicht erlaubt, bedauert er etwas.

Anklang findet das Vorgehen der Stadt auch bei Ralf Pazdera. Pazdera ist mit mobiler Gastronomie auf Volksfesten und auf dem Coburger Weihnachtsmarkt vertreten. Er spricht sich klar gegen diese Art der Trittbrettfahrerei aus, "die man als Geschäftsmann nicht macht". Pazdera argumentiert, dass es ohne die Marktkaufleute den Weihnachtsmarkt gar nicht geben würde. Darüberhinaus würden die Gastrobuden auf dem Weihnachtsmarkt mit großem Aufwand der Besitzer angeschafft, gepflegt und gestaltet.

Im Dezember des Jahres 2002 hatte Gabriele Stoschek ebenfalls mit einer Plakataktion den Baustopp bei der Sanierung der altehrwürdigen Gaststätte verkündet. Damals entzündete sich eine Auseinandersetzung daran, dass ein Jahr zuvor die Stadtbusse vom Marktplatz per Stadtratsbeschluss verschwinden sollten, dies aber nicht schnell genug umgesetzt wurde. Im Februar 2003 zeichnete sich eine Einigung ab: Stoschek hielt an der Sanierung des "Goldenen Kreuz" fest und wartete solange ab, bis der Marktplatz umgestaltet war. Im April des Jahres 2005 eröffnete das "Goldene Kreuz" wieder.

Neue Presse Logo Christoph Winter

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